THE BAD BATCH

Genre-Filme kann man oft über den Exzess im Verhältnis zur Handlung definieren: Action-Filme betonen die Bewegung, die Explosion, die gezückte Waffen; Porno-Filme zeigen Genitalien und breiten Körperflüssigkeiten vor uns aus; Horror-Filme geben der gruseligen Atmosphäre Vorrang; das Melodrama betont das Recht der Gefühle gegen die harten Fakten des Lebens usw. Jegliche Klassifikation von Filmen in eindeutig geschiedene Genres ist natürlich ein Konstrukt, d. h., man muss die Kriterien anerkennen, an die Unterscheidung vor dem Film glauben, um den jeweiligen Film einer Genre-Kategorie zuordnen zu können.

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RIVERDALE im Podcast

Wir haben eine entspannte Folge zu der Netflix-Serie RIVERDALE aufgenommen. Hört mal rein: Georg und ich klären, was uns an der Teenie-meets-TWIN-PEAKS-Serie besonders gut gefällt, welche Hindernisse man für den Serien-Genuss in Kauf nehmen muss und ob wir wirkliche Millennials sind – oder etwas ganz anderes…

ZWISCHEN BABY UND BILDSCHIRM ist ein Podcast vom Drehbuchautor Georg Malcovati und mir, in dem wir aktuelle Serien besprechen. Unter diesen Links findet Ihr den Podcast:

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Sex auf Netflix

ROCCO, ein Dokumentarfilm, der den legendären italienischen Porno-Darsteller Rocco Siffredi porträtiert, und HOT GIRLS WANTED, eine Netflix-Poduktion, die sich der Sex-Industrie in all ihren Facetten nähert, widmen sich einzelnen Porträts von Menschen, die in der Sex-Industrie arbeiten.

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THE CHASE

Ein Arthur Penn Film neu auf Netflix: THE CHASE. Kleinstadt-Hysterie, alte Wunden, Rassismus und unerfüllte Liebe – die Themen vermischen sich bis zum tragischen Ende. Ich wollte nur kurz reinschauen, bin aber hängen geblieben.

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RIVERDALE

Die Netflix-Serie RIVERDALE schmeckt zuckersüß, aber doch nicht süß genug, dass wir den Mund verziehen müssen. Sondern genau richtig, wie eine Mousse au chocolat, die sich nach dem Hauptgericht nie aufdrängt.

Eine Teenie-Serie mit attraktiven Darstellern, die in schönem matten, warmen Licht mit viel Haze-Effekten ausgeleuchtet werden, die Frisuren sitzen, selbst der Schmutz der Teenager, alle von Erwachsenen gespielt, wirkt wie aus der Werbung. Diese Elemente bringt das Teenie-Genre mit sich. Trotzdem: Ich habe gerade erst mit der Serie angefangen und bin begeistert. Weshalb?

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AMERICAN HUSTLE

Eine wunderbare Sequenz, sie zeigt uns, wie sich zwei Menschen verlieben und doch getrennt bleiben müssen. Die Sequenz startet mit dem Kennenlernen, behandelt, wie die beiden eine Partnerschaft eingehen, zeigt ihren ersten Kuss in der Wäscherei (Plastikfolien streicheln dabei zart ihre Wangen), führt ihren ersten Tanz auf der Straße vor, lässt sie euphorisch in einen Ballsaal übersetzen und eng umschlungen tanzen, zeigt den Sex, den nur ein Schnitt vom Tanz trennt, und zeigt uns schließlich den Abschied, das Ende der Euphorie, den Alltag.

Die Sequenz spielt im ersten Akt von AMERICAN HUSTLE. Bemerkenswerte Schauspielführung und großartige Schauspieler geben den Szenen Glaubwürdigkeit.

 

MISSION: IMPOSSIBLE 2

Guter Dialog in MISSION: IMPOSSIBLE 2. Natürlich geht er dem Star des Films über die Lippen: In einer Szene, sie könnte aus den Agenten-Thrillern der sechziger Jahre sein, bespricht Ethan Hunt mit Nyah ihren Einsatz als Agentin im Bett des Schurken. Sie konfrontriert ihn, will seine Meinung wissen, seine persönliche.

Er schaut sie an: „Would it make you feel better, if you knew I don’t want you to go?“ – „Yes.“ – „Then feel better!“, sagt Ethan. Ein schöner Dialog, weil die offensichtliche Info – er möchte nicht, dass sie das tut, aber als Agent wäre es das richtige – wunderbar verpackt und der Filmszene, die klassisch-kanonisch ist, Frische verleiht.

Dialogsätze im Konditional sind schwierig, zu kompliziert für die Darsteller, zu viel Info, die die Unmittelbarkeit der Szene belastet. Hier aber funktioniert der Dialog, weil der Kontext gut und breit entwickelt wurde und der verschachtelte Konditionalsatz von kurzen Antworten gerahmt wird, die den emotionalen Höhepunkt bilden.

