TERMINATOR DARK FATE

Die bewährte non-verbale Auseinandersetzung zwischen Maschinen wurde beibehalten (Filmstill, 20th Century Fox)

Niemand erwartet, dass es der neueste Ableger der Terminator-Franchise mit Originalität auch nur in die Nähe der ersten beiden Klassiker schafft.

Der Film bleibt zum Glück nicht auf der Strecke, und das ganz buchstäblich: Die drei Heldinnen sind permanent unterwegs: zu Fuß, auf einem Zug, in einem Flugzeug, in einem Hummwy in reißenden Fluten unter Wasser… Reisejournal mit Maschine quasi.

Der Film hat seine Momente. Sie ergänzen sich zu einem angenehmen Kinoerlebnis, nichts Dolles, aber gut.

Eine Szene aber stach heraus. Sie war merkwürdig schlecht geschrieben in einem sonst qualitativ soliden Gesamtwerk. An dieser Szene zeigt sich eine Art von kanonisch gewordener Figurendramaturgie, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn etwas bebildert, etwas dem Zuschauer unmissverständlich klar gemacht werden soll. Und meist ist das nur das Offensichtliche, eine Ansage, die auf dem Rücken der Figur ausgetragen wird.

Hier eine Szene aus BREXIT mit Benedict Cumberbatch: Dieselbe Art von Szene wie bei TERMINATOR findet sich auch hier, und auch hier wirkt sie fehl am Platz, falsch und sticht in ihrer Künstlichkeit hervor.

Trailer zu BREXIT (externer Link via Youtube)

Hier realisiert der Wahlhelfer, dass die Menschen Ipads, Smartphones und andere Devices nutzen. Er ist im Park und schaut sich um, dann kommt die Epiphanie. Das ist leicht zu schreiben und schnell in Blickachsen umzusetzen. Aber das ist auch einfach plump: Wie eindimensional müsste ein Mensch sein, damit er solch einen banalen Gedanken wie eine Epiphanie im Park erleben kann?

Bei TERMINATOR DARK FATE gibt es eine ähnliche, in ihrer Sinnhaltigkeit fast ebenso aufdringliche Szene.

+++ Minor Spoiler ahead +++

Der Mensch aus der Zukunft verkündet kurz vor der finalen Action-Sequenz die Wahrheit über Dani, die Fabrikarbeiterin, die auf der Abschussliste der Terminatoren gelandet ist. Zur Zielscheibe wurde sie nicht, weil sie Mutter des zukünftigen Wundersoldaten ist, sondern weil sie selbst die Anführerin der Menschheit sein wird. In der Zukunft, irgendwann mal…

Das kommt für niemanden als Überraschung. Der Film versucht es trotzdem als solche dastehen zu lassen.

Aber das eigentlich erniedrigende für die Erzählung folgt noch: In einer peinlich-detaillierten Szene tritt Dani in der Zukunft auf, hält eine kleine Ansprache über die Vorzüge der gegenseitigen Hilfsbereitschaft und die Gefahren, die von Maschinen ausgehen – und schafft es, innerhalb von Sekunden, aus Feinden Freunde zu machen.

In einem Film, der sich an Erwachsene wendet, haben wir plötzlich eine Szene, die aus einem Bilderbuch für Grundschüler stammen könnte.

Die Simplizität der Szene ist beleidigend. Jeder weiß, dass es so nicht läuft. Und doch meinten die Macher, solch eine Bebilderung zeigen zu müssen. Damit aber beleidigen sie die Fantasie der Zuschauer und vernichten das Mysterium der Figur (wie stieg sie auf, wie hat sie die Menschen vereint usw. – das sind Fragen, die der Vorstellungskraft Nahrung geben).

Manchmal sind den Szenen eben anzusehen, dass sie nur in Filmen stattfinden können. Und dann fühlt sich auch der wohlwollendste Zuschauer beleidigt: Wollt ihr uns für dumm verkaufen?

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