Filmstill aus SMILF (Showtime) – die Lola Rennt Episode

SMILF macht großen Spaß. Die Serie über eine arme, alleinerziehende Mutter ist nicht zynisch, verklärt die Umstände nicht und führt Armut auch nicht pornografisch vor. Die Showtime-Show zeigt menschliche, herzliche Comedy.

Was macht die Serie so besonders? Die detailtreue der Welt – dieses Amerika kannte ich noch nicht – und die besonderen Figuren. Der herbe, deftige Erzählton natürlich auch.

Bei Comedy-Figuren überlege ich oft: Würden wir über die Dinge, die wir der rotzfrechen Protagonisten durchgehen lassen, auch lachen, wenn sie ein Mann sie tun würde?

Die Antwort ist meistens nein. Wenn es um brutale Ehrlichkeit im Familienleben geht, dann braucht es rotzfreche Frauen, keine Männer. Oft resultiert in dieser Serie der Humor daraus, dass wir das Handeln einer „normalo“-Mutter mit den Verwirrungen Bridgettes vergleichen.

Absolute Guck-Empfehlung für Fans von Single-Camera Komödien.

#sky #smilf #serie

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Die neueste Folge unseres Podcasts ist online. Es geht um eine geniale Procedural-Serie: THE GOOD FIGHT.

Das Gespräch ist komplett spoiler-frei. Hört rein und schaut Euch die Serie an!

Promo-Bild von HBO, das das Power-Duo zeigt

Die HBO Serie CHERNOBYL benutzt ihr historisches Setting, um ein Argument gegen die Gegenwart in Stellung zu bringen. Sie ist zeitgenössisch, weil sie sich auf ein ganz klarer Ziel einschießt: Fake News, Lügengeschichten, staatlich tolerierte Falschinformationen.

Angesichts von Trump in den Vereinigten Staaten und anderen Autokraten, die gezielt nicht nur mit der Verunsicherung der Bevölkerung, sondern dem Begraben der Wahrheit unter einem Lügengeröll arbeiten, ist der Film das, was Kritiker gerne „aktuell“ nennen.

CHERNOBYL behauptet im Schlusswort, dass Lügen einen Preis verlangen. Die Serie veranschaulicht dies mit dem Horror des Kraftkern-Unfalls. Wenn Lügen schon die Gesellschaft zersetzt haben, dann sind solche Unfälle leicht möglich.

Craig Mazins Schreibstil ist in jeder Folge greifbar: Man merkt, Plot und Drehbücher kommen von Anfang an aus einer Hand. Die Szenengestaltung ist wunderbar amerikanisch – hollywoodienne sozusagen: Die Szenen sind immer aus einer Perspektive erzählt, sie beginnen mit einem Zustand und einer Figur, die auf eine bestimmte Art etwas tut, eine Sichtweise auf einen Zustand entwickelt hat. Dann wird dieser Zustand A zum Ende der Szene in sein Gegenteil gekippt, die Figur, um die sich die Szene dreht, muss Dinge tun, die ihr ungewohnt, wenn nicht sogar: grausam gegen die eigene Natur sind.

Die Heldengeschichte, die CHERNOBYL schreibt, ist eine Erzählung über Helden wider besseren Wissens.

Die dramaturgisch lehrbuchreife Herangehensweise an das Desaster, das 1986 stattfand, ist vielleicht der einzige Wermutstropfen, die die Serie vom Schreiben her zu bieten hat. So oder so: großartige Serie!

Der Beginn der Schlacht (Bild von HBO)

Eine Fantheorie zu GAME OF THRONES zu haben ist billig und macht Spaß. Ich steuere nun sehr gerne eine Idee zum Staffel- und Serienende eines der erfolgreichsten Serien der Fernsehgeschichte bei.

Was ich mir als Ende wünschen würde, wäre Folgendes (und ich schreibe dies, bevor ich die dritte Folge der achten Staffel gesehen habe):

# Ein romantisches Happy End wollen wir alle, aber brauchen wir nicht. Jon Snow und Daenerys werden sich trennen, aber in Liebe auf ewig verbunden bleiben. Die Liebe zu Daenerys (oder wie er sie nennt: Daeni) wird Jon zu einem verhängnisvollen Schritt veranlassen.

