Serie

4 BLOCKS

Die Serie läutete den deutschen Serien Boom ein und Eral und Georg finden sie spitze. Die Rede ist von TNTs 4 BLOCKS, organisierte Kriminalität in Berlin-Neukölln. Hört sich spannend ein, ist sie auch, zudem kurzweilig und packend. Die Serie bekennt sich zu Genre-Tropen und zum Mafia-Genre, natürlich kommen Georg und Eral auch auf DER PATE zu sprechen.

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Serie

DIE WOCHE ist wirklich toll

Es fällt mir schwer, dies zuzugeben: Ich mag Adam Sandler Filme. Nicht alle, natürlich nicht, Gott bewahre. Aber so ein paar: Beide Teile von GROWN UPS haben mich überrascht, Blockbuster, die so nachlässig und entspannt erzählt sind wie so manch ein toller amerikanischer Indie-Film – und die Filme waren sogar lustig, nicht immer, nicht überall, aber irgendwie schon, im Durchschnitt…

Dann gibt es noch YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN, der zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Der Film versucht nicht einmal, einem traurigen Konflikt aus dem realen Leben (Isral vs. Palästina) Tragik zu verleihen. Der Film antwortet direkt auf die Misere der Welt mit stark überhöhtem (aber nicht nur!) Slapstick Humor. Der Film ist großartig!

Nun gibt es also neu auf Netflix: THE WEEK OF, in der Chris Rock als Co-Star auftritt. Ja, ich mochte den Film. Nein, es ist kein guter Film (in welchem Sinne auch immer), THE WEEK OF ist aber sympathisch, ist ein fauler Film, zeigt nicht die kleinste Anstrengung für eine durchgehende, spannende Handlung. Momentaufnahmen aus dem Leben zweier Familien reihen sich aneinander an, mit Figuren, die betont Allerweltscharakter haben und schrullig sind. Ein wunderbares Casting und tolle Schauspielführung ergänzen Adam Sandlers Naturalismus.

THE WEEK OF ist ein liebenswerter Film, ein Film mit viel Humanismus, mit viel Nachsicht für unsere Fehler und unseren Ehrgeiz, unsere Neurosen und unsere großen Ängste in den trivialsten Begebenheiten im Leben.

Also doch ein starker Film 🙂

Kino

Die Avengers im Kinderladen

AVENGERS INFINITY WAR hat mich in der gestrigen Kinovorstellung überrascht: Das Durchschnittsalter des Publikum war ca. Mitte dreißig – der Film hätte mit ein paar kleineren Anpassungen locker auch ein Kinderfilm (für 8-10-Jährige) sein können. Im Grunde lag die Überschneidung mit dem Kinderfilm an den Regeln der Avengers-Welt:

Es geht den Superhelden nie um komplexe Prozesse, auch wenn diese Prozesse „angespielt“ werden (Ermittlungsarbeit, Händchenhalten der Liebespaare, Heist-Pläne, Zeitreise, etc.). Auch die unübersichtlichsten und unwahrscheinlichsten Handlungsschritte können in diesem Universum leicht „behauptet“ werden – die Zuschauer glauben es und fressen den Superhelden aus der Hand. Doch stellt sich schnell ein Sättigungs- und Ermattungsgefühl ein – am Ende der Vorstellung war ich fix und fertig und wusste nicht, warum. Ich war ausgelaugt, aber nicht emotional, nur körperlich.

Statt eine besondere emotionale Katharsis zu erleben und emotional gereinigt aus der Vorstellung zu spazieren, fühlte ich mich am Saal-Ausgang müde, ausgebrannt. Der Film hatte meine Lebenszeit abgezweigt, hatte sich in mich reingefressen, ohne mir im Gegenzug eine notwendige emotionale Befriedigung zu bieten.

Das Hauptaugenmerk des Films liegt eindeutig auf der überwuchernden Explosionen, Monsterhorden, sterbenden Sternen usw. Interessant fand ich besonders, dass die Verantwortlichen den Helden anscheinend keine allzu ernsten Tiefgang erlauben wollen, die Szenen sind mit Ironie und netten Gifteleien geschrieben, ein großer dramatischer Ernst, der zumindest Grundzüge einer dazu entworfenen Charakter-Psychologie braucht, stellt sich nie ein.

Außer in einer Szene: Es geht um Thanos, den Seelenstein und seine Tochter, mehr will ich nicht verraten. Eine Szene, die im (menschlichen oder außerirdischen) Drama deutlich aus der Handlung herausragt. Aber sie bleibt leblos, banal, ohne Resonanz-Boden für den Zuschauer. Vielleicht ist es deshalb gut, dass die Figuren so ironisch-distanziert, wenig psychologisiert, entworfen wurden?

Wer würde sonst den Rausch von drei Stunden Computer-Explosionen durchhalten und noch stehen können?

 

Kino

Den Midpoint richtig platzieren

Der Midpoint, die thematische Mitte des Films, sollte klug gesetzt werden. Sie verbindet zwei Hälften des Films, indem sie eine wesentliche qualitative Veränderung für die Geschichte (emotionaler Umschwung oder Ähnliches) einführt.

Was ist das geniale Moment am Midpoint von THE TRUMAN SHOW mit Jim Carrey, dem Meisterwerk von Peter Weir?

