Das Paar kurz vor dem ersten Kuss und vor anderen Dingen, die mehr Spaß machen als der Film (Filmstill v. Netflix)

Wenn sich jemand gefragt hat, ob man bei Zuschauern Gefühle nach Bedienungsanleitung erzeugen kann, wird er bei FALLING INN LOVE fündig.

Die neue Romantic-Comedy von Netflix möchte nicht das Rad neu erfinden. Originalität ist ihr ein Schimpfwort, die Lust auf Veränderung verhasst, und das Unterfangen, eine seit Jahrzehnten bewährte Geschichte anders als gewöhnlich zu erzählen, empfindet sie als Anmaßung.

Wenn man diese Haltung dem Film verzeihen mag, dann findet man als Zuschauer ein paar Funken Romantik, ausreichende (leider schlecht inszenierte) Gags und einen abgeschlossenen Charakter-Bogen.

Die große emotionale Erfüllung bleibt zumindest für uns Zuschauer am Ende aus.

Der Film wirkte auf mich auf solche Art unoriginell, dass ich Absicht dahinter vermute. Der Film soll gar nicht Neues in die Welt bringen. Vermutlich verfolgt Netflix mit dieser TV-Ware plattforminhärente Absichten, die der Zuschauerbindung dienen – oder irgendetwas in der Art. Zumindest hoffe ich das für Netflix.

Rechnen wir dem Film hoch an, dass er verstanden hat, wie eine Romantic Comedy funktioniert, welche Charakter-Entscheidungen nötig sind, um den Tank des Romantik-Motors mit genug Konfliktmaterial zu füllen.

Schließlich will niemand auf der Strecke bleiben.

Es gibt aber etwas zum Anfang zu sagen: Die ersten Minuten eines jeden Films sind die wichtigsten, da der Anfang uns Zuschauer auf Stil, Inhalt und Erzähltempo einstimmt.

Und hier zeigt uns der Beginn, wie unsere Heroine – wartet. Der Film wendet die ersten kostbaren Minuten dafür auf, um uns zu zeigen, wie Zeit verstreicht.

Furchtbarer Fehler für eine Romantic-Comedy! Als ich die Vorbereitungen für Gabrielas Verkaufspitch gesehen habe, hatte ich schon keine Lust mehr, die Heldin kennenzulernen. Interessant oder anregend ist die Figur Gabriela (Christina Milan) leider nicht gezeichnet, und das wird auch im Laufe der Geschichte nicht besser. Eine belanglose Heldin.

Aber vielleicht soll auch das so sein. Denn: Einer interessanteren Figur hätte man den Ideenarmut des Plots niemals verziehen!

#netflix #romanticcomedy #howto #fallinginnlove

Werbeanzeigen
GOLDEN TWENTIES (Filmstill, 20th Century Fox)

Trailerschnitt hat sich zu einer Kunstform entwickelt. Bemerkenswert ist, dass es gerade die hochkapitalistischen Kinoprodukte der Studios sind, die dem Marketinginstrument ein Eigenleben beschert haben.

Trailer sollen Zuschauer ins Kino locken, liefern ein Argument für Streaming-Abos, kurz: sie machen Werbung. Sie lassen ein Produkt als Antwort auf die Fragen aller Fragen erscheinen: Warum will ich gerade diesen Film, diese Serie schauen? Was habe ich davon?

Die Antwort von Hollywood auf diese Fragen hat unsere Sehgewohnheiten konditioniert.

Ich bin in dieser Woche über zwei europäische Trailer gestolpert. Anders als die durchrationalisierten Marketing-Instrumente der Amerikaner sind die Trailer nicht sonderlich gut. – Das muss eigentlich kein Argument gegen den beworbenen Film sein. Trotzdem wird in beiden Trailern etwas augenfällig, was die Serie oder der Film zu verbergen sucht.

Zuerst der Trailer zu der Serie EDEN.

