Kino

Die Sicherheit im Quadrat – THE SQUARE

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind verdammt gute Ko-Produzenten. Wer hätte gedacht, dass ein Film über einen Kurator an einem Museum für Moderne Kunst in Schweden selbst zu Kunst werden konnte? – Ich spreche von Kunst im Gegensatz zu der Art, wie im Film davon die Rede ist, und zwar nicht zynisch sondern im besten Sinne!

THE SQUARE hat sich zum Programm gemacht, jegliche Form von Gesellschaft zu verunsichern. Was eigentlich oft Kunstwerke tun sollen, tut diesmal die Kunstindustrie, das Museum und all ihre Agenten. Der Film hält von Anfang bis zum Ende ein Prinzip durch, das es schon in einer der ersten Szenen etabliert: Eine Gemeinschaft (Reisende, Museumsbesucher, Gäste im Ballsaal,…) wird durch einen Fremdkörper in ihrer Mitte zutiefst verunsichert und muss darauf reagieren, wie auch immer: mit Diskussion, Ausschluss, Ignoranz, Gewalt.

Die Fremdkörper sind Hilfesuchende, eine Sinti & Roma Frau beim Burger-Laden, ein kleiner Junge aus einer armen Familie, schließlich auch ein Künstler, der als Affe (großartig!) einen Ballsaal besucht und in Beschlag nimmt.

THE SQUARE überrascht: Museum und Kuratieren scheinen nicht das Umfeld zu sein, in dem aktuelle Probleme der europäischen Union und grundsätzlich das zwischenmenschliche Miteinander verhandelt werden möchten — aber sie werden auf so brisante und erfrischende Art dramatisiert, wer möchte nicht die europäische Flüchtlingskrise anhand eines schwedischen Museums als Metapher erleben?

Absolute Schau-Empfehlung meinerseits!

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Allgemein

Verrückte Männer – über MAD MEN und Serien

Jenseits der Intriguen und der dramatischen Verwicklungen lebt das Hauptproblem aller Serien: die Serialität. Warum sollte man  Folge um Folge einer Serie schauen? Warum Woche für Woche zu der Welt zurückkommen? – Eigentlich hat man ja besseres zu tun. Die schönen Landschaften, die schönen Menschen und die noch schöneren Wohnungen, Hotelzimmer und Schlösser aus dem Bildschirm verzaubern uns, aber binden uns nicht an die Serie. Sie tragen zur Schau-Sucht bei, aber sie gründen sie nicht.

Damit Zuschauer zur Serien-Welt zurückkommen, muss sich der Stoff zur Serialität eignen. Die Welt des Dramas, die Kampf-Arena der Konflikte, muss Woche für Woche, Folge um Folge Material für Neues liefern (– das aber natürlich ausschließlich im Gewand des Gewohnten, Vorausgehenden, voranschreiten darf).

Die Erwartungen der Zuschauer an Story und Figur werden in ein Korsett geschnürt. Je genauer die Figurenzeichnung und die Story-Führung, desto leichter fällt uns der Einstieg in eine neue Serien-Welt, desto greifbarer fühlen sich die Gefühle an, die uns die Welt empfinden lässt. Die Story wirkt vertraut und überrascht uns doch — genau wie ein langjähriger guter Freund oder Freundin.

Kurz: Gute Serien lassen uns vergessen, dass sie Serien sind. Gute Serien spulen sich vor unseren Augen und Ohren ab und wir schalten immer wieder ein, weil wir a) nicht glauben können, dass sie irgendwann einmal enden werden (wissen tun wir es schon..), und weil b) die Hauptkonflikte der Serien so stark mit der entworfenen Serienwelt verbunden sind, dass sich die Serien-Welt nicht mehr vom Konflikt, vom ganzen menschlichen Drama, das die Figuren beseelt, lösen lässt. Diese Verknüpfung lässt die Serialität, herrschendes Prinzip jeder Serie, unsichtbar werden.

