The Kickboxer

Jean Claude Van Damme zieht alle Register als Schauspieler. Das ist nicht sein erster Film, bestimmt aber der Lieblingsfilm einer ganzen Generation, Jungs ausschließlich, die durch seine Filme ihre Liebe zu B-Pictures im Speziellen und in seinen Filmen Erwiderung ihrer Liebe zum Kino gefunden haben. Ich gehöre auch zu ihnen.

THE KICKBOXER verlangt dem Schauspieler van Damme einiges ab. Er muss weinen, als eine Tragödie seinen Bruder heimsucht, gleichzeitig muss er auch Wut empfinden und sie nach außen tragen – der Chirurg im Krankenhaus muss hart an die Wand gepresst werden, sonst glaubt van Damme niemand die Wut. Genauso dürftig wie seine Schauspielkunst sind die Dialoge, das krude Nachzeichnen der Gefühlslage der Figuren. Die Geschwindigkeit, mit der sich Beziehungen anbahnen, Gefühle verletzt werden, Figuren ihre Überzeugungen ablegen, kann nur halberwachsene Jungs verzaubern.

Der Film ist ein Paradebeispiel der Filme der 80er Jahre, die lose unter white male paranoia zusammengefasst werden. Es geht um weiße Männer, die sich gegen ihre Feinde, die besonders in ihrer Andersartigkeit zum weißen Mann charakterisiert werden, durchsetzen. Frauen kommen nur am Rande vor, es geht eher um coole Sprüche, Rache- und Vergeltung, viel action, mitreißend inszeniert. Und der weiße Mann, ein Opfer zunächst, setzt sich überall heldenhaft durch – DIE HARD, PREDATOR, ROBOCOP, aber auch INDIANA JONES… Kurz: vor allem die Lieblingsfilme der Jungs aus den 80gern und frühen 90gern, die damals spätabends auf ProSieben liefen. Die Lust an action der heranwachsenden Männer vermengt sich, ihnen noch unbewusst, mit Körperpolitik und ethischen Fragen, die durchaus das Fremde der Gegner thematisieren.

THE KICKBOXER behandelt die Thailänder ähnlich wie Touristen Tiere auf einer Safari behandeln. Doch verändert sich der Blick des Kämpfers auf die Bevölkerung und die Kultur, weil er die Regeln und Praktiken der fremden Kultur lernen muss um seinen Gegner zu vernichten. Das Motiv der Rache wird keine Sekunde in Frage gestellt, die Mimikry, die Anpassung an den Gegner, wird gelobt, weil sie, so wie jede gelungene Mimikry, zur Waffe werden soll und am Ende auch wird.

Die Fantasie, die hier aufgebaut wird, ist eine, die den white warrior auszeichnet, ihn zum Helden einer fremden Kultur und eines fremden Kulturkreises macht – er rettet die Kultur, das Weibliche, vor ihr selbst – männlicher kann keine Fantasie sein. Wie gerne wäre man als Junge, blind für komplexe Probleme, der Held, der die Frau am Ende gewinnt, den Bösen erledigt und seine eigene, von allem Fremden bereinigte Sicht durchsetzt. Jungsfantasien, Tagträume der Pubertät.

(Was noch heute gefällt: Der Schnitt. Aus einer schlicht und, zugegeben, etwas dumm erzählten Geschichte, holt der Editor Wayne Wahrman das Beste heraus. Der Schnitt, der die Härte der Faustschläge unterstreicht, das exzessive Spiel mit Totalen und Großaufnahmen, wirkt heute, damals vermutlich eher weniger, frisch.)

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