Serie

Von nichtssagenden Titeln und Banken

BAD BANKS findet sich in den Mediatheken von Arte und ZDF. Ich kann mich nicht erinnern, solch eine gute deutsche Serie je im Fernsehen gesehen zu haben. Ich bin noch nicht durch, ich hoffe, die Auflösung verspricht, was die ersten beiden Folgen anteasern.

Hier ein paar Stichpunkte, warum die Serie so gut ist:

  • Das Bankenmilieu ist als weiß und männlich verpönt – und ist im wahren Leben vermutlich auch vermutlich so. Deshalb ist es doppelt so schön, eben nicht die Männer im Zentrum der Serie zu sehen, sondern Frauen. Konfliktpotential hoch zwei.
  • Mit den jungen Frauen und ihren Ansprüchen an sich und an die Gesellschaft werden die jungen Zuschauer abgeholt. Ein guter Einstieg in die Welt der Hochfinanzen, zugleich sind die Figurenbeschreibungen nicht belehrend gehalten, sondern bleiben das, was sie sind: Figurenbeschreibung. Super!
  • Die Männer kommen nicht zu kurz – wie könnten sie jemals? Die Serie bietet trotzdem nicht den großspurigen selbstüberschätzenden weißen Mann, der heute quasi die Blaupause aller gesellschaftlicher Verachtung geworden ist. Wenn die Figuren nicht im Drehbuch klar dinstinguiert beschrieben wurden, werden sie es durch die Besetzung. Tobias Moretti, toll! Wohingegen der koksende Rüpel gleich in der ersten Folge abschmiert – Abgesang an das Klischee..
  • Was zählt ist Leistung und Sieg jenseits der Stereotypen. Diese Moral wird propagiert, die Besetzung, die vielen Sprachen in einem Büroraum, versprechen eine Gemeinschaft jenseits von Ethnien (und Geschlecht), vereint im Sexismus gegen den Körper der jungen Frau (immer als Metapher in diesem Milieu präsent). Vielschichtig!
  • Die Dialoge sind überraschend (!) gut; mitunter irritiert der harsche Ton im Büro etwas – aber vielleicht soll das auch zum Lokalkolorit beitragen

Ich bin sehr gespannt, wie die Serie weitergeht und kann sie nur empfehlen. Einzig der Titel hört sich etwas oll an. Aber nun ja…

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Kino

Fehlerhafte Zeitmaschine

HOT TUB TIME MACHINE (2010) ist eindeutig ein Retortenbaby von profitorientierten Studios. Die Charakter-Schablonen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film wahnsinnig stark geschnitten wurde, Szenen und Sequenzen im Schnitt weggefallen sind. Okay. Aber gleichzeitig bietet der Film genau das, was er verkauft: Klamauk, eine alberne Komödie. Der Film löst das ein und es sind nur die Szenen, die eine Figuren-Tiefe oder etwa Figuren mit Hintergrundstory entwickeln wollen, die furchtbar nerven. Für den Klamauk aber lohnt es sich, den Film zu gucken.

Eine Anmerkung zum Drehbuch: Mir scheint, die Story beinhaltet einen großen Logik-Fehler. Nämlich: Die Zeitreisenden erleben das Wochenende von 1986 noch einmal, diesmal als Erwachsene im Geiste, Jugendliche im Körper. Am Ende gehen drei von vier, wenig überraschend, wieder zurück in ihre Jetzt-Zeit. Einer bleibt zurück und verändert die Zeit und das Schicksal aller und der Welt. Klar, kein Problem, das ist wenig überraschend für Zeitreise-Komödien und – okay.

Mein Problem ist: Das Leben der drei Rückkehrer ist gewaltig verändert. Aber eigentlich hätte es sie gar nicht geben dürfen. Laut Logik des Films würde sie ihre Zeitreise zurück ins Jetzt aus der Vergangenheit komplett löschen, sie würden gar nicht existieren und hätten sich gar kein Leben im Jetzt aufbauen können. Weil: Sie haben leider keine Alter Egos im Jahr 1986, es gibt sie immer nur einmal. Das macht leider gar keinen Sinn für die Story. Klar, HOT TUB TIME MACHINE wollte etwas von der BACK TO THE FUTURE in seine eigene Story rüberretten. Ging aber leider nicht auf, die Doppelgänger haben gefehlt.

Kino

Spielberg sollte ins Fernsehen – DIE VERLEGERIN

THE POST wie auch BRIDGE OF SPIES beeindrucken als moralisierende Filme: Sie weisen eine Helden-Moral auf, die heute besonders den Vereinigten Staaten verlorengegangen zu sein scheint.

Der Kampf mit der öffentlichen Moral (im Sinne eines öffentlichen Wertesystems, das gesellschaftliche Strukturen prägt) gehört ins Melodrama. Helden und Heldinnen, die an der gängigen Moral verzweifeln, bieten die optimale Projektionsfläche für unser Mitleid. Der Film muss durch Opulenz in der Ausstattung und einem entsprechenden Arsenal von leidenden Figuren (geweint wird viel und irgendwann hat jede der Figuren nasse Augen) das richtige Verhältnis zwischen Pathos der Gefühle und kalt berechnend voranschreitender Handlung treffen.