Den Midpoint sollte man da suchen, wo man ihn am ehesten vermutet: ungefähr nach der Hälfte der Laufzeit des Films. Bei TRUMAN ist der Midpoint eindeutig: Truman hat unmissverständlich verstanden, dass er in einem Käfig gefangen ist, dass sich die Welt um ihn dreht, dass dies seine absolute Hölle ist – aber all seine Versuche, dieser Welt zu entfliehen, haben versagt. Kurz vor dem Midpoint taucht sogar die Person wieder auf, die ihn tiefer in die Welt hineinzieht. Ein Zitat aus der PATE 3 passt hier gut: „Just when I thought I can leave, they pull me back in.“

Der Midpoint ist klar erkennbar, denn er markiert einen Perspektivwechsel. Der Film war bis hierhin ausschließlich aus Trumans Perspektive erzählt. Jetzt aber folgt eine Doku, die das Leben von Truman zusammenfasst, den „Creator“ hinter Truman vorstellt, Trumans Zukunft skizziert usw.

Es sagt viel aus, dass die Doku genauso gut am Anfang des Films hätte stehen können. Sie gibt wirklich keine neuen emotionalen Informationen oder Erfahrungen, sie mästet nur die Biografie Trumans, Backround Info zur Welt und zu Truman.

Doch, dass sie hier platziert wurde, ermöglicht den Zuschauern folgende Erfahrung:

– Die Furcht und wachsende Paranoia des liebenswürdigen Versicherungsvetreters Truman erleben wir emotional mit.

– Als Zuschauer werden wir zu Ermittlern, die die absonderlichen Details zusammen mit Truman entdecken. Es bleibt also spannend (in Maßen) und rätselhaft.

Der Midpoint ist die Auflösung der ersten beiden Akte – ich gehe von einer 4 Akt Struktur aus -, und erhebt gleichzeitig den Konflikt auf eine neue Höhe: Truman muss sich nicht nur gegen eine ganze Stadt durchsetzen, die sich gegen ihn verschworen hat, nein, er muss sich auch gegen den Schöpfer, seinen persönlichen geistigen Schöpfer, behaupten.

Und zu dem Zeitpunkt, scheint es, ist er schon am Ende und hat schon, Niederlage nach Niederlage, aufgegeben. Spannend, der Zuschauer bleibt dran!

Kluger Midpoint!

Kino

Der Präsident ruft lieber selber an

THE AMERICAN PRESIDENT wirkt heute herrlich veraltet: Ein Witwer (und: Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika) verliebt sich in eine Umweltaktivistin – natürlich zum schlechtesten Zeitpunkt für seine Präsidentenschaft: Wahlen stehen bevor, die Gegenseite hetzt gegen seine Person und hat damit Erfolg, er aber hält against all odds an der Liebe fest.

Eine romantische Komödie, wenn man so will. Schließlich führt jemand Regie, der auch für WHEN HARRY MET SALLY verantwortlich zeichnet: Rob Reiner. Die Märchen-Erzählung in einem Schloss namens The White House wird heute so sehr von der aktuellen amerikanischen Politik und den größeren Debatten (#MeToo) erdrückt – ich kann mich gar nicht auf die Geschichte und die Figuren konzentrieren. Trump, inhaltsleerer amerikanischer Pathos, Belästigung am Arbeitsplatz, Machtgefälle zwischen Frau und Mann am Arbeitsplatz drängen am Material so stark in den Vordergrund, sie zerbrechen den Spaß, den dieser harmlose und gutgemeinte Film den Zuschauern bieten möchte.

Und etwas anderes fällt auf: Der Film führt Romantik und Arbeitsleben zusammen – so wie es sich für eine romantische Komödie gehört. Und besser: Fortschritt in der einen Welt (das erste Date, der erste Kuss etc.) bedeutet Rückschritt für die andere. Fortschritt und Erfolg in der einen Welt kosten etwas in der anderen. Schöne Dilemma-Konfiguration.

 

Kino

Die Magie der Figuren

DOCTOR STRANGE überwältigt den Zuschauer mit endlos gefalteten Räumen, die sich wieder und wieder ineinander falten – weit besser als INCEPTION… Sosehr die Bildmagie und die Bildräume auch überraschen – so etwas gab es noch nie im Kino -, es fällt auf, dass die Nebenfiguren, ihre Konflikte und selbst so manch ein Konflikt der Hauptfigur sich nie über den Stand einer bloßen Behauptung hinausbewegen.

Ein behaupteter Konflikt und die dazu passende Lösung sind Gift für eine organisch-gesunde Plot-Entwicklung. Und so fällt auf, dass der Hauptkonflikt des Hauptbösewichten Kaecilius (er fühlt sich von The Ancient One verraten) genauso wie die dogmatische Regeltreue Mordos (er zürnt und kritisert ständig den Pragmatismus, den Doctor Strange an den Tag legt) einzig auf der Dialogebene existieren. Die Konflikte und Themen werden deklariert, werden in Dialogszenen in Worte gegossen. Doch geben sie uns keinen emotionalen Zugang zu den Charakteren oder zu ihrer Erfahrungswelt. Die Emotionen, Konflikte und Dilemmata bleiben von Anfang bis Ende (nur) behauptet.

Zum Glück rissen mich die Zaubertricks der Figuren und des VFX-Departments so sehr mit, dass ich über den schwachen Plot hinwegsehen konnte.

 

Kino

Little Miss TV

Schauen wir uns kurz die Eröffnungssequenz von LITTLE MISS SUNSHINE an. Es fällt auf, dass der Film auf die ersten vier Szenen eigentlich verzichten könnte. Die Szenen liefern keine wesentlichen Informationen und das erzählerische Input, das sie bieten, findet sich auch in den folgenden Szenen – und das sogar besser: mit wesentlich mehr Konflikt, mehr Human Drama. Warum ist es aber trotzdem eine der besten Eröffnungsmontagen, erzähltechnisch gesehen, die ich kenne?

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