SCHULD UND SÜHNE MITTEN IM ALIEN-GEMETZEL

THE TOMORROW WAR hat mich überrascht. Ich habe einen Film erwartet, der sich in VFX-Sequenzen verliert, ewig Zeitsprung-Paradoxien auswalzt und Heldentaten zelebriert.

Aber wenig davon, nur das Nötigste.

Es geht eigentlich um die Geschichte eines Vaters und seiner Tochter, um Vaterschaft und die Frage, ob und wie Kinder die Verfehlungen der Erwachsenen verzeihen können; wie stark Eltern Kinder verletzen können, indem sie etwas tun oder – eben – indem sie etwas nicht tun. Das sind emotionale Themen, die die Schauspieler und die Regie mit Verve transportieren.

Der Vater Chris Pratt (nennen wir ihn so, der Film ist ein reines Star-Vehikel) rettet die Welt nur, weil er seine Tochter retten möchte. Das ist die Ironie der Geschichte. Selten habe ich einen solch gelungenen Mix aus lakonisch-ironischen Kommentaren und blutiger Action gesehen. Die Erzähltonalität strengt nicht an, erzählt wie beiläufig die Zerstörung der Welt und die Ausrottung von über sieben Milliarden Menschen. Damit sagt der Film, dass wir nicht zu stark in Mitleidsorgien zu schwelgen brauchen. Denn eigentlich geht es doch nur darum, ob die Tochter dem Vater verzeiht, ob die Beziehung der beiden eine Zukunft hat.

Ein Familienfilm eben.

Herrlich. Der Film weiß, was er möchte. Nebenfiguren, beispielsweise die Mutter-Ehefrau, werden kurz und bündig vorgestellt und charakterisiert. Aber der Film weiß, dass neben Star Chris Pratt wenig Screentime für andere Leinwandgesichter bleibt.

Die Sci-Fi-Geschichte bedarf keines längeren Nachdenkens. Es ist klar, das sie ein reines Konstrukt ist, um Tochter und Vater aneinander zu spielen. Es macht alles wenig Sinn – und wenn, dann nur minimal -, das ist aber auch egal, denn der Film lebt von der Beziehung der erwachsenen Tochter und des Vaters.

Die dramatische Struktur erinnert en détail an einen meiner Lieblingsfilme: LIVE. DIE. REPEAT. Auch hier gibt es ein Nachspiel, wenn am Ende ein kleines Team noch einmal in die Schlacht ziehen muss, in die letzte der Menschheit, wobei der Kampf zugleich auch der erste ist – je nachdem, wie man’s nimmt. Auch dort geht es im Wesentlichen um den Reifungsprozess des Helden und um seine freundschaftlich-respektvolle Beziehung zu einer Frau.

Einen Familienfilm wie THE TOMORROW WAR schaue ich immer wieder gerne!

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