Serie

Bodyguard

Großartiger Einstieg, schwaches bis lächerliches Ende. Die Netflix-Serie BODYGUARD überwältigte mich mit Tempo und ihrer Konzentration auf die Persönlichkeit des Bodyguards.

Die britische Serie und der amerikanische Film BODYGUARD mit Kevin Kostner weisen mehrere Gemeinsamkeiten auf. Ich denke, man kann durchaus von einer Geeignetheit von Leibwächtern für ganz bestimmte Story-Tropen sprechen. Manche Erzählmuster drängen sich einfach auf, wenn man eine faszinierende und den Zuschauer ansprechende Leibwächter-Figur schaffen möchte.

Mir sind folgende Gemeinsamkeiten aufgefallen:

* Der Bodyguard agiert professionell, ist jedoch widerwillig, die Schutzbefohlene zu schützen.

* Auch ist ein wesentlicher Wendepunkt der Geschichte, dass der Bodyguard begreift, dass der ehemaliger Kollege sein Widersacher ist. Der Feind lauert in den eigenen Reihen.

* Der Bodyguard beschützt eine attraktive Frau, die nie eine Opferrolle annimmt und auch sich weigert, mit einer Bedrohung zu leben. Die Frau ist auf ihre Art eine starke Persönlichkeit, ist höchst erfolgreich im Beruf und aktiv in der Auswahl ihrer Lover und Gestaltung ihres Sexlebens.

* Die amourösen Verstrickungen mit der Schutzbefohlenen nehmen wesentlichen Raum ein und gehen sogar so weit, den Bodyguard in seiner Persönlichkeit zu erschüttern. Auch die Schutzbefohlene kann sich den neuen Gefühlen nicht entziehen.

* Der gemeinsame Sex vollzieht sich im ersten Drittel der Geschichte. Die Auflösung der Beziehung erfolgt zeitlich unmittelbar darauf.

Fazit: Die Figur des Bodyguards ist umso interessanter, je professioneller sie beim Arbeiten auftritt. Der Bodyguard, auch wenn Film und Serie nach einer Job-Beschreibung betitelt werden, lebt wie jede großartige cineastische Filmfigur von einer Beziehung zu einer anderen Figur, die ihr emotional nahe geht – hier ist es die Beziehung zu einer Schutzbefohlenen, die eigentlich nicht geschützt werden möchte.

+++SPOILER+++

Der Fehler der Serie BODYGUARD ist, dass die Schutzbefohlene zum Midpoint der Serie stirbt. Ihr Ableben hinterlässt in den verbleibenden Folgen eine wahnsinnig große Lücke. Geschlossen wird sie durch Action und Ermittlungsdruck. Das gelingt oft, aber nicht durchgehend. Das Happy-End scheitert und fühlt sich aufgesetzt an. Julia taucht in den letzten drei Folgen einfach nicht mehr auf. Ihr Fehlen zerstört das Versprechen, das in der ersten Folge dem Zuschauer gemacht wurde. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum sich das Ende so aufgesetzt und falsch anfühlt.

Abschließend:Es wäre großartig, wenn sich das Bodyguard-Genre mit dem Spuk-Genre kreuzen könnte. Die Schutzbefohlene kehrt wieder als Geist, der den Bodyguard heimsucht. Kurz: VERTIGO – und James Stewart spielt den Bodyguard. 🙂

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2 Gedanken zu “Bodyguard

  1. Schöner Gedanke, die Serie mit dem Film zu vergleichen. Für mich hat die Serie oft zwischendurch Tempo verloren, das hat mich gestört. Und insgesamt hatte ich das Gefühl, all das in anderen Formaten schon besser gesehen zu haben.

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