Sind Logistiker die besseren Weihnachtsmänner?

Zwei Weihnachtsmänner in einem Schlitten: Der Logistiker und der Spielzeugmacher (Filmstill, Netflix)

Der Netflix-Film KLAUS kommt genau zur richtigen Zeit: Der Film folgt – außer an ein paar wenigen Schlüsselszenen – mit Bravour einem formelhaften Plot, die verhandelten Gefühle sind so groß, sie passen schwer ins hell erleuchtete Rechteck des Fernsehers, das Ende stimmt uns alle versöhnlich. Und es schneit auch noch.

Die Rede ist von einem perfekten Weihnachtsfilm, der stilsicher eine einfache Frage ausschlachtet: Was wäre, wenn die Legende des Weihnachtsmanns auf einem Missverständnis beruht? Wenn der Altruismus den Egoismus benötigt, um in der Welt Fuß zu fassen?

Hier der Trailer:

Der Trailer zum Weihnachtsfilm auf Netflix (via Youtube)

Der Film bleibt im Entwerfen der Legende des weißbärtigen Mannes klar ahistorisch und weltvergessen . Keine Wendung überrascht uns wirklich, der Handlungsentwurf ist passgenau auf ein mit amerikanischen Komödien gefüttertes Publikum zugeschnitten.

Trotzdem wirkt der Film frisch und originell.

Warum eigentlich? – Im Gegensatz zu anderen Animationsfilmen, denen ein zu starrer Formalismus in der Charakter-Entwicklung zum Hemmschuh und dem Zuschauer zum Ärgernis wird (wie zum Beispiel bei Pixars COCO), profitiert KLAUS reichlich von der Beziehung des Älteren mit dem wortkargen Jüngeren, der einfachen Freude der Kinder, dem Wiederentdecken von Schlüssel-Motiven, die die Legende des Weihnachtsmanns begründen.

Hier ein paar Konfigurationen, die in Komödien wirklich immer überzeugen:

– man macht das Richtige (Korrekte, Moralische) aus falschen (eigennützigen) Motiven heraus. Eigentlich will man ja nicht helfen, aber…

the strange pair (comedic duo) als lead: der Wortkarge und der Hektische, der Stoische und der Nervös-Panische, der Experte und der Dilettant

– die Handlung widerspricht diametral dem Selbstverständnis einer Figur. Dabei ist der emotionale Wert der Handlung entscheidend. Sprich: Lieber eine nette Handlung zeigen und die Figur abschätzig reagieren lassen, als andersherum

– die Handlungen in so einfachen Handlungsschritten wie möglich etablieren. Stets gegenständlich und damit für den Zuschauer nachvollziehbar bleiben, das Setting, die Regeln der Welt müssen stets eindeutig sein. (Wenn man diese Regel forciert, schreibt man Slapstick-Szenen. Aber die beiden Prinzipien fürs Schreiben einer gelungenen Komödien-Szene und für den Entwurf einer Slapstick-Einlage scheinen mir doch diesselben zu sein.)

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