Flüchtlingsschicksale usw. Schon beim ersten Sehen fallen sofort die künstlich aufgeladenen Szenen auf: Migranten regen sich über Bürokratie auf und werfen die Akten auf dem Schreibtisch um, ein Sohn verkleidet sich mit Kopftuch und die Eltern reagieren schockiert. Alles Momente, die bei mir ein rotes Licht aufleuchten lassen: Die Macher haben zu wenig Konflikt, zu wenig Drama im Plot, sie greifen auf unglaubwürdige und dumme Szenen zurück, um künstlich mehr Biss, mehr Action, in die Szenen hinein zu zaubern.

Der Trailer möchte die Serie anpreisen, offenbart aber nur die Fehler des Werks.

Ähnlich ist es mit einem aktuellen Kinofilm. YouTube sei dank wurde mir der Trailer automatisch eingeblendet: GOLDEN TWENTIES, das Coming-of-Age einer Berliner Zwanzigjährigen (oder so etwas in der Art…).

Trailer zu GOLDEN TWENTIES (externer Link via YouTube)

Der Trailer möchte hipp und spektakulär wirken. Bonbonfarbene, höchst stylische Titel werden auf die Totalen eingeblendet oder zwischengeschnitten. Doch das Hippe, das an den Meister Gaspard Noé erinnert, läuft hier komplett fehl: Die Szenen sind emotional trocken und langatmig, die deutsche Bedeutungsschwere lungert in den Bildern wie die grauen Wolken über dem winterlichen Berlin, Sophie Kluges Inszenierung schwankt zwischen Banalität und Bedeutsamkeit, zwischen zurückgehaltenem Sinn und Formwillen.

Im Versuch, sich den Sehgewohnheiten der Jugend anzubiedern, wirkt der Trailer wie ein Rentner in H&M-Klamotten: Statt das Alter zu verbergen, decken die Kleider die schrumpelige Haut auf.

#trailer #deutsch #kino #serie #arte

Über die Fehler im Story-Telling

Animiertes Video aus dem Spiel OVERWATCH (externer Link via YouTube)

Charaktere und ihre besonderen Fähigkeiten sollen in Aktion vorgestellt werden. Das ist besonders relevant, wenn es um Computer-Spiele geht.

Doch sollte der Effekt nicht dem Inhalt zum Opfer fallen. Schnell fällt dann auf, dass der Handlungsverlauf keinen Sinn ergibt. Zum Beispiel bei diesem Video aus dem erfolgreichen Spiel OVERWATCH. Die Charaktere werden einer nach dem anderen eingeführt und in ihrem Bemühen vereinzelt, einen Limousinen-Konvoi zum Stoppen zu bringen.

Das sieht schön aus, ist wunderbar geschnitten und atmosphärisch gestaltet.

Aber es macht keinen Sinn: Warum treten die Figuren immer einzeln auf, warum nicht gleich den Engel mit dem Blend-Blitz einführen und dann alle zugleich attackieren?

Natürlich, die Antwort lautet: Weil es auf die Art einfach besser aussieht. Aber oft verdirbt Sinnlosigkeit den Spaß an der Action.

#overwatch #blizzard #cutscenes #video #youtube

Auch Leinwand-Stars schauen Fernsehen (Brad Pitt und Leonardo DiCaprio, Filmstill)

Quentin Tarantino erinnert uns an die Kunst der Lichtspieltheater.

Auch wenn nicht jeder Zuschauer in den Genuss kommt, ONCE UPON A TIME… im Imax-Format zu schauen – das besonders Kinematographische des Films bleibt auch in einer gewöhnlichen Kinovorführung augenfällig.

Was zeigen uns die Bilder?

Movie Stars, so weit das Auge reicht. Amerikanische Karosserien, die von eben denselben Stars gefahren werden – und das mit großer Eleganz aber auch dem richtigen Anteil an Coolness hinter dem Steuerrad. Kamerafahrten, Tracking Shots und lange Einstellungen und vor allem: viel umgebender Raum, der historisch akkurat ausgestattet wurde.

Aber auch die Großaufnahmen von Nebensächlichkeiten: im Wasser kochende Nudeln in Töpfen, feuchte Hundeschnauzen und Konservendosen, aus denen Fleisch herausflutscht – und natürlich die Füße der Frauen.

Interessant ist, dass Tarantino ein Plot um Fernsehen und Fernsehstars schnürt, um uns von der Kraft der Kinobilder zu überzeugen.