MAD MEN ist aus vielen Gründen ein Meisterwerk. Aber einer der wesentlichen Gründe ist, weil sich das menschliche Drama und die Serien-Welt (Werbeagentur in den sechziger Jahren in New York) so unentrinnbar verbunden haben. Keine einzige Folge (es gibt sieben Staffeln!) wirkt so, als sei sie nur geschrieben, um Screen-Time zu füllen. Jede Folge wächst aus den Bedürfnissen und Problemen der Figuren heraus — einfach großartig! Besser können Format (gebunden an Vorgaben und Budget des Senders) und Inhalt nicht zur Deckung gebracht werden.

Viele Serien, besonders die im linearen Fernsehen wöchentlich wiederkehrenden, die horizontal erzählten, haben das Problem, dass sie immer wieder ein neues Problem generieren müssen (A-Plot und ein kleiner B-Plot). Das macht aber dem Zuschauer nur halb so viel Spaß. Besser ist, wenn sich permanente Änderung anbahnt und doch die Welt den einmal entworfenen Regeln und Konflikten treu bleibt. Veränderung und Stasis, das bieten großartige Serien.

 

 

Serie

HE-MAN und Bill Hader

Die neue Podcast-Folge ist online – hört rein! 🙂

Georg und Eral haben wieder zwei Serientipps: BARRY, eine neue HBO Comedy mit Bill Hader, entstanden im Writer’s Room von Alec Berg, ist großartig. Ein Killer beschließt, Schauspieler zu werden. Blöd nur, dass seine beiden Lebenswelten nicht kombinierbar sind und er von der Mafia gejagt wird.
Georg stellt die Netflix-Serie THE TOYS THAT MADE US vor, eine Dokuserie über die Spielzeuge unserer Jugend. Genau, es geht um Barbie und He-Man. Der Blick der Serie auf die Spielsachen entdeckt uns Neues und überrascht.

Den Podcast gibt es auf allen Podcatchern: Itunes, Deezer, Soundcloud u. v. m.

Serie

4 BLOCKS

Die Serie läutete den deutschen Serien Boom ein und Eral und Georg finden sie spitze. Die Rede ist von TNTs 4 BLOCKS, organisierte Kriminalität in Berlin-Neukölln. Hört sich spannend ein, ist sie auch, zudem kurzweilig und packend. Die Serie bekennt sich zu Genre-Tropen und zum Mafia-Genre, natürlich kommen Georg und Eral auch auf DER PATE zu sprechen.

Serie

DIE WOCHE ist wirklich toll

Es fällt mir schwer, dies zuzugeben: Ich mag Adam Sandler Filme. Nicht alle, natürlich nicht, Gott bewahre. Aber so ein paar: Beide Teile von GROWN UPS haben mich überrascht, Blockbuster, die so nachlässig und entspannt erzählt sind wie so manch ein toller amerikanischer Indie-Film – und die Filme waren sogar lustig, nicht immer, nicht überall, aber irgendwie schon, im Durchschnitt…

Dann gibt es noch YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN, der zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Der Film versucht nicht einmal, einem traurigen Konflikt aus dem realen Leben (Isral vs. Palästina) Tragik zu verleihen. Der Film antwortet direkt auf die Misere der Welt mit stark überhöhtem (aber nicht nur!) Slapstick Humor. Der Film ist großartig!

Nun gibt es also neu auf Netflix: THE WEEK OF, in der Chris Rock als Co-Star auftritt. Ja, ich mochte den Film. Nein, es ist kein guter Film (in welchem Sinne auch immer), THE WEEK OF ist aber sympathisch, ist ein fauler Film, zeigt nicht die kleinste Anstrengung für eine durchgehende, spannende Handlung. Momentaufnahmen aus dem Leben zweier Familien reihen sich aneinander an, mit Figuren, die betont Allerweltscharakter haben und schrullig sind. Ein wunderbares Casting und tolle Schauspielführung ergänzen Adam Sandlers Naturalismus.

THE WEEK OF ist ein liebenswerter Film, ein Film mit viel Humanismus, mit viel Nachsicht für unsere Fehler und unseren Ehrgeiz, unsere Neurosen und unsere großen Ängste in den trivialsten Begebenheiten im Leben.

Also doch ein starker Film 🙂