# Der Nachtkönig (Night King) bringt Mord und Chaos über Westeros. Es wäre aber eine langweilige Figur, wenn es ihr ausschließlich um Vernichtung ginge. Interessant wird jede Figur erst, wenn sie ein bestimmtes Wertesystem motiviert. Wie wäre es mit: Wenn es Drachen und Feuer in Westeros gibt, dann muss es auch Frost und Tod wieder geben? Er möchte dann eigentlich nur ein Gleichgewicht wiederherstellen. Sein Feldzug wäre unmittelbar die Konsequenz aus der Tatsache, dass es in Westeros wieder Magie gibt. Dann wäre auch Folgendes möglich:

# Wer ist der Nachtkönig? Ich denke, entgegen einer populären Theorie, Bran ist kein Nightking vor seiner Zeit. Wie wäre es stattdessen, wenn der Nightking mit den Jon Snows Familie verwandt ist, mit den Starks. Der aktuelle Nightking wird fallen, aber es braucht einen neuen Nachtkönig. Wer wurde von den Toten erweckt und ist ein Stark und hat ein Erbrecht auf den Thron: Jon Snow. Jon Snow wird am Ende zum Nachtkönig. Genial!

# Und warum wird Jon Snow zum Nachtkönig? Natürlich aus Liebe. Er muss seine Daeni retten (wegen was auch immer) und lässt sich in einem Ritual zum Nachtkönig krönen. Er zieht seine Horden in den kalten Norden zurück und Daeni wird Herrscherin des Südens. Und vielleicht überleben die Schlacht auch ein oder zwei Drachen.

So hört es sich für mich nach einer Geschichte über Feuer (Daeni) und Eis (Snow als Nachtkönig) an. Zwei Liebende, die sich niemals vereinen dürfen. Die Liebe von Feuer und Eis gründet die neue Ordnung von Westeros.

Und wenn es nicht so kommt, dann ist es auch nicht schlimm. Spaß machen die Intrigen und die Schlachten allemal.

Eine neue Podcast-Folge ist wieder online. Es geht um THE GOOD WIFE und DR. HOUSE – Klassiker-Serien des linearen Fernsehens, die sich aber auch sehr gut streamen lassen.

#podcast #bingen #netflix #drehbuch

https://soundcloud.com/user-769216440/folge-27-the-good-wife-dr-house-procedurals-zum-bingen-netflix

Mooncake und Gary klatschen sich ab

Auf Netflix gibt es eine wunderbare kurze Mini-Serie zu entdecken: FINAL SPACE. Die Serie vermischt genau die richtigen Szenen und Momente aus Star Wars, Star Trek, Alien, Matrix und anderen kanonischen SciFi-Filmen. Die Serie bietet viel Action, viel Rumgeballere und viel Blut.

Aber sie schafft es auch komisch zu sein. Komik ohne Zynismus. Das liegt daran, dass die Serie um die Entwicklung der Figuren, um ihre Beziehung geschrieben ist. Der beschriebenen Welt fehlt es an Regeln: Es scheint alles möglich und als Zuschauer wurde ich immer wieder überrascht, dass Regeln nur nachlässig etabliert werden. Ich denke hier z. B. an Mooncake, den grünen, sympathischen Weltenvernichter. Es ist nie ganz klar, wann und warum er seine Kräfte einsetzt: Eigentlich, wenn er so stark ist, könnte er ganze Armeen auslöschen, er tut es aber nicht. Denn die gefährlichen Szenen, in die die Freunde geworfen werden, wären dann nur halb so schlimm…

Aber an solchen Fragen soll man sich nicht aufhalten. Die Serie ähnelt THE SIMPSONS in der Hinsicht, dass der Protagonist ein weißer, etwas dümmlicher, leicht zu beeindruckender Mann ist, der seine Herzensdame über alles liebt und ihr immer treu bleibt. Natürlich ist er sensibel und kindlich einfach im Befolgen von Prinzipien, die das Leben ihm vorschreibt – ihm soll schließlich unsere Sympathie zufliegen. Sein Trauma, der Verlust des Vaters, als er ein Kind war, schreibt der Serie den Humor vor: Pubertierenden Humor, jedoch ohne abfällig zu wirken. Und das sehe ich als große Leistung an.

Die Folgen sind simpel zu folgen, haben eine einmalige Kombination von Humor und Brutalität, die es so nur im Cartoon-Stil geben kann. Das Ende enttäuscht etwas, aber so tut es auch der ganze Plot. Der Humor jedoch rettet die Serie.

Auf alle Fälle eine Seh-Empfehlung.

Die Namensgeber der Serie in Gesellschaft von Filmemachern und Schauspielern

Ich habe nur bis zum Ende der zweiten Folge ausgehalten.