WEISSENSEE

Dank des Dramaturgenverbandes für Film- und Fernsehdramaturgen VeDra und der VDD (Verband Deutscher Drehbuchautoren) konnte ich ein paar Drehbücher zu der erfolgreichen Serie WEISSENSEE lesen. Anette Hess und Friedemann Fromm zeichnen für die Bücher verantwortlich.

Die Serie kam bei Kritik und Publikum gut an, bei Netflix habe ich in ein paar Folgen reingeschaltet: Gut gemacht, aber… So war meine erste Einschätzung und ich habe die Serie nicht weiter verfolgt. Kritisch las ich nun zwei der Drehbücher, die frei online verfügbar sind.

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Stranger Than Fiction

Annahme der Behauptung durch Deklarieren des Gegenteils. Bei der Produktion von fiktiven Welten stellt sich oft die Frage, wie können wir das glauben, was wir sehen. Wieso fühlt es sich richtig an, dass Will Ferrell eine Mathe-Nerds ist, der nie richtig gelebt zu haben scheint, aber am Ende zu einem Menschen wird, dem die ganze Bandbreite des Lebens zur Verfügung steht?

Will Ferrell verkörpert in STRANGER THAN FICTION das hegelianische Prinzip der Aufhebung. Zwei Hauptaussagen müssen getroffen werden, sie müssen antithetisch zueinander in Beziehung stehen, im letzten Teil dann müssen sich die Aussagen aufheben. Damit der Film seine Hauptaussage treffen kann – ungefähr so: Lebe das Leben, so wie es am liebsten willst, man lebt nur einmal usw. – muss der Film eine unrealistisch Figur ins Spiel bringen. Die Hauptaussage ist zu banal, zu kitschig, sie kann nicht alleine stehen, sie muss das überhöhte Ziel sein, das am Ende auf Menschenniveau reduziert wird. Will Ferrells Figur Harold Crick ist, damit der Film die Hauptaussage etablieren kann, eine Kunstfigur, eine Figur, die kein Außen der Fiktion kennt, sie ist reine Gedankenkonstruktion. Der Film weist darauf hin in der Gestaltung seiner Wohnung und seines Arbeitsplatzes. Die Erzählerin, die seine Handlungen kommentiert, tut ihr Übriges, um der Künstlichkeit der Figur Nachdruck zu verleihen.

Der Film versucht also die Aussage „Lebe dein Leben,….“ so zu formulieren, dass die Zuschauer keinen Zuckerschock beim Zuschauen kriegen. Die Aussage wird nachvollziehbar und annehmbar, sie ist zugleich der Einstiegs- wie auch der Ausgangspunkt für Cricks Welt.

Was offen bleibt, wie so oft: Warum verliebt sich die Frau (Ana Pascal, dargestellt von Maggie Gyllenhaal) in ihn? Was sieht sie in ihm, dass sie mit ihm zusammen sein will? – Die Frage bleibt ein Mysterium, die der Film nicht beantwortet.

HULK – über Monstren

Wenn es darum geht, die Angst vor dem Monster zu zeigen, müssen in den Szenen, die der Ankunft des Monsters vorausgehen, entweder die Konsequenzen der Gewalttätigkeit des Monsters oder aber direkt das Monster in seiner Brutalität gezeigt werden. Sonst bleiben die Szenen ohne Substanz, leere Zeichen, die auf nichts verweisen.

In THE INCREDIBLE HULK (die Hulk-Verfilmung mit Edward Norton) schauen wir Bruce Banner zu, wie er lernt, seine Aggressivität zu beherrschen. Der Puls pocht, seine Augen verengen sich, der Atem geht schneller usw., während ihn sein Kampftrainer ohrfeigt. Als Zuschauer fühlen wir uns aber allein gelassen, die Brisanz der Bedrohung – Bruce Banner wird zu einem grünen Monster, das alles und jeden niederschlägt – existiert nur in unseren Gedanken, die wir „zum Film mitbringen“. Ohne Wissen um Hulk und Bruce Banner und ihre Beziehung bleibt die Gefahr nicht greifbar, nicht nachvollziehbar und lässt uns damit kalt.

Wie macht man es richtig? In STAR WARS VI – THE RETURN OF THE JEDI, in Jabba The Hutts Palast wird dem Monster unter dem Tanzsaal, bevor Luke dagegen antritt, eine Tänzerin geopfert. Die Szene unterstreicht Jabbas Bösheit, klar, aber führt zugleich die Bestie ein: Die Bestie, ohne in Erscheinung zu treten, zerfleischt die Tänzerin. Damit wird die Angst um Luke konkret und greifbar und damit: wirklich.