Denn: diese Art der Bilder finden sich nicht im alten wie auch im neuen Fernsehen. Die Shots sind zu aufwändig, das Set Design zu üppig, die Kamerafahrten zu langsam, die Dialoge ohne Szenen-Höhepunkte. Die Szenen lösen sich merklich von jeglicher Zielstrebigkeit von Mainstream-Filmen ab.

Niemand außer Tarantino könnte ein Filmstudio dazu bringen, solch ein ereignisloses Drehbuch abzunicken.

Als Medien-Parabel hat uns ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD etwas Wichtiges zu sagen:

+++harmloser Spoiler folgt+++

Der Fernsehstar Rick Dalton lebt im Haus neben dem angehenden Starlet Sharon Tate und dem Regisseur der Stunde: Polanski. Er himmelt die Nachbarn an. Erst seine Verstrickungen in den Plot um Hippies und Charles Manson enthüllen ihm am Ende den Blick der Movie-Stars auf ihn: Genauso, wie er sie vergöttert, achten auch sie den Fernsehstar hoch. Beide Medien, Kino und Fernsehen, koexistieren, niemand schaufelt dem anderen ein Grab.

Und das ist doch eine positive – Pessimisten würden sogar sagen: optimistische – Aussage fürs Kino.

Die Erinnerung an das, was Hollywood bedeutete, bestätigt seine Macht im Heute und begleitet die Traumindustrie in die Zukunft.

#quentintarantion #drehbuch #dramaturgie #bradpitt #stars #leodicaprio #movies #kino

Filmstill aus der legendären Romantik-Comedy mit Jack Nicholson und Helen Hunt: AS GOOD AS IT GETS (deutsch: Besser geht‘s nicht)

Simon Bishop, ein feinfühliger Maler, liegt im Krankenhaus. Er wurde ausgeraubt und zusammengeschlagen. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Aber er hat sich selbst noch nicht im Spiegel gesehen, hat sein entstelltes und vernarbtes Gesicht nicht betrachtet.

Eine untypische Szene für das Genre der Romantic-Comedy.

Romanze hört da auf, wo Gewalt beginnt, klar. Trotzdem hat es die Szene in den Film geschafft. Mehr noch: Statt uns mit der grafischen Darstellung von Wunden abzustoßen oder der herzlichen Fantasie-Welt zu entreißen, weist die Szene ähnliche Merkmale auf wie die Figur Simon Bishop: Sie ist feinfühlig, sensibel – und auf den Punkt.

Weiterlesen „Über die Rollenverteilung in Dialogszenen am Beispiel von AS GOOD AS IT GETS“

Filmstill aus der Netflix-Serie: FBI Agent Bill Tench

Auch die zweite Staffel von MINDHUNTER beweist, dass die Serie zu dem besten gehört, das gerade die Streaming-Dienste im Angebot haben.

Zwischen beiden Staffeln scheint keine Zeit vergangen zu sein, Episode eins der neuen wirft uns zurück in das Finale der ersten Staffel. Agent Holden Ford hat einen Panikanfall, die anderen beiden Kollegen aus dem Triumvirat werden zum Babysitting verdonnert – und befördert.

Die Geschichte mit den Panikattacken verlieren die nächsten Episoden zunehmend aus dem Blick. Auch andere Nebenhandlungen, die ich für Staffelbögen gehalten habe, werden nicht weiter verfolgt – die Psyche der Serien-Killer übt einfach eine zu starke Faszinationskraft aus, als dass wir uns mit den Befindlichkeiten von Normalo-Bürgern aufhalten können.

Trotzdem werden alle Folgen, alle Serien-Killer-Interviews von einem Thema beherrscht.

Nicht die thematische Einheit der Serie, sondern die Konsequenz, mit der diese verfolgt wird, fand ich überraschend und beeindruckend.

Es geht um Kinder. Genauer: Um den Einfluss, den Erwachsene auf Kinder ausüben. Sind manche Menschen von Geburt an schlecht – oder werden sie dazu gemacht? Diese Frage verfolgt die zweite Staffel von MINDHUNTER mit der ganzen zurückgehaltenen Brutalität und Grausamkeit, die wir aus der ersten Staffel zu lieben gelernt haben.

