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Nicht mein Tag – ROMAN

Bildergebnis für Nicht mein Tag: Roman

Ich mag sehr STROMBERG, Ralf Husmanns Serie, kurz der Autor von NICHT MEIN TAG, zählt zu meinen aktuellen Lieblingsautoren. Doch sein Roman war eine einzige Enttäuschung.

Und das lag an vielen Dingen, vor allem aber am Fehlen jeglicher Originalität in der Figurenentwicklung und im Plot.

Die Genre-Landschaften Bankraub, Buddy-Movie und dann Road-Movie sind so dicht bevölkert, dass es wirklich schwer ist, hier wesentlich Neues zu schaffen. Es reicht dann nicht, dass man einen Standard-Plot nutzt und hofft, die Art und Weise, wie man erzählt, wird dem Stoff schon den nötigen Drall, den nötigen Pfiff, verpassen.

Ganz im Gegenteil. Husmans nachlässiger Schreibstil, der auf die Pointe als letzte Rettung hofft, lässt die Figuren nie lebendig werden, die Wendungen sind keine und die Hauptfigur ist in seinem manchild-Verhalten so langweilig, durchschnittlich und manchmal auch widerlich, dass mich die Geschichte nie mitreißen, geschweige denn mich zum Lachen bringen konnte.

Zu allem Überfluss spielt sich das letzte Drittel am Meer ab: Ein Standard-Ziel von deutschen Road-Movies, wo sich deprimierte weiße Männer an den Strand verirren und hoffen, dass alles anders sein möge.

Zu oft und besser schon gelesen und gesehen. Ich vermute, die Verfilmung wird nicht besser sein.

#roman #buch #husmann #stromberg #rezension

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Wenn der Mentor mit dem Novizen – VICE

In Bezug auf die Dramaturgie gibt eine Szene, die VICE und WOLF OF WALL STREET gemein haben. Es geht um die Einweisung des Novizen durch einen skrupellosen, durchaus charismatischen Mentor.

Bei WOLF OF WALL STREET ist es die legendäre Szene im Restaurant: Matthew McConaughey erklärt Leonardo DiCaprio zwischen Wodkas und Pfeifen und Auf-Die-Brust-Geklopfe, was das Tolle an der Arbeit als Trader ist. Zwei Dinge passieren für Jordan Belfort (DiCaprio): Er verliert jegliche Illusionen in Bezug auf seine Tätigkeit und orientiert sich neu. Gleichzeitig ist der Verlust und die Neu-Orientierung für ihn ein positives Ereignis: Der Mentor beseitigt die Zweifel des Schützlings und erweitert seinen Horizont.

VICE bedient sich derselben Figurenkonfiguration und deutet sie leicht um. Dick Cheney fragt Donald Rumsfeld, woran sie in ihrer Arbeit in der Politik glauben, welche Überzeugungen sie teilen. Donalds Rumsfeld versteht die Frage als Witz und schließt Dick die Tür vor der Nase zu.

Hier funktioniert die Einweisung quasi negativ. Aber es ist dieselbe Art von Szene: Der Mentor hat seinen Schützling eine Weisheit mit auf den Weg gegeben.

Und diese Mentor-Novizen-Themen sind auch etwas anderes: Sie sind ein Fingerzeig für den Zuschauer. Denn die Szene richtet sich am Ende an den Zuschauer und erklärt ihm, worum es in dieser fließenden Biografie eines Bösewichts am Ende gehen soll. Bei WOLF OF WALL STREET ist es die zur Obszönität gesteigerte Gier, bei VICE ist es die korrupte Macht, die sich vom Dienst am Volk losgesagt hat.

Die Mentoren-Szenen sind, typisch für Hollywood, im ersten Drittel des Films angesiedelt. Sie stecken die Reise des Helden für uns Zuschauer ab. Wir lernen, welches Thema der Held zur Darstellung bringen wird.

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TERMINATOR 2 – Judgement Day : Maschinen in der Parallelmontage

Mittlerweile der Filmklassiker schlechthin unter den Blockbustern. Ich habe den Film bestimmt mehr als zwanzig Mal gesehen. Diesmal, bei der letzten Sichtung, ist mir die geniale Einsatz der Parallelmontage aufgefallen.

Zu Beginn starten mehrere Erzählstränge, die sich zum Showdown im ersten Akt verdichten: Die Rettung von Sarah Connor aus der Psychiatrie. Bemerkenswert ist, wie James Cameron und sein Team es schaffen, eine Einheitlichkeit zu generieren. Wir wissen stets, dass die unterschiedlichen Handlungsstränge zusammen laufen, ja, sogar zusammen gehören.

Woher?

Zum einen, natürlich, weil wir schlaue Zuschauer sind und in der Regel mit Vorwissen in jeden Film reingehen: Plakate, Gespräche mit Freunden, aber auch Trailer stecken unsere Erwartungen an den Film ab.

Ein anderer Grund, warum TERMINATOR 2 uns trotz absolut unterschiedlicher Orte eine einheitliche Welt suggeriert, beinhaltet das schlaue Set-Design, die Kameraführung und die Ausleuchtung — kurz das World Building: Das kalte Farbspektrum, aber auch die Motive, in denen die Szenen stattfinden, spielen stets auf die Welt der Maschinen und des Stahls an.

