Der Anwalt Falk schaut, wie Anwälte nun mal gucken (Promobild der Serie)

Beim Schreiben denken wir uns Geschichten aus, bauen Beat für Beat eine Abfolge an Momenten, die sich bestenfalls bedingen oder zumindest in Beziehung stehen. Das ist der eine Teil des Jobs.

Der andere ist aber auch, dass wir uns beim Schreiben überlegen müssen, ob eine Szene visuell funktioniert. Die Szene kann auf dem Papier originell, überraschend, spannend wirken, neugierig machen oder lustig sein. Jedoch scheitert sie schon als dramatische Einheit, wenn sie visuell nicht überzeugt.

Das beste Beispiel, wie man es nicht machen sollte, liefert mir gerade der Beginn der Serie FALK. Eine ARD-Serie, die gerade auch auf Netflix läuft.

Die erste Szene jeder Serie ist mitunter die bedeutsamste. Wir begegnen der Figur, der wir unsere Lebenszeit schenken sollen, zum ersten Mal. Die Figur soll uns mit ihrer Exzentrik, ihrem Genie, ihrem Humor, ihrem Charakter usw. umhauen.

Eine Serie hat viel mit Liebe auf den ersten Blick zu tun.

FALK beginnt mit der gleichnamigen Hauptfigur in einem Hotelzimmer beim Ankleiden. Dann bringt die Serie eine gute Minute Screentime dafür auf, dem Herren beim Grübeln und Knobeln zuzugucken: Er muss sich an eine Kombination erinnern und einen Aktenkoffer öffnen.

Das ist alles. Das klingt in der Nacherzählung ziemlich banal.

Und es sieht noch schlimmer aus.

Es langweilt.

Ich finde diese Szene paradigmatisch für ein gewisses Problem, das mir bei Drehbuchautoren im Gespräch oft begegnet: Eine Szene kann noch so toll konstruiert und „handwerklich schlüssig“ sein, sie muss zuerst visuell überzeugen.

Wie sieht die Szene als Film aus? Hier entscheidet nicht der Logos, die Ratio des Szenenaufbaus. Sondern der Geschmack des Autoren.

Viele Autoren legen auf diese Tatsache keinen Wert oder denken, die visuelle Attraktivität zu erzeugen sei Aufgabe des Regisseurs.

Irrtum. Die Aufgabe stellt sich zuerst dem Drehbuchautor.

Was kann man hier konkret machen? – Beim Drehbuch-Schreiben sollten wir uns klarmachen, dass das Buch zuerst nur eine Vorlage ist. Eine Anleitung für das Setzen von Licht, den Einsatz von Ton und das Aufstellen von Schauspielern.

Die Arbeit der Inszenierung fängt beim Schreiben an. Wir schreiben so lange an einer Szene herum, bis sie unser geistiges Auge fesselt. Erst dann ist die Szene wirklich gelungen.

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