Kino

MR DEEDS GOES TO TOWN

Ein einfacher, redlicher Mann geht in die Stadt der Zyniker und Halsabschneider – hört sich altbacken an, überrascht aber mit einer unglaublich guten Regie-Arbeit und einem ganz guten Drehbuch auch heute noch. Die Rede ist von Frank Capras Klassiker MR. DEEDS GOES TO TOWN.

Robert Riskins Drehbuch verwendet ein paar schöne Kniffe, die ich hier kurz nennen will. Beim Ausarbeiten der Szenen, nach und trotz allem, sollte stets der Zuschauer, genauer: die Aufmerksamkeit und Verfassung des Zuschauers an einem bestimmten Punkt der Handlung, beachtet werden.

Das machen Riskin und Capra auf geniale Weise:

Ich denke hier beispielsweise an die Szenen, in denen Soundgeräusche direkt in die Handlung eingewebt werden. Sie werden von der Handlung aufgenommen, zugleich sind sie der Diegese externe Geräusche, sie kommentieren die Handlung. Hier zwei Beispiele aus dem Film:

  1. Die Tuba-Szene: Der Anwalt uns seine Gehilfen suchen den Erben, überbringen die Nachricht vom Tod seines Onkels, aber die erwartete Reaktion bleibt aus, auch nach dem zehnten Versuch, dem Erben eine gewöhnliche, erwartbare Reaktion zu entlocken. Stattdessen bläßt der stoische Erbe in seine liebe Tuba – Buäm, Buäm. Zeichentrickfilme-Gucker kennen den Sound: Er wird immer dann gespielt, wenn der Hase, die Ente oder der tasmanische Wolf an einer Aufgabe scheitern, die Segel streichen müssen. So auch hier.
  2. Andere Szene: Beim Geschäftsmeeting erwarten alte, weiße Männer von unserem attraktiven, hochgewachsenen Star, das er sich naiv ihrem Urteil fügen solle. Tut er aber nicht. Über das betretene Schweigen, das das Zerplatzen ihrer Selbstherrlichkeit greifbar macht, legen sich die Sirenen einer vorbeifahrenden Feuerwehr – aber so, dass der Sirenen-Laut auch als tiefer Enttäuschungsseufzer gehört werden kann. Danach rennt der große Mann wie ein kleines Kind zu Fenster und schaut der vorbeirasenden Feuerwehr hinterher.

In zwei Szenen demonstrieren uns die Macher, wie man mithilfe der Umgebungsgeräusche und konkreten Dingen in der Szene eine Kommentarebene öffnen kann. Eine Kommentarebene, die die Absichten und Motive der Figuren begreiflich macht, ohne sich aufzudrängen, die Handlung zum Stillstand zu verdonnern. Nicht alles, was kommentiert, ist gleich meta.

Was kann diese Kommentarebene leisten, warum ist dies ein Vorteil? – Ganz einfach: Es gibt auf der Welt noch metaphern-verrückte Zuschauer (wie mich), die das Erkennen und Deuten solcher Momente lieben, und erhöht den Reiz beim Zuschauen, macht den Film intelligent.

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