Kino

My Big Fat Greek Wedding

Eine Rom-Com wie sie sein soll: Leicht, beschwingt, mit bedeutsamen Beziehungen und lebensverändernden Entscheidungen. Den Mix dieser Elemente hinzukriegen ist verdammt schwer. MY BIG FAT GREEK WEDDING gelingt es.

Ein paar Dinge, die mich bei diesem Vertreter des Genres überrascht haben:

* Ähnlich wie bei WHEN HARRY MET SALLY streckt sich die erzählte Zeit über einen längere Periode. Bei WHEN… sind es Jahre, hier sind es Monate. Die Entwicklung der Beziehung wird rasant erzählt, aber wirkt nicht überstürzt.

Ich habe mich gefragt, wie eine Einheit der Orte und Szenen gewährleistet wurde. Die griechische Familie ist ausufernd, so sind auch die Herzensangelegenheiten. Hier wird aber eine thematische und vor allem emotionale Einheitlichkeit durch den Konflikt erreicht, der die Szenen der Heldin Toula zusammenhält. Es ist die mal offene, mal heimliche Konfrontation mit dem Patriarchen der Familie, ihrem Vater.

Doch stellen sich der Heldin nicht die stereotypen Fragen, die so prominent in Filmen verhandelt werden: Ich versus Familie, eigene Entscheidungen versus Fremdbestimmung, eigenes Glück jenseits der Familie versus Erfüllung-Finden in Traditionen usw. Bei MY BIG… sind die Figuren so stark individualisiert, die Fronten durch familiäre Zuneigungen und Liebe so sehr zermürbt, dass die Konflikte nicht hart sondern einfühlsam ausgetragen werden. Beide Parteien reflektieren immer auch den Gegner und empfinden Mitleid. Die Kämpfe verlieren trotzdem nichts an Dringlichkeit oder Brisanz.

* Auffällig ist der Einsatz klar individualisierter Figuren, die zufällig wie Klamauk-Figuren wirken, aber spätestens am Ende des zweiten Aktes eine tragende Rolle für Plot und Thema spielen. Ich denke hier an den Bruder und an die Großmutter der Heldin, die eigentlich nur Side-Kicks sind, aber in dem Augenblick emotional für die Heldin wichtig werden, wenn sie am Boden ist.

* Ich denke, der Midpoint eines Films ist emotional und thematisch wichtiger als der erste Plot Point. Der Midpoint wäre ohne den ersten Wendepunkt nicht möglich, gewiss. Aber beim Midpoint erst wird Thema und das, was auf dem Spiel steht, erst richtig verhandelt. Bei MY BIG… ist es Toulas Entschluss, zu heiraten, sprich: das väterliche Heim zu verlassen. Der Midpoint beim Plot ist bedeutsamer als der erste Wendepunkt, der die Komplikationen erst auf den Weg bringt (hier das Meet-and-Court einer Rom-Com).

* Und zuletzt: Der Film weist die typische Kamerafahrt auf, an die ich mich als Kind so gewöhnt hatte, aber die die heutigen Filme gänzlich missen lassen. Ich rede von dem eleganten Establishing Shot, der bei immobilen Dingen beginnt und bei einer Figur endet, am besten in Studio-Innenaufnahmen. Eine Einleitung der Szene. Das langsame Ausfalten des filmischen Raumes auf einen Beginn hin (die Einführung einer menschlichen Gestalt, die schläft, schreibt usw.) ruft bei mir große Nostalgie-Effekte hervor. Over-used kann man diese Art von Establishing Shots auch nennen, klar, aber mir sind sie ans Herz gewachsen.

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