Über den Einsatz von Szenen

KEEPING UP WITH THE JONESES von 2016, eine Suburbs Komödie mit Jon Hamm und Zach Galifianakis, ist kein herausragender Film. Trotzdem findet sich darin eine Szene, die erfolgreich ein Schreibprinzip umsetzt.

Was der Ausspruch „Know your enemy!“ dem Kriegstreiber bedeutet, kann nur der Autor verstehen, der mit jedem Beat und jeder Szene den Imperativ: „Kenne deinen Zuschauer!“ befolgt.

Es geht um die folgende kurzweilige Szene – ein narratives Bindeglied ohne dramaturgische Bedeutsamkeit für die Haupthandlung: Karen, die gelangweilte Home-Office-Designerin, sitzt in einem Auto und fährt, im Blick behält sie einen größeren Wagen vor ihr. Sie greift zu ihrem Handy und möchte eine Audio-Nachricht aufnehmen, beginnt zu sprechen: Natalie Jones, die neue glamouröse Nachbarin, sei nicht die, für die sie alle halten usw. Das Telefon hat ein Eigenleben, Siri möchte Natalie Jones anrufen, panisch drückt Karen den Anruf weg und kreischt.

Die Szene ist belanglos, weil sie einfach nur der Informationswiedergabe dient: Karen verfolgt Natalie.

Aber nicht die Zweckmäßigkeit, das „Was“ der Szene, findet sich in der Maxime „Kenne deine Zuschauer“ wieder. Es ist vielmehr das „Wie“.

Die Szene ist lustig geschrieben, Karen scheitert an Siri, als sie versucht, smart und tough zu sein. Isla Fisher spielt die Szene entsprechend „groß“, sie wirft das Handy weg, wedelt mit den Händen, schüttelt sich – sie ist die Überforderung in Person.

„Kenne deinen Zuschauer“ heißt, dass das Genre beachtet werden muss. Hier eine brisante Verfolgungsfahrt mit spannungssteigernden Momenten zu entwerfen, wäre komplett fehl am Platz. Besser ist es, dem Genre des Films treu zu bleiben, und auch in unbedeutenden, langweiligen, emotional kalten Szenen, einen originellen Zugang zum Stoff zu finden.

Und das geht nur, wenn man die Erwartungshaltung des Publikums kennt.

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