Kino

Spielberg sollte ins Fernsehen – DIE VERLEGERIN

THE POST wie auch BRIDGE OF SPIES beeindrucken als moralisierende Filme: Sie weisen eine Helden-Moral auf, die heute besonders den Vereinigten Staaten verlorengegangen zu sein scheint.

Der Kampf mit der öffentlichen Moral (im Sinne eines öffentlichen Wertesystems, das gesellschaftliche Strukturen prägt) gehört ins Melodrama. Helden und Heldinnen, die an der gängigen Moral verzweifeln, bieten die optimale Projektionsfläche für unser Mitleid. Der Film muss durch Opulenz in der Ausstattung und einem entsprechenden Arsenal von leidenden Figuren (geweint wird viel und irgendwann hat jede der Figuren nasse Augen) das richtige Verhältnis zwischen Pathos der Gefühle und kalt berechnend voranschreitender Handlung treffen.

LINCOLN, BRIDGE OF SPIES tun dies auf eine hervorragende Weise, THE POST fällt leider in der Handlung ziemlich flach. Der Grund: die vielseits beschworene Fallhöhe der Figuren ist gerade einmal kniehoch. Das nimmt aber der ganzen Handlung, die sich ums Schreiben und Veröffentlichen dreht, alle Stoßkraft. Verzweifelt wird versucht, die Heldin als Heldin für und der Frauen zu zeigen. Auch das schlägt fehl. Warum?

Weil die Welt, die gezeigt wird, die Welt der Superreichen und Supermächtigen ist, Menschen, die keinen Bezug mehr zum einfachsten Leben haben.

Die Eingangsszene versucht diesen Riss in der Zuschauerwahrnehmung notdürftig zu kitten: Der Reporter, der die Papers in Umlauf bringt, wird in den vietnamesischen Djungel geschickt. Der Platzregen gehört ebenso dazu wie die Nacht und der Überraschungsangriff der Viet-Kong. Durch das Senden des Schreibenden, den das Schreiben nichts kostet (am wenigsten das Leben), in Lebensgefahr, versucht der Film zu zeigen, dass Schreiben durchaus etwas kosten kann: Integrität, Menschenrechte und durchaus das eigene Leben.

Okay, der Punkt ist verständlich. Nur schlägt diese Absicht fehl angesichts der High-Society-Welt, die hemdsärmelig publiziert, und zwar in Designer-Hemden. Auch verhaspelt Kay Graham (der Verlegerin) ihre eigene Charakter-Entwicklung auf dem Höhepunkt des Films.

Am Ende werde ich den Eindruck nicht los, dass BRIDGE OF SPIES wie auch THE POST (DIE VERLEGERIN) beide mit ihrem jeweiligen Handlungsbogen auch preiswerte Fernsehfilme hätten sein können. Man hätte auf das Spielbergische Pathos des Melodramas dann aus Budget-Gründen verzichten müssen. Aber wären es dann wirklich schlechtere Filme? – BRIDGE OF SPIES und THE POST sind beide von der Story, um es freundlich zu sagen, nicht sehr sättigend.

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