Kino

Über Männer und Frauen – TRUE LIES

Einer der Filme, die mir als Kind große Freude bereitet haben. Nach langer Zeit habe ich ihn endlich wiedergesehen — und, heute wie damals, kann ich mit Überzeugung sagen: TRUE LIES ist meisterhaft gefilmt, inszeniert und gespielt!

Nein, wirklich!

James Camerons Stil in der Inszenierung der Action macht sich sofort bemerkbar: Sein es die Vorder- vs Hintergrund-Action, die man in zahlreichen Cut-Away-Shots erlebt (Mann rennt im Vordergrund, Hubschrauber fällt brennend auf den Boden), die „Schnitt in der Kamerabewegung“-Inszenierung (der establishing shot zeigt das Set und eine Figur, die mit dem Rücken zur Kamera aber im Vordergrund steht, die Figur dreht sich als Höhepunkt der Einstellung um, entdeckt uns ihr Gesicht), die Verfolgungsjagd in der Stadt im Kaufhaus, die auch aus dem Film TERMINATOR stammen könnte (Mann fliegt durch Schaufenster auf die Straße, der Wechsel zwischen Straßen-Szenen und Innen-Aufnahmen, Parallelmontage in der Stadt)  — und Arnold Schwarzenegger natürlich.

James Cameron weiß, wie man seinen Star inszeniert. Nicht als Schauspieler jedenfalls, sondern als Ikone, als einen Brocken an Mann, der schauen kann, und verdammt teuflisch schaut, wenn er entschlossen ist. Nicht wie ihn (der meistens geniale) John McTiernan in THE LAST ACTION HERO inszeniert hat — als flirtenden Cop: Das führte nämlich eher zu peinlichen Lachern, da Schwarzenegger mit seiner Persona und seiner Figur nur schwer einen Charmeur und Schönling überzeugend darstellen kann. Hier „widerfährt“ dem Zuschauer Arnold Schwarzenegger als eine Version von James Bond: mit Muskeln aber ohne die kleinsten Ladies-Man-Ambitionen. Schlimmstenfalls tanzt er Tango mit der bösen Frau, das kauft man ihm zum Glück auch ab.

Eine weitere große Stärke des Films — das geniale Moment, das den Film aus der Masse an überzogenen Action-Filmen heraushebt — ist die Betonung des Action-Genres im Gegensatz zum Comedy-Genre. Schwarzenegger ist in den 90ern in beiden Genres zu Hause. Leicht hätte dieser äußerst unrealistische Stoff (ein modernes Geheimdienst-Büro mitten in der Stadt, die Mitarbeiter leben so geheim, selbst die Ehepartner wissen nichts von ihrer eigentlichen Existenz, eine in Kampfhandlungen unerfahrene Ehefrau wird am Ende des Films zur Top-Agentin, ein amerikanischer Geheimagent, der mehrere Sprachen spricht, alle Waffensysteme der Welt kennt, kann auch Kampfjets fliegen, Kugeln fliegen immer an ihm vorbei, er hat nie eine Schramme usw.) eine gute Komödie abgegeben. Und viele Filme gehen auch in diese Richtung, man denke an die Spionage-Filme mit berühmten Comedians in der Hauptrolle: GET SMART mit Steve Carell, SPY mit Melissa McCarthy usw. So aber nicht James Cameron, der in seinen Filmen das Ernste im Vordergrund sehen möchte. Und sich selbst auch lieber zu ernst nimmt — seine Oscar-Rede zu TITANIC ist das beste Beispiel hierzu.

Wie aber wird das Action-Haltige in TRUE LIES betont? — Durch die Art und Weise der Darstellung der Figuren natürlich. Die Figuren werden ernst porträtiert, ihre Sorgen sind psychologisch komplex ausgearbeitet und dargestellt. Da vergeht einem oft der Witz.

Wiedergefunden wird er, der Witz, in vielen Cut-Away-Shots zur Action (inkompetente Bösewichte) und den Sidekick-Charakteren, die Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis, die wieder einmal grandios komisch und einfühlsam ernst spielen kann, flankieren.

TRUE LIES sollte jeder Action-Fan gesehen haben!

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