Es ist immer noch Groundhog Day

Über „…und täglich grüßt das Murmeltier“ ist noch nicht alles gesagt. Auch wenn die Literatur dazu mittlerweile ganze Bücherschränke füllen mag. Jenseits der Filmmusik, die etwas in die Jahre gekommen ist, verteidigt der Film mit Bravour seinen Ruf als Klassiker.

Schauen wir uns kurz wesentliche Parameter an, die der Hauptfigur Phil Tiefe und Komplexität verleihen und die Erzählung strukturieren. Es fällt auf, wie meisterhaft die Wendepunkte um Phils Charakter aufgebaut sind und dadurch der Komödie die viel benötigte Tiefe schenken.

# die Frau: Phil sucht nach einer Frau, die Romanze ist der Motor, der die Verwandlung Phils vom Zyniker zum amerikanisch-idealistischen Good-Neighbor antreibt und greifbar macht. Sie ist das Medium, die Phils Charakter Form verleiht. Phil drängt es, eine Beziehung (egal welcher Art) zu Frauen einzugehen. So ist es nur nachvollziehbar und plausibel für die Figur, dass sie, als sie einmal begriffen hat, dass sie tun und lassen kann, was sie will, zuerst Sex sucht. Alles, was Phil tut, steht im Zeichen davon, eine Frau beeindrucken, aufreißen usw. zu können. Deshalb ist der Midpoint auch so schön gewählt: Phil erkennt, dass er, egal was er tut, um Rita zu beeindrucken, scheitert. Und Rita ist die Frau, die ihm am meisten gefällt. Die Folgen im zweiten Teil von Akt zwei sind entsprechend: Apathie, Niedergeschlagenheit und (- es ist immerhin ein Film -) Selbstmord.

# der erste Plot Point findet statt, als Phil plötzlich realisiert, dass er alles tun und lassen kann, was er mag. Ungewöhnlich gut ist die Verbindung der neuen Idee, die ihm dämmert, mit der Autoverfolgungsjagd. Hier kommen zwei Momente zusammen: Die Autojagd an sich, die für Freiheit und Ausbruch und Verachtung der gesellschaftlichen Zwänge und Autoritäten steht. Und eben Phil, wie er, quasi nach jedem knapp verhinderten Unfall, versteht, dass ihm alle Schranken offen stehen. Die Szene wird zum Sinnbild für seine inneren Prozesse — eine Metapher.

# der zweite Wendepunkt findet statt, als Phil dämmert, dass er sich ändern möchte — ohne damit unmittelbar kurzfristige Ziele zu verfolgen. Und der dritte Akt löst endlich die Prämisse ein: Wie ein Zyniker ein Mensch der Gesellschaft wird.

Und dank Bill Murrays Darstellung der Figur Phil wirkt es keinen Deut kitschig oder forciert.

Und wenn gute Schreibe, tolle Darsteller und eine gelungene Regieführung zusammentreffen, dann wird daraus der Stoff, aus dem Legenden sind.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s