THE BAD BATCH

Genre-Filme kann man oft über den Exzess im Verhältnis zur Handlung definieren: Action-Filme betonen die Bewegung, die Explosion, die gezückte Waffen; Porno-Filme zeigen Genitalien und breiten Körperflüssigkeiten vor uns aus; Horror-Filme geben der gruseligen Atmosphäre Vorrang; das Melodrama betont das Recht der Gefühle gegen die harten Fakten des Lebens usw. Jegliche Klassifikation von Filmen in eindeutig geschiedene Genres ist natürlich ein Konstrukt, d. h., man muss die Kriterien anerkennen, an die Unterscheidung vor dem Film glauben, um den jeweiligen Film einer Genre-Kategorie zuordnen zu können.

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ALIEN COVENANT

Wie gründen sich Filmreihen? – Wenn Filme in Fortsetzung gehen, geht es darum, das Gewohnte nur anders in die Welt zu bringen. Die guten Forsetzungsreihen nehmen sich dieses Problems auf eine innovative, den Zuschauer fordernde, intelligente Art an – kurz sie überraschen uns, indem sie mit den Regeln der Welt spielen, sie aber nicht brechen. Je besser das Verständnis der Regeln sind, die den Kultstatus oder den Erfolg des ersten Films der Reihe gegründet haben, um so vielfältiger und überraschender werden die Fortsetzungen.

Die ALIEN Filme sind in der Hinsicht paradigmatisch für eine gelungene Filmreihe, wenn auch nicht alle Filme stark sind. ALIEN COVENANT tut sich in der Hinsicht leider schwer.

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Die Helden bei Pixar

Ein schönes, kompaktes Video mit den gewohnt herzlichen Animationen von Pixar. Es geht um die Story-Struktur von FINDING NEMO, TOY STORY und THE INCREDIBLES. Die Tipps gibt Euch Michael Arndt, bekannt durch sein Drehbuch zu LITTE MISS SUNSHINE und zu einem der letzten STAR WARS Filme.

Schaut rein, es ist wirklich sehr schön gemacht.

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FORREST GUMP

Ein Klassiker, nicht das Buch, aber der Film: FORREST GUMP. Tom Hanks wurde spätestens mit dieser Rolle weltberühmt, gewann Preise, darunter einen Academy Award. Aber nur wenigen ist bewusst, welche Hautfarbe Tom Hanks in seiner Rolle wirklich – auf der Ebene der Metapher – hat. Ein Tipp: Er ist nur auf der Leinwand weiß.

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THE MIST – das Buch und die Verfilmung

THE MIST inspiriert sich an Stephen Kings Buchvorlage, geht aber einen Schritt weiter, nämlich einen Schritt aus dem besagten Nebel hinaus. ***MAJOR SPOILER*** Das Setting, die Handlung, die Figuren und der Kernkonflikt bleiben gewahrt, aber das Thema, der emotionale Kern der Geschichte, wird dadurch arg beeinträchtigt.

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UNDER THE SKIN

Die Szene kennt fast jeder Netflix-User und Serien-Enthousiast: Die Parallelwelt des Monsters in STRANGER THINGS, das Upside-Down, ist ein Raum, der jeglicher Raumkoordinaten entbehrt. Einzig die Spiegelung auf dem Boden, der wasserartig glatt ist, aber den Schritten nie nachgibt, gibt den Menschen Orientierung. In diesem luftleeren, pechschwarzen Raum jagt und haust das Monster. Wenige wissen, dass dieser Raum eins zu eins aus einem anderen Film stammt, aus Jonathan Glazers Meisterwerk UNDER THE SKIN.

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RIVERDALE

Die Netflix-Serie RIVERDALE schmeckt zuckersüß, aber doch nicht süß genug, dass wir den Mund verziehen müssen. Sondern genau richtig, wie eine Mousse au chocolat, die sich nach dem Hauptgericht nie aufdrängt.

