BERLIN SYNDROM

Viele Ex-Patriats, viele Zugezogene nach Berlin, beschreiben ihr Verweilen in dieser Stadt als eine Form des Sich-Verliebens und der Gefangenschaft: Die Stadt lässt sie nicht mehr los. BERLIN SYNDROM nimmt das wörtlich: Was, wenn Dich diese Stadt, ursprünglich einmal: deine große Liebe, nicht mehr gehen lässt?

Diese Idee muss natürlich sichtbar und darstellungstechnisch fassbar aufbereitet werden. Eine Romanze, die zum Höllentrip wird, kommt hier gelegen, um gleichzeitig auf die Faszination, die Anziehungskraft aber auch die Gefahren der Stadt sinnbildhaft anzuspielen.

Unabhängig, was man vom Film hält – ich hielt leider nicht so viel -, ist doch der Beginn der Romanze ganz wunderbar. In nur vier Szenen sind wir als Zuschauer auf das, was kommen wird, vorbereitet und „eingestellt“: Die Frau kommt in einer fremden Stadt an, fühlt sich einsam, sehnt sich nach einem Mann, lernt ein tolles Exemplar kennen. Nur in RomComs nimmt so etwas ein Gutes Ende.

Die Szenen sind wie folgt:

  • Ankunft am Kotti, alleine
  • Partynacht mit anderen jungen Menschen, es stellt sich erst bei Morgendämmerung heraus, dass die vier Menschen zwei Paare sind; ihr prüfender Blick, als sie die Paare Hand in Hand sieht – großartig entblößtes Verlangen: Sehnsucht nach dem, was hätte sein können
  • der Umgang mit ihrem eigenen Körper: im Hostel zieht sie sich umständlich mit Handtuch bedeckt an, wohingegen sich eine Zimmernachbarin nackt im Raum aufhält – der Kontrast im Umgang mit der eigenen Scham, im selben Bild eingefangen, ist augenfällig
  • Einkaufen in der Oranienstraße: sie blättert in Kunstbüchern, die Paare beim Sex zeigen; der Zeichenstil – mobide – nimmt den Charakter der Romanze vorweg

An der nächsten Ampel begegnet sie schon ihrem Traummann.

 

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