Schreiben

I, TONYA und der Papagei

Ich lese gerade das Drehbuch zu I,TONYA (hier als Download zu finden). Das erste, was mich bei der Lektüre überwältigt hat, sind die Charaktere: Sie überraschen mich mit ihrer Borniertheit, Härte, Bauernschläue – und Armut. Die Geschichte versucht in der Art und Weise, wie die Figuren vorgestellt werden, den richtigen Ton zu treffen: Die Begebenheiten sind so unglaubwürdig bizarr und unwahrscheinlich aber doch wahr, kein Autor hätte sich dies ausdenken können. Und doch sehen wir einen Film, der ebenjene Begebenheiten zu einer kohärenten Story verdichtet.

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Schreiben

„I feel so fresh, healthy. It’s terrible“

Der miesepetrige Potatoe-Head bekennt sich zu diesem Satz, als er, den Umständen geschuldet, die namensgebende Kartoffel gegen eine frische Gurke eintauschen muss. Die Rede ist von TOY STORY 3. Der Dialog ist für einen Familienfilm wirklich gut. Mehr als der stellenweise pointierte Dialog hat mich aber die Einheitlichkeit der Welt überrascht – die Regeln der Welt, die scheinbar mühelos und unauffällig die Geschichte takten, strukturieren und eine befriedigende emotionale Erfahrung ermöglichen.

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Kino

Harvey Weinstein trägt Prada

THE DEVIL WEARS PRADA überrascht. Das heißt, der Film überrascht nicht wirklich als romantische Komödie, der in der Welt der Modemagazine angesiedelt ist. Der Film schafft es aber, der Modeindustrie Bedeutsamkeit zu verleihen. Und das ist gar nicht so einfach.

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Kino, Schreiben

Adler warten nicht bis zum Ende für den ersten Kuss

Auf die Mischung kommt es an, besonders wenn man solch eine ungewöhnliche romantische Komödie wie LEGAL EAGLES schreibt… Auf die Mischung und das richtige „Abschmecken“ unterschiedlicher Erzähltonalitäten. Ivan Reitmanns Komödie will eine romantische Komödie sein – wie ungewöhnlich deshalb, dass mehrere Mordfälle passieren und der Mann in der Mitte des Films mit einer viel hübscheren Frau als seiner großen Liebe schläft.

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Kino, Schreiben

Von der Bedeutung der ersten Szenen im Film und schmutzigen Spiegeln

Joel und Ethan Coen machen dies gern: Sie öffnen ihre Filme mit einer typischen Szene, einer Szene, die dem Zuschauer gibt, was er sich vom Film erhofft. Bewusst oder vorbewusst hofft, das ist unwesentlich. Wichtig ist nur, dass der Autor die Erwartungshaltung ummünzen kann in eine Szene, die den emotionalen Ton des gesamten Films trifft. Dies hat mehrere Vorteile für den Autor – und damit auch für den Zuschauer.

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Schreiben

Auch Anwälte erkälten sich – und sie tun es aus Idealismus!

Im Kalten Krieg kriegt man eine Erkältung, wenn man ein Humanist ist – besonders im Winter. Das scheint eine der Aussagen zu sein von BRIDGE OF SPIES. Tom Hanks zeigt sich wieder einmal in altbewährter Rolle: ein Allerweltsmann, der Großartiges leistet; ein einfacher Mann in schwierigen Zeiten. Der Welt geht es schlecht, aber zum Glück gibt es Tom Hanks (diesmal heißt er Jim Donovan), um die Welt an ihre Ideale zu erinnern.

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Kino

Indiana in Indien

In einem meiner Lieblingsfilme aus meiner Kindheit steht ein Professor mit dreckiger Lederjacke, Lederhut und Peitsche in einem Dorf in Indien und hört dem Dorfältesten zu, wie dieser vom Unglück berichtet, das die Dorfbewohner heimgesucht habe.

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