HALT AND CATCH FIRE

Auf Amazon Prime lässt sich eine packende Serie (wieder-) entdecken: HALT AND CATCH FIRE, ein Geheimtipp für die Zuschauer, die anspruchsvolles Period-Workplace-Drama mögen.

Die erste Folge ist ein kleines kompaktes Kronjuwel der seriellen Erzählkunst. Ohne die Szenen zu überlasten werden die Figuren eingeführt und dramatisch in Szene gesetzt. Es gab keine einzige Szene, in der ich gelangweilt von einem Überfluss an Informationen auf die Timer-Anzeige starren musste. Dabei handelt die Serie von Software-Ingenieuren, Informatikern, die ein Computer auseinander bauen und wieder zusammenfügen. Unglaublich, wie brillant und mit welch leichter Hand in der ersten Folge die vier zentralen Figuren und ihre Beziehungen vorgestellt werden, mit welcher Selbstverständlichkeit mir unbekannte technische Begriffe um die Ohren gehauen werden, die mich dennoch nie irritieren. Die Dialogführung glänzt in vielen Szenen, wo der Zuschauer an der Hand genommen wird und in ein Milieu eingeführt wird, in der nur Experten agieren.

Übrigens, ein Punkt aus der tollen Check-Liste für Figureneinführungen: Figuren stellen sich mit Namen erst im späteren Verlauf der Geschichte vor. So verschwenden wir keine einzige Sekunde auf eine langweilige „übrigens, ich heiße XY“-Begegnung.

Der Trick ist: Die Autoren konzentrieren sich vollständig auf die Gegenüberstellung der Figuren. Gegensätzlichen Persönlichkeiten werden aneinander gespielt, aus eigenem freien Willen finden sie sich plötzlich ein einer Zweck-Beziehung wieder, die ihr Leben verändern könnte.

Die Frage ist, warum tun sie das, warum tun sich die Figuren das an? Und die Glanzleistung der Autoren ist, diese Frage auf einfachste, klarste und einprägsamste Art zu beantworten: Clark tut es, weil er es nicht anders kann. Joes eigentlichen Beweggründe werden noch geheim gehalten. So oder so kommen sie an den Punkt, dass die Existenz der Firma, ihre Karriere auf dem Spiel steht. Die Fallhöhe ist hoch, wobei die Konflikte der Figuren zur Expansion des Dramas beitragen. Beste Voraussetzungen für eine packende Serie.

Die Anfangssequenz hat mich gleich verführt: JOE fährt einen Porsche und überfährt ein Gürteltier. Moderne Technik trifft auf Altes, Alteingesessenes, Innovation auf Stagnation. Joe ist klar auf der Gewinnerseite, er überlebt, Survival of the fittest (ganz buchstäblich scheint der Mann dieses Prinzip leben zu wollen). Dann aber wird die Überheblichkeit der Figur ihr zum Verhängnis: Er kommt CAMERON nah, sie haben einen Quickie in einer Abstellkammer. Dabei erklärt er, dass sie nicht denken solle, dass sie den Job nun hat, weil sie ihn vögelt. Cameron ist gänzlich von dem Menschen irritiert, sie schiebt ihn weg, schickt einen sarkastischen Kommentar hinterher. Nun ist es Joe, der überfahren ist. Mit seiner gänzlich falschen Auffassung der Situation scheint er das Auslaufmodell der Arbeitswelt zu sein, Modell: Mann. Großartiger, metaphorischer Einstieg und gleichzeitig eine substantielle Sequenz, die uns das Innenleben der Figuren entblättert.

So muss es sein.

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