Friday-Links

JULIAN TREASURE

Nicht zuletzt um gehört zu werden, sollten wir gut zuhören können. Das ist einer der Hauptaussagen von Julian Treasure – und er löst damit ein Versprechen ein, was der Nachname verspricht. Auf seiner Website gibt es schöne Denkanstöße und Ratschläge für erfolgreiche Kommunikation. Ähnlich wie beim Schreiben ist es auch bei der verbalen Kommunikation. Für erfolgreiche Kommunikation müssen wir aufmerksam nicht nur gegenüber den anderen, sondern auch gegenüber uns selbst sein: Nur wer sich bewusst ist, in welchem emotionalen Zustand er oder sie gerade schwebt, kann das Gespräch effizient und für beide Seite zufriedenstellend gestalten.

MASSENMIGRATION

Was passiert mit drei Tonnen Fleisch, das langsam verrottet? Dieser Frage sind Forscher nachgegangen, sie haben Fleischkadaver im Wald „liegen gelassen“ und waren überrascht von den Konsequenzen. Das Video zeigt es ganz eindringlich: Es gibt eine Massenströmung von Larven, einen Larven-Fluss, der sich über die Kadaver und über den Waldboden ergießt. Selbst in Horrorfilmen habe ich so etwas noch nicht gesehen. Eklig, aber auch faszinierend. Die Larven wären ein schönes Detail für Zombie-Filme, in denen massenhaft Leichen verrotten.

WOLFSRUDEL

Jüngeren wird oft viel Nachsicht zuteil. So galt z. B. im antiken Rom nachts zeitweise fast der Ausnahmezustand, wenn die älteren Teenager durch die Straßen zogen und die Gemäuer mit Farbe beschmierten, kleine Statuen beschädigten usw. Die Ordnungshüter belangten sie nicht, die Bürger suchten lieber das Weite. Im Türkischen heißen Jugendliche delikanli – jemand, mit verrücktem Blut in den Adern. Ein treffendes Bild zumeist. Anders, schlimmer, sieht es mit den Hundekriegern aus? – Es scheint, es gab fast 2.000 Jahre vor Beginn der Zeitrechnung ein Ritual, während dessen Teenager Hunde schlachten und aßen, um als Hundekrieger wiedergeboren zu werden. Beängstigend, auch da die Archäologen vermuten, dass die Jungen dafür nicht irgendeinen Hund sondern ihre treusten, langjährigsten Weggefährten schlachten mussten.

TV TIME APP

Letterboxd ist für die meisten Millennial-Filmfans ein Begriff. Neu ist nun TV TIME, eine Community, die auf TV-Serien spezialisiert ist. Schnell und einfach kann man sich dort über aktuelle Folgen austauschen und Reaktionen posten. Macht Spaß, ist auch hilfreich, um seine eigene Serien-Watchlist anzulegen.

 

 

 

 

 

Advertisements

Friday-Links

FRÖSCHE, DIE DINOS FUTTERN

Ich sehe hier einen tollen Creature-Horror-Movie: Frösche im Amazonas, die arrogante Forscher einen nach dem anderen auffuttern.

SENSES OF CINEMA über CHRISTIAN PETZOLD

Die Online-Zeitschrift diskutiert Filme des Mannes, der mit seinem Namen für die Berliner Schule steht. Auch schön und eine Entdeckung wert: Der Fotograf, der Christian Petzold inspirierte: Tobias Zielony. Eine Entdeckung für mich: Fotografien, die wie Schnappschüsse aus dem Alltag von Teenagern wirken, aber ganze Gefühlswelten uns zu Füßen legen.

ANCHOR.FM APP

Eine App fürs Podcasting, Radio-Streamen, Soundbits teilen. Einfach im Handling, schnell verfügbar und macht einfach Spaß. Ich hoffe, dass die Community schnell größer wird und es regen Austausch gibt. Ich bin dort auch zu finden, noch ist es etwas still um mich herum, aber das können wir schnell ändern.

 

Warum das Ende immer enttäuscht

Eine Gedankenskizze: Woher dieses schale Gefühl am Ende eines Films, jeden Films, selbst am Ende eines Films, den man mochte? Dieses Gefühl der Enttäuschung, wenn die Welt der Fiktion, die Welt der ewigen Liebe, der überkommenen Gefahren, gewonnen Einsichten verlassen werden muss?

Weiterlesen „Warum das Ende immer enttäuscht“

Apple will die Realität erobern

Gestern war die Produktpräsentation von Apple. Wieder wurden neue Produkte vorgestellt. Interessant fand ich aber, dass Apple anscheinend vor hat, in den öffentlichen Raum zu drängen. Das wohl teuerste Unternehmen der Welt dreht den Spieß um: Die Smartphones, die früher Hort der Privatsphäre waren, werden nun Instrumente der Öffentlichkeit, die Gesichtserkennung ist nur der zweite Schritt (nach dem Erkennen des Fingerabdrucks) in diese Richtung.

Dies kündigt sich im Vorhaben an, Appelstores als „town squares“ zu entwerfen und dort, im Rahmen einer kommerziellen Öffentlichkeit, den Konsumenten die Produkte und Leistungen des Unternehmens anzubieten. Konsumenten werden teil einer Öffentlichkeit, die eine Firma ins Leben ruft.

