HEAT – das Heist-Crime Genre

HEAT gehört dem Crime-Genre an. Das Crime-Genre ist nicht mit Gangster-Filmen zu verwechseln. Es tauchen professionelle Räuber auf, eine Form von organisierter Kriminalität durchdringt diese Welt. Die Verbrecher stammen aber nicht aus mafiösen Strukturen, es gibt keine Paten, und wenn, dann geht es nicht um den Paten, sondern um die Räuber. GOODFELLAS ist kein Heist-Film, es ist ein Gangster-Film, ein Mafia-Film.

Bei OCEAN’S ELEVEN passieren auch viele Verbrechen. Aber OCEAN’S ELEVEN ist kein Crime-Film. Hätte Walt Disney jemals einen Crime-Film geschrieben, so etwas wie die Abenteuer von Danny und seinen zehn Kollegen wäre das Ergebnis. Das Genre heißt: Heist. Das Herz des Heist-Genres schlägt für den perfekten Coup, für den perfekt ausgedachten und durchgeführten Raub, ohne eine Waffe zu benutzen. Beispiele sind zahlreich, sie alle vereinen lebenskluge, smarte, manchmal auch coole Betrüger, die einem Ehrenkodex folgen und böse Leute übers Ohr hauen. Der Gewalt bedarf es hier selten, eigentlich nie.

HEATs Liebe zu den detaillierten Raubüberfällen entstammt dem Heist-Genre. Deshalb bin ich geneigt, das Genre Crime-Heist zu nennen: Raubüberfälle und die Räuber stehen im Mittelpunkt. Hier gibt es ein ganzes Regelset, das durch Werke der Literatur und des Kinos aufgebaut wurden.

Etabliert sind diese Regeln unter anderem von den Autoren Richard Stark, Elmore Leonard (Crime-Novels), aber auch durch die Gangster-Noir-Filme des Klassischen Kinos der vierziger und fünfziger Jahre. Auch europäische Filmemacher Stanley Kubrick mit THE KILLING oder wie Jean-Pierre Melville oder François Truffaut mit LE DEUXIÈME SOUFFLE und TIREZ SUR LE PIANISTE haben Filme gedreht, der die Regeln des Crime-Heist-Films respektieren und neu interpretieren.

Angefangen aber hat dieses Genre vermutlich mit der Urbanisierung der Moderne, mit dem Aufkommen der Großstädte und mit der seelischen Entfremdung, die das Subjekt angesichts der voranschreitenden Industrialisierung und Automatisierung heimsuchte, – das heißt: mit den ersten Spielfilmen. Das beste Beispiel dafür: M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER von 1931.

Die Großstadt wird bei Fritz Lang kartografiert und in Gebiete eingeteilt. Diese mühselige Arbeit verrichten die Mitglieder der Unterwelt, der Welt, die parallel zu der Stadt exisitert und für 9-to-5-Arbeiter nicht in Erscheinung tritt. Bei M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER findet sich zum ersten Mal der Gedanke (ganz prominent für die Filmgeschichte), dass die Räuber, Bettler, Schmuggler, Fälscher, etc. organisiert sein könnten. Nicht im Sinne einer Mafia mit Paten und Familien-Hierarchien, sondern als Business und mit Business-Regeln und -Gepflogenheiten.

Diese Art von durchorganisierter Kriminalität gründet alle Crime-Heist-Filme und auch HEAT.

Fortsetzung folgt.

 

 

 

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