Filmstill aus der Netflix-Serie: FBI Agent Bill Tench

Auch die zweite Staffel von MINDHUNTER beweist, dass die Serie zu dem besten gehört, das gerade die Streaming-Dienste im Angebot haben.

Zwischen beiden Staffeln scheint keine Zeit vergangen zu sein, Episode eins der neuen wirft uns zurück in das Finale der ersten Staffel. Agent Holden Ford hat einen Panikanfall, die anderen beiden Kollegen aus dem Triumvirat werden zum Babysitting verdonnert – und befördert.

Die Geschichte mit den Panikattacken verlieren die nächsten Episoden zunehmend aus dem Blick. Auch andere Nebenhandlungen, die ich für Staffelbögen gehalten habe, werden nicht weiter verfolgt – die Psyche der Serien-Killer übt einfach eine zu starke Faszinationskraft aus, als dass wir uns mit den Befindlichkeiten von Normalo-Bürgern aufhalten können.

Trotzdem werden alle Folgen, alle Serien-Killer-Interviews von einem Thema beherrscht.

Nicht die thematische Einheit der Serie, sondern die Konsequenz, mit der diese verfolgt wird, fand ich überraschend und beeindruckend.

Es geht um Kinder. Genauer: Um den Einfluss, den Erwachsene auf Kinder ausüben. Sind manche Menschen von Geburt an schlecht – oder werden sie dazu gemacht? Diese Frage verfolgt die zweite Staffel von MINDHUNTER mit der ganzen zurückgehaltenen Brutalität und Grausamkeit, die wir aus der ersten Staffel zu lieben gelernt haben.

Doch wird die Frage aus der Perspektive der Eltern gestellt. Soll ich mein Kind schützen? Wie weit muss ich gehen, wie kann ich überhaupt mein Kind schützen? Welchen Anteil haben Kinder an ihrem eigenen Schicksal? Welchen Anteil haben Eltern an der Schuld der Kinder?

Der Adoptiv-Sohn von Bill Tench wird in einen grausamen Vorfall verwickelt. Wendy Carr verliebt sich in eine Mutter, die ihr Kind von ihr abschottet. Und Holden, bei dem die Fäden des Main Plots zusammen laufen, hat es mit einem Kindermörder in Atlanta zu tun.

Nicht nur das: Auch in den Interviews mit den Serien-Killern schimmern die beklemmenden Beziehungen zu den Eltern durch. (Hier eine Liste der berühmten Persönlichkeiten.)

Die meisten Predators sind männlich. Es gilt dann folgerichtig darum, nicht nur die Kinder, sondern vor allem die Jungen von den Erwachsenen zu retten und zu beschützen. Schließlich stellen gerade die Jungen die potentiellen Mörder von morgen.

Den Höhepunkt der Gespräche bildete für mich das Interview, in dem Bill Tench mit Charles Manson über Kindererziehung diskutiert. Manson durchstößt für einen Moment auch Tenchs harte Schale.

(Die letzte Folge nimmt auf seine Art das Medienspektakel um O. J. Simpson vorweg. Die Ausgegrenzten und Benachteiligten vergeben die Ignoranz des Weißen Mannes nicht. Auch wenn er dieses eine Mal in einer bestimmten Sache Recht behält.)

#netflix #tvshow #mindhunter #davidfincher

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Wunderbare deutsche Comedy

Im Podcast besprechen wir eine tolle deutsche Mini-Serie, die in der ZDF-Mediathek zu finden ist. MERZ GEGEN MERZ von Ralf Husmann. Hört gern mal rein!

https://soundcloud.com/user-769216440/folge-33-merz-gegen-merz-sehr-gute-deutsche-comedy-serie-beim-zdf

Filmstill aus dem Film HANA-BI

Takeshi Kitanos HANA-BI läuft in der Arte-Mediathek. Der Film ist lakonisch, einfühlsam, brutal und herzergreifend.

Großes Kino.

Eine Szene erinnert an einen berühmten Spruch Maupassants: Le bonheur, ce n’est pas gai. (Sinngemäß: Das Glück muss nicht lustig sein, oder: Das Glück bereitet keine Freude.)