Aber ein ganz wesentlicher Punkt ist die Parallelmontage der Szenen.

Hier fällt auf, dass die Szenen durch einzelne Details miteinander verknüpft werden. Zum Beispiel: Das Monitorbild bei Sarah Connors Vernehmung geht dem Monitorbild im Labor voraus, Türschlösser werden zeitgleich von Sarah und vom T1000 aufgeschlossen usw. Das sind die formalen Elemente, die eher der Mise en Scène zuzurechnen sind, aber auch im Drehbuch Platz haben.

Doch trägt die Parallelmontage auch das Erzählprinzip, die Art der Erzählung: Die Suche nach dem Jungen beginnen und beenden die Terminatoren fast zeitgleich. Das Erscheinen der Terminatoren in der Gegenwart ähnelt sich, und weicht doch stark ab: die Differenz im Umgang mit denselben Fragen (Wie besorge ich mir Kleidung und eine Waffe?) zeigt uns, wer der Gute und wer der Schlechte ist.

Und zuletzt, durch das Aneinanderschneiden von antagonistischen Kräften, schafft die Parallelmontage die nötige Spannung für den Blockbuster. Zwei Terminatoren, ein Junge, die eine Maschine will ihn töten, der andere beschützen. Diese Konstellation hätte ganz anders erzählt werden können, aber TERMINATOR 2 entscheidet sich für die schlichte, harte Erzählweise: Die Handlungsstränge werden gegeneinander geschnitten. Die Mise en Scène lässt Milde walten und versucht, die Übergänge abzuschwächen und den Schnitt, die Leerstelle zwischen den Szenen, zu überdecken.

Die Erzählung ist knallhart wie eine Maschine.

Genau wie die Figuren.

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Inglorious Basterds ist ein politischer Film

Quentin Tarantinos Meisterwerk steht auf den ersten Blick im Zeichen seines Oeuvres: Der weiße Mann hat die Erlaubnis so cool zu sein wie der schwarze und Kinogeschichte (und Geschichten des Kinos) neu zu fabulieren.

Doch INGLORIOUS BASTERDS bietet mehr. Der Film stellt eine Behauptung auf und verteidigt sie mit allen Konsequenzen bis zum Ende: Wenn du ein Nazi bist, dann darf ich dich umbringen. Wenn du Menschen umbringst, weil dir ihre Herkunft nicht passt, dann gibt mir das das Recht, dich auszulöschen. Das ist die Ethik des Films. Brad Pitt bringt uns diesen Gedanken in mehr als nur einer Szene mit Nachdruck nah.

Und dann werden Szenen gezeigt, die es nie offen aussprechen, aber doch stets sagen: Aber Nazis sind doch auch Menschen – wie kannst du als Mensch so grausam sein? Ich denke hier z. B. an die King Kong Szene in der Bar, alle Szenen mit Daniel Brühl usw. Die Dichotomie des lebenswerten Lebens (gutes Leben, böses Leben) denken und als Prinzip befolgen – darf man das überhaupt?

Der Film serviert uns zum Glück nie die kanonisch gewordenen Szenen des Kriegsfilm-Genres: Der Feind wird dämonisiert, die Guten, unsere Soldaten, finden aber in einer Szene heraus, dass die Gegenseite auch menschliche Züge hat — natürlich nur so viel, dass man sie trotzdem guten Gewissens über den Haufen schießen kann.

Tarantino ist schlauer. Er denkt den Gedanken, Nazis müssen über den Haufen geschossen werden, ausschließlich im Medium, in dem er die Geschichte erzählt. Die Frage richtet sich ausschließlich ans Kino und an Film im Allgemeinen. Deshalb nimmt das Fabulieren überhand, der Film entfernt sich vom behaupteten So-ähnlich-ist-es-gewesen des Mainstream-Kinos (man siehe alle Historien-Filme) und umarmt den radikalsten Gedanken: So war es nicht, aber es hätte so sein sollen.

Das Kino bringt einen Imperativ in unsere Welt. In seinen Bildern und Tönen lässt sich die Welt neu denken.

Allgemein, Serie

Fremder Feind auf Netflix

Ganz neu auf Netflix: Ein guter deutscher Film, der lose eine (Western-)Parabel mit einem Beziehungsdrama verknüpft. FREMDER FEIND — das ist in diesem Film keine Tautologie.

Die Hauptfigur bewegt sich durch zwei Zeitebenen: Einmal das österreichische Gebirge im Winter, ein menschenfeindliches Land. Und einmal sein behagliches Haus im Frühling, das er zusammen mit seiner Frau bewohnt.

Das häusliche Drama spielt sich langsam ab — es hilft, dass Alltagshandlungen beobachtet und Abweichungen kenntlich gemacht werden, um die psychologische Entwicklung der Figur aufzuzeigen.

