Miami Vice

das Intro von MIAMI VICE (externer Link, Youtube)

Dank Amazon Prime kann man die legendäre US-Serie MIAMI VICE neu entdecken. Als Kind war mir die Serie kein Begriff, der Titel statt prophylaktisch für coole Gewaltdarstellung, vom Fernsehen tolerierte, exploitative Darstellung von nackter Haut und für einen verdammt einzigartigen Dresscode – der Männer, denn die Frauen lagen fast immer halbnackt unter der Sonne Floridas.

Die Serie bietet das, zugegeben, und nicht wenig davon.

Aber sie ist auch einzigartig in der Kombination von viszeraler Action, Autoverfolgungsjagden und einsamen, nächtlichen Fahrten durch menschenleere Straßen von Großstädten zum Beat der größten Pop-Hits der 80er Jahre. Die disruptiven Gewaltexzessen werden von coolen Sprüchen und angedeuteten, ausgeblendeten Emotionsausbrüchen eingefangen.

Vor allem hat das alles Tempo.

Fernsehen für Leute, die erwachsen werden wollen, und Junggebliebene. Klassisches Prime-Time-Format.

Mich hat der Erzählton überrascht. Es scheint, dass die psychologische Einfühlung, die uns das Fernsehen des 21. Jahrhunderts gelehrt hat mit den psychisch labilen Cops, den vom Dienst traumatisierten Beamten und den Gangstern, die eine schlimme Kindheit erfahren haben, in Miami der 80er noch kein Thema ist.

Statt das Innenleben mit langsamen Szenen einzufangen, reagieren die Figuren cool und tough, verbergen ihre Gefühle so lange es geht hinter dem Sonnenschein Flordias. Und wenn es zur Aussprache kommt, wenn die Tragik sich doch noch zum Plausch mit der Geliebten einfindet, dann immer nur kurz und knapp.

Die Serie gewinnt dadurch eine unheimliche visuelle wie auch hörbare Dynamik. Selbst der Vorspann ist eine Wucht, eine Symphonie aus motorisierten Bewegungsmitteln, die sich zu Luft, zu Wasser und auf dem Land an ein permanentes, unendliches Gleiten und Rauschen verlieren.

Miami Vice hört nicht auf, kann nicht aufhören. Diese Bewegungssucht verkörpern die Figuren Crockett, der auf einem Segelboot lebt, und sein Partner Tubbs, der die Kälte New Yorks für die Feuchtigkeit des Südens eintauscht. Weniger Fahrer als Getriebene drückt ihr Fuß das Gaspedal öfter runter als gut sein kann.

Zuletzt ist aber dieser nicht enden wollende Gesang aus reflektierenden Lackoberflächen, Straßenlaternen und Pistolenfeuer selbst das Prinzip der Serie: Eine Serialität ad infinitum, die Unendlichkeit einer Fahrt, die nie aus der tropisch-amerikanischen Großstadt Miami hinausführen wird.

Großartig, noch immer!

3 Kommentare zu „Miami Vice

  1. Ich hab die Serie geliebt und als ich gesehen habe, dass man sie bei Prime schauen kann, habe ich da wieder Lust drauf. Hab früher keine Folge verpasst und später aus der Konserve geschaut.
    Ich habe sogar noch alle LPs mit den Soundtracks zur Serie – inkl. der Jam Hammer MV – CD. 🙂 🙂

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