The Incredible Jessica James

Die Schauspielerin Jessica Williams ist den Kritikern bekannt, sie ist einer der Sterne, die bald am Himmel der Film- und Hollywoodgrößen leuchten werden. Ihre Darstellung ist pointiert, sie selbst wirkt jung und frisch und doch erfahren genug, dass sie uns eine Pointe auch durch Schweigen sinnlich fühlen lässt. Im Netflix-Film THE INCREDIBLE JESSICA JAMES macht sie von all ihren Talenten Gebrauch, der Rhythmus der Gags und Pointen scheint ihrem Körper eingeschrieben. Es liegt also nicht an ihr, dass der Film enttäuscht. Sondern am Plot, an den aufgeworfenen Fragen, die der Film beantworten will.

THE INCREDIBLE JESSICA JAMES begeht einen Fehler, der sich nur Rom-Coms auftut. Es bewährt sich, Filme um eine Hauptfigur zu gestalten: Die Erfahrung, die der Zuschauer über neunzig Minuten macht, befriedigt ihn, gibt ihm ein „rundes“ Erlebnis, wenn die Handlung auch stringent und glaubwürdig um die Figur herum geplottet ist. Im Genre der romantischen Komödie aber ist es dringend wichtig, die Handlung nicht ausschließlich um die Figur zu gestalten.

Bei BESSER GEHT ES NICHT (AS GOOD AS IT GETS) geht es natürlich um Melvin Udall, seine Neurosen und wie er es, zumindest ansatzweise, schafft, sich für seine Liebe zu öffnen und zu ändern. Aber es geht auch um einen kranken Jungen, der durch Udalls Vermittlung geheilt wird, um einen Künstler, der eine große Sinnkrise durchmacht, die ihn auch finanziell belastet – Udalls Sprung über den eigenen Schatten beflügelt den Künstler und löst seine Sinnkrise. Es geht nicht nur um Udall, es geht um die Gemeinschaft und das Miteinander, die Menschen, die er berührt, und, ganz wichtig, es geht dabei um die große Liebe und die Bedingung ihrer Möglichkeit. Ähnlich steht bei WHEN HARRY MET SALLY nicht die große Liebe alleine auf der Bühne, sondern es wird verhandelt und diskutiert, was die Liebe der beiden für die Freundschaft und die Freundschaft für die Liebe bedeutet – große Themen, die in kleinstem Rahmen behandelt werden.

THE INCREDIBLE JESSICA JAMES konzentriert sich ganz auf die Hauptdarstellerin, auf ihre emotionale Reise, ihren Lernprozess. Selbst die Szenen mit den Kindern, die sie Theater lehrt, bebildern nur als Metapher ihre eigenen Probleme. So kippt der Film und wird schal, man fühlt sich, als hätte man zu schnell zu viel Süßes gegessen. Denn Liebesschmerz alleine wirkt leider, neunzig Minuten lang erzählt, trivial. Der Falle der Trivialität kann der Film leider nicht ausweichen.

 

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