Serie

Migranten-Issues beim Film

Eine Anmerkung, die ich mir erlauben möchte bzg. Migranten in deutschen Erzählungen.

Wenn eine Minderheit mit bestimmten Eigenschaften dargestellt wird (dabei kann die Person gerne individualisiert sein, sprich: keine Karikatur), wäre es sehr empfehlenswert, Gegenmodelle innerhalb der Erzählung zu entwerfen. Wenn es nur einen Türken in der Erzählung gibt, und diese Figur ist böse, hasst Kurden usw. dann kann hier durchaus der Vorwurf berechtigt sein, dass man eine Minderheit oder Ethnie falsch darstellt. Der gute Wille des Autors ist nur halb so relevant für die Beurteilung des Stoffes.

Gegenmodelle können mit ihren Werten im direkten Gegensatz zu der bösen Minderheiten-Figur stehen. Oder aber sie sind einfach in der Story da, als Zeichen dafür, dass es auch anders geht.

Beispiele aus deutschen Serien: 4 BLOCKS oder IM ANGESICHT DES VERBRECHENS.

Hier entsteht der klassische Fehler, dass alle (wirklich, alle!) Migranten und Ausländer, die man zu sehen bekommt, Kriminelle sind. Eine unheimliche Engführung von Migration und Kriminalität ist die Konsequenz. Dies wird nicht explizit thematisiert, aber als Zuschauer nimmt man mit: Vorsicht bei Ausländern, besonders Russen, Arabern, Türken, die stehen alle der Kriminalität nahe, kommen aus dem Milieu oder sind gleich Schwerverbrecher.

Wie kann man diesem für Zuschauer oft unbewussten Eindruck entgegenwirken? — Man zeigt Migranten in Rollen, die oft von weißen Männern und Frauen gespielt werden. Migrant-Sein wird so zur Alltäglichkeit, keine Auffälligkeit und kein Differenzierungsmerkmal.

Die Aussage: „Es gibt auch gute Ausländer“ bestätigt eigentlich nur den Spruch: „Alle Ausländer sind Kriminelle (oder dumm, oder ungebildet oder böse usw.)“. Diese Differenz darf nicht in den (filmischen oder literarischen) Diskurs eingeschrieben sein. Das ist wichtig, in Deutschland aber gar nicht so einfach.

Wie machen es die USA, die in der Hinsicht „weiter“ sind? — Da gibt es den schwarzen Hacker, den Latino-Cop usw. Das meiste davon ist ein Klischee, eine gesellschaftliche Fiktion. So viele schwarze Anwälte oder Hacker, wie sie in Serien gezeigt werden, gibt es natürlich nicht. Und die Zuschauer wissen das. Aber trotzdem ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Anderssein fällt weniger auf, wenn in den Büros der Serien automatisch immer auch Anders-Aussehende am Tisch sitzen. Die USA hat mit dieser Casting-Politik früh begonnen — da gab es dann natürlich etliche Verfehlungen: z. B. der Afro-Amerikaner in Slasher-Filmen, warum muss er immer sterben? Auch aus diesen Fehlern lernt die Filmwirtschaft und es gibt einen Diskurs, wie Minderheiten gezeigt werden sollen.

Wie eine Minderheit gezeigt werden soll, ist also weniger eine Frage, die man an den Inhalt stellt, sondern eher eine „politische Entscheidung“. In der Art und Weise, wie man eine Figur zur Erscheinung bringen möchte, trifft man eine Aussage über die Gruppe, der die Figur zugehört. Das ist leider immer so, ein Automatismus, dem man nur schwer entrinnen kann. Die Farbe des Hintergrunds all dieser Entscheidungen ist: weiß (und männlich), das ist nun einmal auch heute noch die Norm.

Und es kann sein, dass das Verfolgen der „politische Entscheidung“ die Gefahr birgt, keine sonderlich „realistischen“ oder milieu-getreuen Resultate zu zeitigen. Das stimmt vollkommen. Die Frage ist, ob man das schlimm findet. Oder nicht. (Ich finde es nicht schlimm.)

Es tut sich etwas, auch in Deutschland.

Denn der zweite Schritt in die richtige Richtung: Migranten-Themen, Frauen-Themen usw. sollten am besten auch von Migranten, Frauen usw. geschrieben werden. Da fallen dann schnell solche behelfsmäßig errichteten Rollenmuster ganz weg. Und der dritte Schritt: Vertreter der Minderheiten schreiben auch den Mainstream-Stoff und nach und nach entstehen neue Erzählungen mit alten Inhalten, bis vielleicht mal die Unterscheidung in Fremd-Ursprünglich oder Minderheit-Mehrheit nicht mehr so relevant geworden ist….

Mal schauen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s