Nishi und seine Frau sind vom Leben gezeichnet. Er kämpft mit Schuldgefühlen, sie mit Leukämie und beide trauern um ihr verstorbenes Kind. Eigentlich Stoff für schweres Drama, hundert Tage Regenwetter usw.

Aber Takeshi Kitano verarbeitet die Trauergefühle ganz anders. Es gibt zwar nichts zu lachen, aber immerhin etwas zu belächeln. Und zwar die Frechheit der Frau.

Diese einfühlsame Szene führt dem Zuschauer vor, dass das Paar zwar von allen bemitleidet wird, aber eigentlich, soweit man es sein kann, seinen Frieden mit der eigenen Lage geschlossen hat. Le bonheur, ce n’est pas gai.

Ich bin sehr gespannt. Die Fortsetzung meines Selfpublisher-Romans DIE RÜCKKEHR DER GREIFENREITER ist fast fertig. Das Buch war kurze Zeit ein Bestseller auf Amazon in der Kategorie „Fantasy“. Ich hoffe sehr, dass die Fortsetzung auch Gehör beim Publikum finden wird.

Maurice Mosqua arbeitet schon am Cover. Und ich finde: Das sieht schon großartig aus. Hier ein kleiner Schulterblick: Den Titel „Greifenreiter“ nehmen wir wörtlich 🙂

Beim Titel bin ich mir noch unsicher. Wie wäre es ganz schlicht mit: DER GREIFENREITER?

#ebook #selfpublisher #amazon #kindle #fantasy #autor #cover

Wo endet die Hölle, wo beginnt der Himmel, wenn die Menschheit kopf steht? (Filmstill)

Der Irrsinn des Vietnam-Kriegs wirkt auf den Wahnsinnigen ernüchternd. Die Prämisse von APOKALYPSE NOW ähnelt einem Charlie Chaplin Sketch: An Bord eines wild im starken Seegang schaukelnden Schiffes ist der Betrunkene der einzige, der noch gerade gehen kann.

Weiterlesen „APOCALYPSE NOW REDUX – über den Kopfstand Willards“

Axel Scheffler und Julia Donaldson sind als Kinderbuch-Illustrator-Autor-Paar weltberühmt. Ich schätze, mittlerweile hat jede Familie mindestens ein Buch von ihnen im Kinderzimmer liegen oder stehen.

Auch bei uns im Bücherregal leben ihre mutigen Mäuse, ängstlichen Monster, berühmt-hässlichen Tiere, schlafsüchtigen oder willensschwachen Hasen.

Darunter befindet sich auch das Buch über eine neugierige Schnecke, die von einem Buckelwal durch die Weltmeere getragen wird.

Dieses Buch kann mein Sohn auch heute noch nicht leiden. Es ist das einzige Buch des Duos, das er genervt oder gelangweilt (was bei Kleinkindern oft dasselbe ist) weiterblättert, bevor ich die Möglichkeit habe, ihm die Geschichte detailliert vorzulesen.

Ich habe einen Verdacht.

Der Grund für die Antipathie liegt in der Geschichte. Nicht in den Tieren oder einzelnen Bildern, sondern an der Erzählung, die alles wie magisch verbindet.

Die Geschichte ist sehr einfach und geradlinig strukturiert.

DIE SCHNECKE UND DER BUCKELWAL gliedert sich in mehrere Akte. Es gibt die Einleitung (Schnecke will die Welt sehen und lässt sich was einfallen), den Wendepunkt (Wal geht auf die Bitte ein), dann die Reise durch die Welt (Arktis, Vulkanausbrüche usw.), das Stranden des Wals, die Rettung des Wals durch den Einsatz der Schnecke, die abschließende Rückkehr und den Epilog.

Beim Lesen fiel mir auf, dass mein Sohn den Teil zwischen Einleitung und Stranden des Wals überspringt. Die ganze Exotik, die sich seitenweise entblättert, interessiert ihn nicht. Beim Stranden des Wals ist er aber hingegen wieder ganz Ohr (und Auge).

Ich meine den Grund für die neu entflammte Begeisterung zu kennen.

