Quentin Tarantinos Meisterwerk steht auf den ersten Blick im Zeichen seines Oeuvres: Der weiße Mann hat die Erlaubnis so cool zu sein wie der schwarze und Kinogeschichte (und Geschichten des Kinos) neu zu fabulieren.

Doch INGLORIOUS BASTERDS bietet mehr. Der Film stellt eine Behauptung auf und verteidigt sie mit allen Konsequenzen bis zum Ende: Wenn du ein Nazi bist, dann darf ich dich umbringen. Wenn du Menschen umbringst, weil dir ihre Herkunft nicht passt, dann gibt mir das das Recht, dich auszulöschen. Das ist die Ethik des Films. Brad Pitt bringt uns diesen Gedanken in mehr als nur einer Szene mit Nachdruck nah.

Und dann werden Szenen gezeigt, die es nie offen aussprechen, aber doch stets sagen: Aber Nazis sind doch auch Menschen – wie kannst du als Mensch so grausam sein? Ich denke hier z. B. an die King Kong Szene in der Bar, alle Szenen mit Daniel Brühl usw. Die Dichotomie des lebenswerten Lebens (gutes Leben, böses Leben) denken und als Prinzip befolgen – darf man das überhaupt?

Der Film serviert uns zum Glück nie die kanonisch gewordenen Szenen des Kriegsfilm-Genres: Der Feind wird dämonisiert, die Guten, unsere Soldaten, finden aber in einer Szene heraus, dass die Gegenseite auch menschliche Züge hat — natürlich nur so viel, dass man sie trotzdem guten Gewissens über den Haufen schießen kann.

Tarantino ist schlauer. Er denkt den Gedanken, Nazis müssen über den Haufen geschossen werden, ausschließlich im Medium, in dem er die Geschichte erzählt. Die Frage richtet sich ausschließlich ans Kino und an Film im Allgemeinen. Deshalb nimmt das Fabulieren überhand, der Film entfernt sich vom behaupteten So-ähnlich-ist-es-gewesen des Mainstream-Kinos (man siehe alle Historien-Filme) und umarmt den radikalsten Gedanken: So war es nicht, aber es hätte so sein sollen.

Das Kino bringt einen Imperativ in unsere Welt. In seinen Bildern und Tönen lässt sich die Welt neu denken.

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