LINCOLN, BRIDGE OF SPIES tun dies auf eine hervorragende Weise, THE POST fällt leider in der Handlung ziemlich flach. Der Grund: die vielseits beschworene Fallhöhe der Figuren ist gerade einmal kniehoch. Das nimmt aber der ganzen Handlung, die sich ums Schreiben und Veröffentlichen dreht, alle Stoßkraft. Verzweifelt wird versucht, die Heldin als Heldin für und der Frauen zu zeigen. Auch das schlägt fehl. Warum?

Weil die Welt, die gezeigt wird, die Welt der Superreichen und Supermächtigen ist, Menschen, die keinen Bezug mehr zum einfachsten Leben haben.

Die Eingangsszene versucht diesen Riss in der Zuschauerwahrnehmung notdürftig zu kitten: Der Reporter, der die Papers in Umlauf bringt, wird in den vietnamesischen Djungel geschickt. Der Platzregen gehört ebenso dazu wie die Nacht und der Überraschungsangriff der Viet-Kong. Durch das Senden des Schreibenden, den das Schreiben nichts kostet (am wenigsten das Leben), in Lebensgefahr, versucht der Film zu zeigen, dass Schreiben durchaus etwas kosten kann: Integrität, Menschenrechte und durchaus das eigene Leben.

Okay, der Punkt ist verständlich. Nur schlägt diese Absicht fehl angesichts der High-Society-Welt, die hemdsärmelig publiziert, und zwar in Designer-Hemden. Auch verhaspelt Kay Graham (der Verlegerin) ihre eigene Charakter-Entwicklung auf dem Höhepunkt des Films.

Am Ende werde ich den Eindruck nicht los, dass BRIDGE OF SPIES wie auch THE POST (DIE VERLEGERIN) beide mit ihrem jeweiligen Handlungsbogen auch preiswerte Fernsehfilme hätten sein können. Man hätte auf das Spielbergische Pathos des Melodramas dann aus Budget-Gründen verzichten müssen. Aber wären es dann wirklich schlechtere Filme? – BRIDGE OF SPIES und THE POST sind beide von der Story, um es freundlich zu sagen, nicht sehr sättigend.

Serie

O. J. Simpson im Prozess

Eine zeitgenössische Serie, obwohl sie in den 90gern spielt: Das Courtroom-Drama um O.J. Simpson wird neu aufgerollt mit einem großartigen Cast und einem spannenden Drehbuch. Der Freispruch am Ende ist der Serie schon bekannt: Es geht um die Akteure, die Wendungen – alles sehr retro und doch sehr aktuell. Georg und Eral fanden AMERICAN CRIME STORY: THE PEOPLE V. O. J. SIMPSON großartig. Sie reden über die Serie (aktuelle auf Netflix) und kommen lange auf die Kardashians zu sprechen, die sie nicht kennen, aber doch irgendwie, scheint es, von ihnen fasziniert sind.

 

Der Podcast ZWISCHEN BABY UND BILDSCHIRM findet sich auf den meisten Podcatchern.

Kino, Schreiben

Sorkin und Molly

In MOLLY’S GAME fiel mir eine Szene besonders auf. Gegen Ende des Drehbuchs sprechen Molly und Charlie off the record mit dem Staatsanwalt. Warum das Meeting stattfindet, warum sie sich unter sechs Augen getroffen haben statt im Gerichtssaal – mit dieser Info rückt die Szene erst viel später heraus.

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Schreiben

Richard Kimble hilft, wo er nur kann

Figuren haben Eigenheiten, Charakterzüge usw. – klar. Aber sie handeln und lösen auch Situationen auf eine bestimmte Art und Weise. Und wie sie etwas lösen, wie sie in einer Situation reagieren, das sollte in einem Film einheitlich sein. Wenn es einheitlich geschrieben ist, dann wirkt die Figur glaubhaft, nimmt den Zuschauer ein. Und schon ist die Figur ein Empathie-Träger.

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Schreiben

Nicht erschrecken sondern begeistern auf der Berlinale

Heute fand das TOP Talente Branchentreffen statt. Ich gehe zum ersten Mal auf diese Verstaltung. Brezel und Weißwürste auf den Tischen begrüßen die Gäste – die Veranstaltung findet statt in der Vertretung des Freistaats Bayern beim Bund. Hört sich altbacken an, der Veranstaltungssaal soll auch so wirken. Die Diskussion der Panel-Teilnehmer gestaltete sich aber im Gegensatz dazu „sehr frisch“, die bottom line des Panels: Die Zukunft sieht rosig und wir (die Autoren) werden alle reich, natürlich, was denn sonst. Allgemeines Gelächter im Saal. Vorhang auf für die brisanten Themen…

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