Der Tagesspiegel pflegt die Berliner Liste: Mini-Anekdoten aus dem Leben der Hauptstadt. Ich lese regelmäßig die Zusammenstellung an kleinen und kleinsten Beobachtungen und Begebenheiten.

In ihren besten Momenten dienen sie der Belustigung – und manchmal bringen sie mich zum Fremdschämen: nicht über die Menschen, die zitiert werden. Sondern über die Person, die die Auswahl und die Entscheidung getroffen hat, diese oder jene Begebenheit als erzählenswert einzustufen.

Folgendes habe ich bisher daraus gelernt:

Humor gründet oft auf unserer Bereitschaft, zum Komplizen des Helden zu werden.

Wir müssen wissen, was verhandelt, was verschwiegen, was angedeutet wird. Wir müssen die Situation schnell nachvollziehen können.

Etwas Entscheidendes fiel mir bei den Anekdoten auf, die mir die Schamröte ins Gesicht trieben: Sie waren so offensichtlich auf eine Pointe hin geschrieben, die Pointe so banal und langweilig, dass ich mich für die Person, die die Zusammenstellung veranlasst oder sogar selber geschrieben hat, schämen musste.

Ihr Scheitern als Erzähler ging mir nah.

Ich glaube, ich habe eine Garantie, einen Sine-qua-non, für eine Alltagssituation gefunden, die das Potential hat, auf humorvolle Art zu unterhalten.

Die Situation muss eine dritte Person involvieren. Ein zusätzlicher Beobachter, zum Beispiel ein zusätzlicher Kunde B in der Bäckerei, wenn sich Kunde 1 und Bäcker streiten.

Humor bedeutet, dass eine Situation distanziert beobachtet wird, Humor ist Ausdruck einer weiteren Perspektive, die sich einer gegebenen wie von selbst hinzufügt.

Sobald die zusätzliche Position in die „eigentliche“ Handlung eingeschrieben ist, erkennen wir als Alltagsbeobachter schneller und damit effektiver das Potential für Komik.

Deshalb: Lasst die Streitereien, Auseinandersetzungen, das Drama der Helden immer vor einer öffentlichen Kulisse oder zumindest vor einem Unbeteiligten stattfinden. Da verbirgt sich am ehesten das Potential, den nächsten großen Lacher zu finden.

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