Weitaus interessanter ist die neue Transformation des Smartphones in ein Tool für Augmented und Virtual Reality. Sascha Lobo macht auf die ausgebauten Fähigkeiten von Smartphones aufmerksam: Pokemon-Jäger im öffentlichen Raum waren nur die Vorboten einer technologischen Entwicklung, in der Digitales im wirklichen Raum sichtbar wird.

Prophetisch gesprochen: Eine neue Art der Realität erwartet uns, eine, die Geräte und Dinge durch Apps ersetzt, alles zur Oberfläche verwandelt und eine neue Öffentlichkeit gründet. Das Digitale kriegt damit sichtbar Macht über die analoge Wirklichkeit. Ob gut oder schlecht – wer mag das zu sagen?

 

RUBBER

Ein Reifen, der zunächst Raben, dann Menschen umbringt. Allein durch seine telekinetischen Kräfte. Ein Reifen, der durch die Wüste kullert, umher irrt, bis er seine große Liebe entdeckt: eine attraktive junge Frau – natürlich und doch ist in diesem Film nichts selbstverständlich. Polizeibeamte (wie aus dem Bilderbuch des amerikanischen Genre-Kinos), die den mörderischen Reifen jagen – das alles bietet Euch RUBBER, ein merkwürdiger, unterhaltsamer Film von Quention Dupieux, der als Mr. Oizo der legendären französischen DJ-Formation Ed Banger bekannt wurde.

Genre-Kniffe in THE MIST und UNFORGIVEN

Wie zeigt man, dass die Charaktere trotz Menschlichkeit – trotz der Fehler, die wir alle begehen – böse sind? Man lässt die Tat, die den Charakterzug, der als böse empfunden wird, aus dem Täter herauszerrt, von zweien ausführen. Dann zeigt sich Bösheit in Differenz zu einem, der die Tat bereut, gutmütig ist. Bereuen und Abbitte leisten kann in Hollywoods Genre-Filmen immer nur einer, nicht beide.

So ist es z. B. bei THE MIST – Jim und sein Kumpel gehen unterschiedliche Wege im Laufe der Erzählung: Der eine wird der Freund des Familienvaters, der andere will dessen Sohn töten und opfern. Auch bei UNFORGIVEN, Clint Eastwoods Meisterwerk, findet sich dieses Muster: Davey und Mike tun Delilah Gewalt an, aber nur Davey bereut, er ist noch jung, er wusste nicht, was er tut. Mike hingegen bleibt das Böse und wir verachten ihn.

UNDER THE SKIN

Die Szene kennt fast jeder Netflix-User und Serien-Enthousiast: Die Parallelwelt des Monsters in STRANGER THINGS, das Upside-Down, ist ein Raum, der jeglicher Raumkoordinaten entbehrt. Einzig die Spiegelung auf dem Boden, der wasserartig glatt ist, aber den Schritten nie nachgibt, gibt den Menschen Orientierung. In diesem luftleeren, pechschwarzen Raum jagt und haust das Monster. Wenige wissen, dass dieser Raum eins zu eins aus einem anderen Film stammt, aus Jonathan Glazers Meisterwerk UNDER THE SKIN.

Weiterlesen „UNDER THE SKIN“

YOU WERE NEVER REALLY HERE

Der Film YOU WERE NEVER REALLY HERE kommt bald in die Kinos, das Buch von Jonathan Ames, worauf die Verfilmung basiert, gibt es schon seit ein paar Jahren. Es ist eher eine Novelle, kurz gehalten, konzentriert, eindeutig aus dem Neo-Noir-Genre. Den Film kenne ich noch nicht, das Buch habe ich gerade gelesen. Schnell, packend, kompakt erzählt, die hundert Seiten habe ich verschlungen.

Weiterlesen „YOU WERE NEVER REALLY HERE“

BETTER CALL SAUL – Season 3

Wieder eine großartige Staffel, die selbstsicher auf packende Höhepunkte zugunsten von leisen Andeutungen und Veränderungen, die uns an den Bildschirm fesseln, verzichtet: BETTER CALL SAUL, die dritte Staffel.

Weiterlesen „BETTER CALL SAUL – Season 3“

kurzschluss – arte Magazin

Eine Notiz: Unbedeutendes Werk eines Regisseurs auf arte gesehen. Ein Kurzfilm – zum Glück. Die Beobachtung: Schauspieler Gefühls- und Seelenzustände in einzelnen Szenen und über längere Szenen hinweg halten zu lassen wirkt ermüdend und banal. Figuren nicht dauernd aus Fenstern schauen lassen. Wenn sich diese Art von Szenen häufen, dann fehlt das externe Drama, es fehlt das, weshalb wir zuschauen möchten. Die Figuren schauen zu, schauen irgendwohin und wir schauen zu, wie sie das Drama aus den Augen verlieren.

 

PS: Schauwerte beachten, Erzählung den Gegebenheiten anpassen. Wenn die Räume, in denen sich die Figuren bewegen, alltäglich sind und so aussehen, hilft es keinem Zuschauer, wenn der Film lange „in“ den Räumen verweilt.