Natürlich liegt es nicht an der Art, wie ich lese – zumindest hoffe ich das. Sondern an der Art, wie sich die Erzählung aufbaut.

Die Reise durch die Welt ist langweilig, weil die Schnecke zu einem Beobachter und Bewunderer reduziert wird. Sie tut bewundern. Das ist öde für eine Hauptfigur. Klar, durch die Reise soll sie die Erfahrung machen, dass sie ganz klein und machtlos gegen die Wunder der Natur ist. Ihr Beitrag zur Rettung des Wals, als er strandet, wiegt dann dramatisch um so schwerer.

Aber der Abschnitt schafft es nicht, zu faszinieren. Die Prämisse fällt flach aus. Es fehlt die Figur, die zielstrebig etwas sucht, etwas tun möchte, mit einer Situation umzugehen gezwungen ist.

Was zeichnet die Episode nach dem Stranden des Wals aus – was macht sie so spannend, dass mein Sohn der Geschichte, die ihn bis dahin gelangweilt hat, gespannt zu Ende lauscht?

Es ist nicht nur die Zielstrebigkeit und Handlungsmacht der Schnecke – sie rettet den Buckelwal.

Noch wichtiger: Es geht um etwas, um eine nicht nur emotional bedeutsame Situation. Etwas steht auf dem Spiel – überlebt der Wal?

Aber noch wichtiger als Handlungsmacht und Fallhöhe ist die Beziehung der beiden Tiere: Der Schwächere hat die Chance – obwohl er das schwächste Glied in einer langen Reihe von Handlungskraftprotzen ist –, sich zu beweisen, den Freund zu retten. Den einen zu retten, der ihm geholfen hat, als er Hilfe brauchte.

Das ist starkes Drama.

Und dazu gesellt sich die ganze Kraft der Metapher:

Das Kind spiegelt sich in der körperlich schwachen, aber mutigen und intelligenten Schnecke: Endlich hat es die Chance, den Erwachsenen zu helfen. Und dankbar stürzt sich die Kind-Schnecke ins Abenteuer.

#kinderbuch #dramaturgie #grueffelo #kind #vorlesen

Die Teenager sammeln Kräfte (Netflix)

Die dritte Staffel von STRANGER THINGS, das Tentpole von Netflix, hat sich mit überraschend viel Selbstreflexivität in Schale geworfen.

Es steht dem Stoff gut.

+++ Wenige leichte Spoiler folgen +++

Weiterlesen „STRANGER THINGS 3 ist unglaublich selbstreflexiv“
Filmstill aus SMILF (Showtime) – die Lola Rennt Episode

SMILF macht großen Spaß. Die Serie über eine arme, alleinerziehende Mutter ist nicht zynisch, verklärt die Umstände nicht und führt Armut auch nicht pornografisch vor. Die Showtime-Show zeigt menschliche, herzliche Comedy.

Was macht die Serie so besonders? Die detailtreue der Welt – dieses Amerika kannte ich noch nicht – und die besonderen Figuren. Der herbe, deftige Erzählton natürlich auch.

Bei Comedy-Figuren überlege ich oft: Würden wir über die Dinge, die wir der rotzfrechen Protagonisten durchgehen lassen, auch lachen, wenn sie ein Mann sie tun würde?

Die Antwort ist meistens nein. Wenn es um brutale Ehrlichkeit im Familienleben geht, dann braucht es rotzfreche Frauen, keine Männer. Oft resultiert in dieser Serie der Humor daraus, dass wir das Handeln einer „normalo“-Mutter mit den Verwirrungen Bridgettes vergleichen.

Absolute Guck-Empfehlung für Fans von Single-Camera Komödien.

#sky #smilf #serie

HEAT wird von Michael Mann besprochen

Der romantische Gangster – Michael Manns ikonographische Figur, diesmal verkörpert von Robert De Niro (Filmstill, Warner Brothers)

Das Meisterwerk HEAT wird Minute für Minute im Podcast besprochen. In der Folge, die sich den finalen Minuten widmet, kommt schließlich der Regisseur zu Wort.

Für alle Cineasten, Cinephilen und Cine-Amateure – hört mal rein!

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