Kino

Der Präsident ruft lieber selber an

THE AMERICAN PRESIDENT wirkt heute herrlich veraltet: Ein Witwer (und: Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika) verliebt sich in eine Umweltaktivistin – natürlich zum schlechtesten Zeitpunkt für seine Präsidentenschaft: Wahlen stehen bevor, die Gegenseite hetzt gegen seine Person und hat damit Erfolg, er aber hält against all odds an der Liebe fest.

Eine romantische Komödie, wenn man so will. Schließlich führt jemand Regie, der auch für WHEN HARRY MET SALLY verantwortlich zeichnet: Rob Reiner. Die Märchen-Erzählung in einem Schloss namens The White House wird heute so sehr von der aktuellen amerikanischen Politik und den größeren Debatten (#MeToo) erdrückt – ich kann mich gar nicht auf die Geschichte und die Figuren konzentrieren. Trump, inhaltsleerer amerikanischer Pathos, Belästigung am Arbeitsplatz, Machtgefälle zwischen Frau und Mann am Arbeitsplatz drängen am Material so stark in den Vordergrund, sie zerbrechen den Spaß, den dieser harmlose und gutgemeinte Film den Zuschauern bieten möchte.

Und etwas anderes fällt auf: Der Film führt Romantik und Arbeitsleben zusammen – so wie es sich für eine romantische Komödie gehört. Und besser: Fortschritt in der einen Welt (das erste Date, der erste Kuss etc.) bedeutet Rückschritt für die andere. Fortschritt und Erfolg in der einen Welt kosten etwas in der anderen. Schöne Dilemma-Konfiguration.

 

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