Promo-Bild von ABC für MODERN FAMILY

Die zwanzigminutigen Prime-Time Comedy-Formate aus den USA stoßen auf sehr viel Gegenliebe. Auch bei mir.

Zur Zeit verschlinge ich MODERN FAMILY auf Netflix.

Ich finde, die Serie eignet sich hervorragend, um die Grundvoraussetzung für gelungene Comedy zu entdecken.

Was bringt uns vor dem Bildschirm zum Lachen? Beschränken wir uns auf diese herzliche Komödie – sie ist nicht zynisch, Menschenverachtung findet keinen Platz, sie ist politisch einigermaßen harmlos, die Witze zielen auf ein breites Publikum. MODERN FAMILY ist warm, herzlich, versöhnlich.

Die Serie zeichnen klare Prämissen aus, klar. Wichtiger sind die Figuren: Sie sind einzigartig. Sie sind das Herz und die Seele der Folgen. Und mehr noch: Es sind vor allem die Beziehungen der Figuren, die emotional und rational eindeutig sein müssen, damit sich uns Zuschauern ihr Innenleben öffnet.

Hier eine der drei miteinander verwebten Familien als Beispiel:

Phil würde alles geben, um dem Schwiegervater näher zu kommen, ihn auch einmal zu beeindrucken. Ähnlich wie Clair, seine Frau, sucht er auch die Zustimmung des Patriarchen. Phil selber ist kein Alpha-Mann, er ist der netteste, sanfteste Möchtegern-Zauberer und ein erfolgreicher Immobilienmakler. Seine emotionale Nähe zu den Frauen wird stets betont. Claire hingegen ist die dynamische Frau, die den Laden schmeißt. Streng im Auftreten, hingebungsvoll, im Gegensatz zur neuen Frau Gloria des Vaters zieht sie sich selten weiblich an.

Claire sorgt sich um die älteste Tochter, die in ihren Augen stets droht, auf die schiefe Bahn zu rutschen. Luke hingegen, der Sohn, ist an Oberflächlichkeit und Bildungsferne schwer zu unterschreiten, aber er sorgt für den Spaß in der Familie. Alex, die genial-ehrgeizige Schwester, ist der Nerd der Familie, die Realistin, die stets das Eigentliche in den Beziehungen, in der Schule, in der Liebe sucht. Natürlich stellt auch sie sich doof an, sonst wäre es keine Comedy.

Ich denke, worauf ich hinauswill, wird allein schon in der Konstellation dieser Figuren klar: Sie beziehen sich unmissverständlich aufeinander. Sie sind nicht beliebig gesetzt, sondern stecken einen Rahmen ab: Die hübsch-doofe Tochter, das graue aber verdammt schlaue Entlein, der sorgenlose Chaot. Der feminine (trotzdem Hetero!) Vater, die maskuline (trotzdem Hetero!) Mutter.

Die Eltern beziehen sich thematisch zu den anderen beiden Elternpaaren. Die Kinder stehen im thematischem Bezug zu den Cousins.

Das alles ist nicht beliebig, sondern genau vorbereitet. Dieser thematischer Zusammenhalt erst setzt den Rahmen, in dem Comedy funktionieren kann.

Im zweiten Schritt, in der Entwicklung der Episoden, wird dann sorgsam darauf geachtet, dass die Figuren mit ihren Zielen und Bedürfnissen stets dieselben bleiben. Nach dem bewältigten Konflikt erlangen sie neue Kenntnisse über sich und die Welt, aber sie bleiben von den Charakterzügen und der Figurenkonstellation her – gleich.

Die Prinzipien erfolgreicher TV-Comedy: thematisch aufeinander bezogene Figuren, eindeutig greifbare Problemstellungen, leicht nachvollziehbare und emotional besetzte Beziehungen – und Konstanz.

#comedy #schreibtipp #netflix

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