Eine Teenie-Serie mit attraktiven Darstellern, die in schönem matten, warmen Licht mit viel Haze-Effekten ausgeleuchtet werden, die Frisuren sitzen, selbst der Schmutz der Teenager, alle von Erwachsenen gespielt, wirkt wie aus der Werbung. Diese Elemente bringt das Teenie-Genre mit sich. Trotzdem: Ich habe gerade erst mit der Serie angefangen und bin begeistert. Weshalb?

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WEISSENSEE

Dank des Dramaturgenverbandes für Film- und Fernsehdramaturgen VeDra und der VDD (Verband Deutscher Drehbuchautoren) konnte ich ein paar Drehbücher zu der erfolgreichen Serie WEISSENSEE lesen. Anette Hess und Friedemann Fromm zeichnen für die Bücher verantwortlich.

Die Serie kam bei Kritik und Publikum gut an, bei Netflix habe ich in ein paar Folgen reingeschaltet: Gut gemacht, aber… So war meine erste Einschätzung und ich habe die Serie nicht weiter verfolgt. Kritisch las ich nun zwei der Drehbücher, die frei online verfügbar sind.

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DAVE

Es gibt zwei Figuren, beide sehen identisch aus, die Handlung dreht sich darum, dass der eine durch den anderen ersetzt wird. Die Rede ist vom Präsidenten der USA, der Film die Komödie DAVE von Ivan Reitman. Kevin Kline spielt einmal den arroganten, machtpolitisch durchtriebenen, listigen, zynischen Präsidenten und einmal seinen Doppelgänger Dave Kovic. Dave ist im Unterschied zum Präsidenten nett, harmlos, menschenliebend und – aufrichtig.

Der Gegensätzlichkeit beider Figuren existiert nicht nur auf der Ebene des Schauspiels, sie ist ganz konkret in die Szenen eingebaut. Die Art und Weise, wie die Figuren mit ihrer Umwelt umgehen, setzt sie in Beziehung zueinander und lässt den Unterschied augenfällig werden.

Zwei Beispiele für die Gegensätzlichkeit:

Der Präsident hält sich zwei Hunde, er hält sie als Statussymbole. Dave reitet ein Schwein gleich zu Beginn des Films, er tritt auf als buffonesker Clown, seine Interaktion mit Tieren ist eine ganz andere als die des Präsidenten, sie müssen bei ihm keine Leine tragen und er scheut auch nicht den direkten Kontakt zu ihnen, er setzt sich ihnen aus.

Der Präsident schließt die Türen, das sehen wir immer und immer wieder. Wenn er einen Raum betritt, schließt er die Tür hinter sich fest zu. Dave hingegen öffnet Türen, er öffnet die Türen nicht nur sich selbst sondern auch den anderen. Zugleich schafft er auch mehr Jobs und setzt sich mehr für andere ein, gibt ihnen Möglichkeiten und Perspektiven, also „öffnet ihnen Türen“ auch im metaphorischen Sinne.

Das Märchen, in dem der Gute allein durch seine Güte Hebel und Räder in Bewegung setzen kann, ist DAVE.

kurzschluss – arte Magazin

Eine Notiz: Unbedeutendes Werk eines Regisseurs auf arte gesehen. Ein Kurzfilm – zum Glück. Die Beobachtung: Schauspieler Gefühls- und Seelenzustände in einzelnen Szenen und über längere Szenen hinweg halten zu lassen wirkt ermüdend und banal. Figuren nicht dauernd aus Fenstern schauen lassen. Wenn sich diese Art von Szenen häufen, dann fehlt das externe Drama, es fehlt das, weshalb wir zuschauen möchten. Die Figuren schauen zu, schauen irgendwohin und wir schauen zu, wie sie das Drama aus den Augen verlieren.

 

PS: Schauwerte beachten, Erzählung den Gegebenheiten anpassen. Wenn die Räume, in denen sich die Figuren bewegen, alltäglich sind und so aussehen, hilft es keinem Zuschauer, wenn der Film lange „in“ den Räumen verweilt.