Dabei wollte ich die Serie DOGS OF BERLIN wirklich mögen: Berlin ist meine Lieblingsstadt, das Crime-Genre liebe ich, die Figuren sind allesamt wirklich originell und überraschen, der Dialog hat Tempo, die Bildkomposition ist (für eine deutsche Crime-Serie) anspruchsvoll. Die Macher wollen Verbrechen in Berlin im XXL-Format erzählen. Und sie haben die Kohle dazu. Wunderbar, gerne!

Aber es macht alles keinen Sinn. Der Plot nicht, die Entscheidungen nicht, das Drama nicht. Am Ende der ersten Folge wird das Prinzip der Erzählung klar: Es gilt, Berlin und alles, was in Deutschland und in der internationalen Öffentlichkeit Schlagzeilen gesammelt hat, in eine serielle, fiktionale Crime-Serie zu packen.

Okay.

Das Ergebnis strapaziert das ästhetische Empfinden, also das, was man sich auf der heimeligen Couch zumuten will. Es ist schön, wenn Filmemacher ein Wagnis eingehen. Mal funktioniert’s, mal nicht — hier scheint es nicht aufzugehen.

Das kann passieren. Ein Reinfall ist noch kein Nachruf auf die Schaffenskraft der Filmemacher.

Ende der ersten Folge geschieht aber etwas, das mich wütend gemacht hat. Ich war zornig, wie die verantwortlichen Mainstream-Drehbuchautoren so lapidar mit dem Vertrauensvorschuss umgehen können, den wir ihnen als ZuschauerInnen schenken.

+++ Spoiler +++

Der korrupte Bulle sucht nämlich die Nationalmannschaft auf, sein Ziel: Er will sie dazu bringen, schlecht zu spielen. Und er schafft es. Wie? – Indem er ihnen plump sagt, dass ihr Freund und Kollege gestorben ist. Wir sehen trauernde junge Männer, sie weinen, sind aus der Fassung. Nächste Szene: Der korrupte Bulle entfernt sich von der Mannschaft. Er lächelt, er hat es geschafft, die Spieler werden schlecht spielen.

Diese Szene ist blanker Hohn, sie ist menschenverachtend, sie gehört in keine Erzählung, die sich offen an ein breites Publikum richtet. Es geht hier darum, den Tod einer Person auszunutzen (okay, das passiert in vielen Filmen), doch hier wird die Trauer und das Mitgefühl missbraucht, um die eigenen niederen Ziele zu verfolgen. Hier wird absichtlich die Menschlichkeit des anderen ausgenutzt. Das ist Stoff für 90-Minuten-Drama, der Höhepunkt eines Films, und darf nicht als bloßes Hindernis, als Zwischenschritt in der Handlung, für einen Plot missbraucht werden.

Diese Entscheidung ist nicht dadurch zu rechtfertigen, dass es sich um einen bad boy handelt, der sein Ziel verfolgt. Oder dass es ein Crime-Thriller ist, wo sich die moralischen Werte der Figuren radikal von unseren gesellschaftlichen Werten unterscheiden.

Das ist einfach nur schlechtes Erzählen. Schade!

Ganz neu auf Netflix: Ein guter deutscher Film, der lose eine (Western-)Parabel mit einem Beziehungsdrama verknüpft. FREMDER FEIND — das ist in diesem Film keine Tautologie.

Die Hauptfigur bewegt sich durch zwei Zeitebenen: Einmal das österreichische Gebirge im Winter, ein menschenfeindliches Land. Und einmal sein behagliches Haus im Frühling, das er zusammen mit seiner Frau bewohnt.

Das häusliche Drama spielt sich langsam ab — es hilft, dass Alltagshandlungen beobachtet und Abweichungen kenntlich gemacht werden, um die psychologische Entwicklung der Figur aufzuzeigen.

Die Welt der Winterlandschaft ist eine Parabel auf Krieg und Kampf. Ein Pazifist muss Krieg spielen, um seine eigene Würde zu wahren. Um nachzuvollziehen, was seinen Sohn in den Krieg getrieben hat, um die Erfahrung zu rekonstruieren. Kurz: Es ist ein existentielles Anliegen, sehr konstruiert zwar, von der Erzählung forciert, aber als Zuschauer ging ich das mit.

Die Parallelmontage von aufregender Fabel und die Psychologie auslotendem Familiendrama klingt natürlich sehr schön. Als ich den Film zu Ende geschaut hatte, zweifelte ich jedoch daran, ob der Film diesen ungewöhnlichen Mix wirklich auf eine befriedigende und für die Hauptfigur faire Art zu Ende denkt.