Doch wird die Frage aus der Perspektive der Eltern gestellt. Soll ich mein Kind schützen? Wie weit muss ich gehen, wie kann ich überhaupt mein Kind schützen? Welchen Anteil haben Kinder an ihrem eigenen Schicksal? Welchen Anteil haben Eltern an der Schuld der Kinder?

Der Adoptiv-Sohn von Bill Tench wird in einen grausamen Vorfall verwickelt. Wendy Carr verliebt sich in eine Mutter, die ihr Kind von ihr abschottet. Und Holden, bei dem die Fäden des Main Plots zusammen laufen, hat es mit einem Kindermörder in Atlanta zu tun.

Nicht nur das: Auch in den Interviews mit den Serien-Killern schimmern die beklemmenden Beziehungen zu den Eltern durch. (Hier eine Liste der berühmten Persönlichkeiten.)

Die meisten Predators sind männlich. Es gilt dann folgerichtig darum, nicht nur die Kinder, sondern vor allem die Jungen von den Erwachsenen zu retten und zu beschützen. Schließlich stellen gerade die Jungen die potentiellen Mörder von morgen.

Den Höhepunkt der Gespräche bildete für mich das Interview, in dem Bill Tench mit Charles Manson über Kindererziehung diskutiert. Manson durchstößt für einen Moment auch Tenchs harte Schale.

(Die letzte Folge nimmt auf seine Art das Medienspektakel um O. J. Simpson vorweg. Die Ausgegrenzten und Benachteiligten vergeben die Ignoranz des Weißen Mannes nicht. Auch wenn er dieses eine Mal in einer bestimmten Sache Recht behält.)

#netflix #tvshow #mindhunter #davidfincher

Wunderbare deutsche Comedy

Im Podcast besprechen wir eine tolle deutsche Mini-Serie, die in der ZDF-Mediathek zu finden ist. MERZ GEGEN MERZ von Ralf Husmann. Hört gern mal rein!

https://soundcloud.com/user-769216440/folge-33-merz-gegen-merz-sehr-gute-deutsche-comedy-serie-beim-zdf

Filmstill aus dem Film HANA-BI

Takeshi Kitanos HANA-BI läuft in der Arte-Mediathek. Der Film ist lakonisch, einfühlsam, brutal und herzergreifend.

Großes Kino.

Eine Szene erinnert an einen berühmten Spruch Maupassants: Le bonheur, ce n’est pas gai. (Sinngemäß: Das Glück muss nicht lustig sein, oder: Das Glück bereitet keine Freude.)

Nishi und seine Frau sind vom Leben gezeichnet. Er kämpft mit Schuldgefühlen, sie mit Leukämie und beide trauern um ihr verstorbenes Kind. Eigentlich Stoff für schweres Drama, hundert Tage Regenwetter usw.

Aber Takeshi Kitano verarbeitet die Trauergefühle ganz anders. Es gibt zwar nichts zu lachen, aber immerhin etwas zu belächeln. Und zwar die Frechheit der Frau.

Diese einfühlsame Szene führt dem Zuschauer vor, dass das Paar zwar von allen bemitleidet wird, aber eigentlich, soweit man es sein kann, seinen Frieden mit der eigenen Lage geschlossen hat. Le bonheur, ce n’est pas gai.

Ich bin sehr gespannt. Die Fortsetzung meines Selfpublisher-Romans DIE RÜCKKEHR DER GREIFENREITER ist fast fertig. Das Buch war kurze Zeit ein Bestseller auf Amazon in der Kategorie „Fantasy“. Ich hoffe sehr, dass die Fortsetzung auch Gehör beim Publikum finden wird.

Maurice Mosqua arbeitet schon am Cover. Und ich finde: Das sieht schon großartig aus. Hier ein kleiner Schulterblick: Den Titel „Greifenreiter“ nehmen wir wörtlich 🙂

Beim Titel bin ich mir noch unsicher. Wie wäre es ganz schlicht mit: DER GREIFENREITER?

#ebook #selfpublisher #amazon #kindle #fantasy #autor #cover

WordPress.com.

Nach oben ↑