MINDHUNTER

Eine pragmatische Entscheidung löst die Konfrontation mit dem Bösen aus: Mörder sollen analysiert, eine Taxinomie soll gewonnen und der Wissenschaft dienbar gemacht werden. So langweilig das für eine fiktionale Serie klingen mag (das Was), so brilliant ist die Umsetzung (das Wie) bei der Netflix-Serie MINDHUNTER.

MINDHUNTER hat mich gepackt. Es geht um das Böse in der Gestalt von Serien-Mödern. Doch steht die Serie in keinem Augenblick im Dienst des Bösen: Sie nutzt weder Detailaufnahmen (wie in Splatter-Filmen), die sich an entstellten Körpern weiden, noch forciert sie das Grauen (wie durch einen bedrohlichen Soundtrack, Spannungssteigerung durch rasche Opferbefreiung seitens der Ermittler usw). Fast dachte ich, die Serie sei nachlässig, da sie so konsequent jeglicher Faszinationskraft, die das Böse auf die „normalen“ Menschen haben kann, abschwört. Die Serie ist natürlich nicht nachlässig, ganz im Gegenteil: Auf geniale Art zieht sie uns in die Welt der Psycho- und Soziopathen hinein.

Das Böse ist menschlich, es dringt in unsere Welt ein, und die Ermittler suchen nach den Gründen, nach den Ursachen, wann Menschen dem Verlangen nach Mord erliegen. Das Böse ist nicht biblisch, es ist keine Plage, es stammt aus der Hand der Menschen, aus vernichtend-abwertenden, asymmetrischen Beziehungen, oft zwischen Eltern und Kind, aus Missständen, mit denen einzelne nicht umgehen können, Situationen, die das Individuum gebrochen zurück ließen.

Die Ermittler ermitteln, in diesem Fall: indem sie Gespräche führen. Ihre Analyse-Tätigkeit fußt auf dem Einsammeln von Wissen, sie fragen die Mörder aus. Doch können sie sich das Wissen, das ihnen die Mörder geben, nicht objektiv aneignen, das Gesagte (der Geist der Mörder, ihre Seelenzustände) dringt ihnen unter die Haut, die Ermittler schleppen das Grauen, dessen sie in Gefängnisanstalten Zeuge werden,  in ihre Mietwagen, schleppen das Gehörte in die Geborgenheit der Familie.

Wie geht man als Ermittler mit dieser Last um? – Jede Figur entwickelt andere Lösungsansätze. Und wie so oft bei Serien: Wie die jeweiligen Figuren mit etwas umgehen, gründet die Stärke der entworfenen Welt.

In unserer Podcast-Folge im Dezember gehen wir näher auf MINDHUNTER ein. Bis dahin –  hört gerne schon einmal die anderen Folgen.

 

 

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4 Kommentare zu „MINDHUNTER

      1. Absolut! Ich bin noch nicht ganz durch, bin aber nachhaltig beeindruckt von dem Gesamtpaket. Auch die Auswahl der Schauspieler ist top. Die „Knastbrüder“ sehen teilweise den echten Mördern zum Verwechseln ähnlich!

      2. ah, gut zu wissen, eine ähnlichkeit ist also da. ja, ich bin auch noch nicht ganz durch, mir fehlen noch 2 folgen. die drei hauptfiguren mag ich mittlerweile sehr, weiß gar nicht, wie ich da bei staffelende abschied nehmen soll :-))

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