MEG und das Dilemma, wenn der Film ein zu hohes Budget hat

Ein selbsterklärendes Film-Poster des Hai-Films MEG

Den Abspann eines Millionen-Blockbusters mit dem Wort „Fin“ anzufangen setzt ein klares Zeichen: Die Filmemacher wissen, dass der Inhalt von MEG nur ironisch konsumierbar ist. Sie wollen sich dem Zuschauer anbiedern.

Hollywood-Executives (und mittlerweile auch chinesische Investoren) wissen, dass sich Hai-Filme immer (wirklich immer) leicht verkaufen lassen. Daher die ungebrochene Rückkehr der Rückenflosse.

Der Film bietet eigentlich genug, um ernst genommen zu werden. Die Charaktere sind Genre-richtig entwickelt, die Konflikte und Fügungen des Plots zitieren erfolgreich Klassiker des Hai-Genres und bewährte B-Movies herbei. Es stellt sich sogar so etwas wie eine Team-Dynamik ein. Ja, die Charaktere sind meilenweit davon entfernt, echte Zuneigung und Sympathie beim Zuschauer zu wecken, aber sie stoßen nicht ab, sind sogar sympathisch genug, dass man so manchen nachlässig gesetzten Gag bereitwillig verzeiht.

Natürlich bleibt MEG ein lächerlicher Film. Wie könnte er es nicht sein: ein Urzeit-Hai taucht wieder in den Ozeanen auf und macht Jagd auf – Menschen? Ein Forscher-Team bricht zur Jagd auf, viele sterben dabei, dabei schauen sie aber besorgt aufs offene Meer hinaus und philosophieren über Tiere und Menschheit – hört sich ambitioniert an.

Die feinfühlige Balance zwischen blutigen Szenen und intimer Charakter-Entwicklung wird schon in der ersten Szene über Bord geworfen.

In seinen besten Momenten aber ist MEG nicht selbstironisch, sondern formuliert eine klare Aussage: ein einsamer großer Raptor gegen viele tausend kleine; der eine Große gegen die Überzahl an Kleinen. Und es sind entsprechend diese Szenen, die wirklich – verzeiht es mir: Biss haben:

Der Megadolon schwänzelt unter tausenden Badebesuchern in einem CGI-Meer; Haie zerfressen den Körper des Urzeit-Hais, bis sie aus seinem Maul herausschwimmen…

Der Fluch des Films: Er ist intelligenter, als er sein sollte. Mit weniger Budget, mit schlechten Effekten und glanzlosen Sets hätte der trashige Plot gar nicht so trashig gewirkt – sondern genau richtig.

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