Es gibt zwei Momente, die einen Verrat an den Figuren andeuten.

+++ Spoiler +++

Einmal der Freitod seiner Frau: Das Klischee aus Filmen mit wenig dramaturgischer Entwicklung, in der eine der Hauptfigur näherstehende Figur (in der Regel ist es die Ehefrau oder die Tochter) notgedrungen im dritten Akt in den Selbstmord getrieben wird, um überhaupt noch so etwas wie eine Katharsis zu erzwingen. Hier passiert auch genau das.

Und einmal ist es das Ende der Parabel: Der Mann jagt seinen Feind und schießt ihn an. Diese Handlung triggert bei ihm — Überraschung, es ist ein Charaktermoment — Mitleid. Das ist ein sehr fernsehtaugliches Ende, wo man niemanden zu nahe tritt. Aber eindeutig eine Entscheidung, die die Figur der Parabel niemals selbst treffen würde. Eine übergestülpte Entscheidung, viel zu hektisch und unvorbereitet erzählt.

Durch dieses Ende wird leider die ganze Substanz der Parabel verraten.

Schade! Aber sonst: FREMDER FEIND ist ein guter deutscher Fernsehfilm.

Großartiger Einstieg, schwaches bis lächerliches Ende. Die Netflix-Serie BODYGUARD überwältigte mich mit Tempo und ihrer Konzentration auf die Persönlichkeit des Bodyguards.

Die britische Serie und der amerikanische Film BODYGUARD mit Kevin Kostner weisen mehrere Gemeinsamkeiten auf. Ich denke, man kann durchaus von einer Geeignetheit von Leibwächtern für ganz bestimmte Story-Tropen sprechen. Manche Erzählmuster drängen sich einfach auf, wenn man eine faszinierende und den Zuschauer ansprechende Leibwächter-Figur schaffen möchte.

Mir sind folgende Gemeinsamkeiten aufgefallen:

* Der Bodyguard agiert professionell, ist jedoch widerwillig, die Schutzbefohlene zu schützen.

* Auch ist ein wesentlicher Wendepunkt der Geschichte, dass der Bodyguard begreift, dass der ehemaliger Kollege sein Widersacher ist. Der Feind lauert in den eigenen Reihen.

* Der Bodyguard beschützt eine attraktive Frau, die nie eine Opferrolle annimmt und auch sich weigert, mit einer Bedrohung zu leben. Die Frau ist auf ihre Art eine starke Persönlichkeit, ist höchst erfolgreich im Beruf und aktiv in der Auswahl ihrer Lover und Gestaltung ihres Sexlebens.

* Die amourösen Verstrickungen mit der Schutzbefohlenen nehmen wesentlichen Raum ein und gehen sogar so weit, den Bodyguard in seiner Persönlichkeit zu erschüttern. Auch die Schutzbefohlene kann sich den neuen Gefühlen nicht entziehen.

* Der gemeinsame Sex vollzieht sich im ersten Drittel der Geschichte. Die Auflösung der Beziehung erfolgt zeitlich unmittelbar darauf.

Fazit: Die Figur des Bodyguards ist umso interessanter, je professioneller sie beim Arbeiten auftritt. Der Bodyguard, auch wenn Film und Serie nach einer Job-Beschreibung betitelt werden, lebt wie jede großartige cineastische Filmfigur von einer Beziehung zu einer anderen Figur, die ihr emotional nahe geht – hier ist es die Beziehung zu einer Schutzbefohlenen, die eigentlich nicht geschützt werden möchte.

+++SPOILER+++

Der Fehler der Serie BODYGUARD ist, dass die Schutzbefohlene zum Midpoint der Serie stirbt. Ihr Ableben hinterlässt in den verbleibenden Folgen eine wahnsinnig große Lücke. Geschlossen wird sie durch Action und Ermittlungsdruck. Das gelingt oft, aber nicht durchgehend. Das Happy-End scheitert und fühlt sich aufgesetzt an. Julia taucht in den letzten drei Folgen einfach nicht mehr auf. Ihr Fehlen zerstört das Versprechen, das in der ersten Folge dem Zuschauer gemacht wurde. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum sich das Ende so aufgesetzt und falsch anfühlt.

Abschließend:Es wäre großartig, wenn sich das Bodyguard-Genre mit dem Spuk-Genre kreuzen könnte. Die Schutzbefohlene kehrt wieder als Geist, der den Bodyguard heimsucht. Kurz: VERTIGO – und James Stewart spielt den Bodyguard. 🙂

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