THE MIST – das Buch und die Verfilmung

THE MIST inspiriert sich an Stephen Kings Buchvorlage, geht aber einen Schritt weiter, nämlich einen Schritt aus dem besagten Nebel hinaus. ***MAJOR SPOILER*** Das Setting, die Handlung, die Figuren und der Kernkonflikt bleiben gewahrt, aber das Thema, der emotionale Kern der Geschichte, wird dadurch arg beeinträchtigt.

Anders als z. B. im Horror-Genre geht es bei Stephen King vor allem um die Zukunft der Menschheit, ganz konkret: um die Zukunft der Kinder angesichts des Grauens. Bei DAWN OF THE DEAD z. B. ist der Konsum das Horrorszenario schlechthin. Hier aber ist die Apokalypse über eine amerikanische Kleinstadt hereingebrochen (wie so üblich) und die Menschen, kleine Konsumenten in einem Supermarkt, versuchen zu überleben. David Drayton und sein Sohn Billy gehören auch zu den rund achtzig Einkäufern, die sich plötzlich einer Monsterschar gegenüber finden.

Stephen King verweigert David Drayton, Ich-Erzähler und Protagonist, den Status eines Anführers, auch wenn er heldenhafte Taten vollbringt. David Drayton wird vielmehr als Bewahrer charakterisiert. Er ist nämlich Vater und sein Hauptanliegen ist, seinen Sohn zu beschützen. Und seine Funktion als Beschützer wird auch früh eingeführt: Er weist seinen Sohn wiederholt an, auf frei liegende Elektrodrähte zu achten, kümmert sich um ihn im Supermarkt usw.

Als Metapher werden die künstlerischen Ambitionen Draytons bei ca. zwei Drittel des Buches eingeführt: Er hat die Laufbahn als Künstler aufgegeben und ist Kommerzmaler geworden, durchaus erfolgreich. Den Verzicht auf das Künstlerische setzt King mit einem „Sterben der inneren kindlichen Stimme“ gleich. Die Figur weiß also, was auf dem Spiel steht, nicht nur als Vater, wenn ein Kind stirbt, sondern auch auf der metaphorischen Ebene: Der Verlust eines Kindes bedeutet Hoffnungslosigkeit, Verlust von Zukunft, Ende der Menschheit.

Deshalb nur folgerichtig: Die Monster draußen im Nebel vor dem Supermarkt sind nicht halb so grauenerregend und fürchterlich wie Mrs. Carmody und ihre Gemeinde, die Gott Kinder als Opfergabe darbringen wollen. Deshalb sucht David Drayton sein Heil lieber draußen im Nebel des Grauens als im Supermarkt. Das Kind muss überleben, koste es, was es wolle.

Im Film aber entschließen sich die vier Überlebenden nach ihrer Flucht aus dem Supermarkt im Auto Selbstmord zu begehen – dieses Ende verrät leider alles, was Stephen King mühsam aufgebaut hat. Niemals hätte Drayton in Stephen Kings Version dieser Entscheidung zustimmen können. Diese Entscheidung verrät die väterliche Figur und missbilligt die gesamte Metphorik, die die Erzählung mühsam in Szene setzt.

 

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