Die Welt der Winterlandschaft ist eine Parabel auf Krieg und Kampf. Ein Pazifist muss Krieg spielen, um seine eigene Würde zu wahren. Um nachzuvollziehen, was seinen Sohn in den Krieg getrieben hat, um die Erfahrung zu rekonstruieren. Kurz: Es ist ein existentielles Anliegen, sehr konstruiert zwar, von der Erzählung forciert, aber als Zuschauer ging ich das mit.

Die Parallelmontage von aufregender Fabel und die Psychologie auslotendem Familiendrama klingt natürlich sehr schön. Als ich den Film zu Ende geschaut hatte, zweifelte ich jedoch daran, ob der Film diesen ungewöhnlichen Mix wirklich auf eine befriedigende und für die Hauptfigur faire Art zu Ende denkt.

Es gibt zwei Momente, die einen Verrat an den Figuren andeuten.

+++ Spoiler +++

Einmal der Freitod seiner Frau: Das Klischee aus Filmen mit wenig dramaturgischer Entwicklung, in der eine der Hauptfigur näherstehende Figur (in der Regel ist es die Ehefrau oder die Tochter) notgedrungen im dritten Akt in den Selbstmord getrieben wird, um überhaupt noch so etwas wie eine Katharsis zu erzwingen. Hier passiert auch genau das.

Und einmal ist es das Ende der Parabel: Der Mann jagt seinen Feind und schießt ihn an. Diese Handlung triggert bei ihm — Überraschung, es ist ein Charaktermoment — Mitleid. Das ist ein sehr fernsehtaugliches Ende, wo man niemanden zu nahe tritt. Aber eindeutig eine Entscheidung, die die Figur der Parabel niemals selbst treffen würde. Eine übergestülpte Entscheidung, viel zu hektisch und unvorbereitet erzählt.

Durch dieses Ende wird leider die ganze Substanz der Parabel verraten.

Schade! Aber sonst: FREMDER FEIND ist ein guter deutscher Fernsehfilm.

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Verrückte Männer – über MAD MEN und Serien

Jenseits der Intriguen und der dramatischen Verwicklungen lebt das Hauptproblem aller Serien: die Serialität. Warum sollte man  Folge um Folge einer Serie schauen? Warum Woche für Woche zu der Welt zurückkommen? – Eigentlich hat man ja besseres zu tun. Die schönen Landschaften, die schönen Menschen und die noch schöneren Wohnungen, Hotelzimmer und Schlösser aus dem Bildschirm verzaubern uns, aber binden uns nicht an die Serie. Sie tragen zur Schau-Sucht bei, aber sie gründen sie nicht.

Damit Zuschauer zur Serien-Welt zurückkommen, muss sich der Stoff zur Serialität eignen. Die Welt des Dramas, die Kampf-Arena der Konflikte, muss Woche für Woche, Folge um Folge Material für Neues liefern (– das aber natürlich ausschließlich im Gewand des Gewohnten, Vorausgehenden, voranschreiten darf).

Die Erwartungen der Zuschauer an Story und Figur werden in ein Korsett geschnürt. Je genauer die Figurenzeichnung und die Story-Führung, desto leichter fällt uns der Einstieg in eine neue Serien-Welt, desto greifbarer fühlen sich die Gefühle an, die uns die Welt empfinden lässt. Die Story wirkt vertraut und überrascht uns doch — genau wie ein langjähriger guter Freund oder Freundin.

Kurz: Gute Serien lassen uns vergessen, dass sie Serien sind. Gute Serien spulen sich vor unseren Augen und Ohren ab und wir schalten immer wieder ein, weil wir a) nicht glauben können, dass sie irgendwann einmal enden werden (wissen tun wir es schon..), und weil b) die Hauptkonflikte der Serien so stark mit der entworfenen Serienwelt verbunden sind, dass sich die Serien-Welt nicht mehr vom Konflikt, vom ganzen menschlichen Drama, das die Figuren beseelt, lösen lässt. Diese Verknüpfung lässt die Serialität, herrschendes Prinzip jeder Serie, unsichtbar werden.

MAD MEN ist aus vielen Gründen ein Meisterwerk. Aber einer der wesentlichen Gründe ist, weil sich das menschliche Drama und die Serien-Welt (Werbeagentur in den sechziger Jahren in New York) so unentrinnbar verbunden haben. Keine einzige Folge (es gibt sieben Staffeln!) wirkt so, als sei sie nur geschrieben, um Screen-Time zu füllen. Jede Folge wächst aus den Bedürfnissen und Problemen der Figuren heraus — einfach großartig! Besser können Format (gebunden an Vorgaben und Budget des Senders) und Inhalt nicht zur Deckung gebracht werden.

Viele Serien, besonders die im linearen Fernsehen wöchentlich wiederkehrenden, die horizontal erzählten, haben das Problem, dass sie immer wieder ein neues Problem generieren müssen (A-Plot und ein kleiner B-Plot). Das macht aber dem Zuschauer nur halb so viel Spaß. Besser ist, wenn sich permanente Änderung anbahnt und doch die Welt den einmal entworfenen Regeln und Konflikten treu bleibt. Veränderung und Stasis, das bieten großartige Serien.