Jedem Film sein eigener Blindspot

Jeder Film hat seinen eignen Blindspot. Was ist ein Blindspot? – Ein Bereich in deinem Sehfeld, den du leichtfertig übersiehst oder nicht sehen kannst. Autofahrer kennen Blindspots, sie gehören zum Fahrerlebnis, zu der Beschaffenheit der Wagen und ihrer Spiegelsysteme. Im Kino sind die Blindspots mitten im Gesichtsfeld, mitten im Bild, immer im Licht, immer erkenntlich. Sie gehören auch zu der Erfahrung der Zuschauer.

Weiterlesen „Jedem Film sein eigener Blindspot“

Advertisements

M – eine Stadt sucht einen Mörder

Wenn man Fritz Langs Filmklassiker zum ersten Mal sieht, könnte man voreilig denken, dass dies ein emotional kalter, den Zuschauer abweisender Film sei: Die Figuren leben nur als Zeugen und Träger ihrer Zunft, sie sind nicht psychologisch oder sonstwie charakterisiert, die Berliner Straßen kennen keinen Himmel, nicht die Wärme der Sonnenstrahlen, die Gespräche drehen sich fanatisch alle nur um eines: um den Kindsmörder und um die Furcht vor ihm.

Weiterlesen „M – eine Stadt sucht einen Mörder“

GODLESS im Gespräch

Western haben Georg und Eral schon immer begeistert. Mit der neuen Western-Serie GODLESS können sie ihrer Leidenschaft wieder nachgehen:

Der Wilde Westen lebt auch noch im 21. Jahrhundert. Ein altes, traditionsreiches Genre hat Georg und Eral fasziniert. Mit GODLESS lassen sich viele bekannte Figuren des Kinos neu entdecken. Die Serie ist wunderbar gemacht. Einzig in der Frage, ob sie zeitgenössich ist oder nicht, werden sich Georg und Eral nicht so schnell einig.

 

Der Podcast ist auch auf Itunes, Stitcher, TuneIn und Podcast.de zu finden.

MR DEEDS GOES TO TOWN

Ein einfacher, redlicher Mann geht in die Stadt der Zyniker und Halsabschneider – hört sich altbacken an, überrascht aber mit einer unglaublich guten Regie-Arbeit und einem ganz guten Drehbuch auch heute noch. Die Rede ist von Frank Capras Klassiker MR. DEEDS GOES TO TOWN.

Weiterlesen „MR DEEDS GOES TO TOWN“

BRIGHT

Eine der ersten Filme, die Netflix exklusiv mit Stars vor und hinter der Kamera produziert hat: BRIGHT. Der Film ist am Ende aber bloß das Remake eines der bekanntesten Filme des Regisseurs David Ayer – die Rede ist von TRAINING DAY. Hier ohne Denzel Washington, dafür aber mit Elfen und Orks. Die Schauwerte jedoch retten die bestens bekannte, vorhersehbare Story und haben, zumindest mir, eine angenehme Abendunterhaltung geboten.

Weiterlesen „BRIGHT“

FEUERWERK

Im Kino bringt das Feuerwerk am nächtlichen Himmel den lang ersehnten Höhepunkt: Sei es durchaus buchstäblich als Metapher (das Feuerwerk, das das perfekt angezogene Paar beobachtet, steht in Hitchcocks TO CATCH A THIEF für Sex, den emotionalen Höhepunkt der Liebschaft) oder aber als Klimax des Handlungsbogens (das Feuerwerk bei Brian de Palmas BLOW OUT überlagert, zerstückelt und ergänzt die Erdrosselung Sallys auf dem Dach auf stilistisch überhöhte Weise).

Im richtigen Leben ist so ein Feuerwerk verdammt laut, riecht schlecht und hüllt die Stadt in dichten Dunst. Ein Höhepunkt auf alle Fälle, wenn auch mehr for show als emotional-empathisch. Wir wissen schon jetzt, was wir von der heutigen Nacht, dem ersten Tag vom Neujahr, erwarten können. Das heißt aber nicht, das wir wissen, was die anderen Tage mit sich bringen werden. Lassen wir uns vom restlichen Jahr überraschen!

Ich wünsche: Frohes Neues und guten Rutsch in den neuen Tag und ins Neue Jahr. Möge es ein tolles Jahr werden!

MINDHUNTER im Podcast

Serienmörder sprechen sich aus – Georg und Eral sind fasziniert von der neuen David Fincher Serie auf Netflix: MINDHUNTER. Der Einblick in die Psyche der Mörder ist packend und fordernd.

Bei der Aufnahme ist der Sound an ein oder zwei Stellen etwas wackelig, wir bitten um Nachsicht. Für die nächste Folge haben wir uns neue Mikrofone geholt und hören uns deutlich besser an :-). Wir spoilern an einer Stelle den Film SEVEN – auch dafür: tut uns leid, die Diskussion war stellenweise hitzig.

 

 

Musik – CC Lizenz: Dead_Combo_-_01_-_Povo_Que_Cas_Descalo
Ganz herzlichen Dank an Karoline von inkunabel.wordpress.com für ihren Hinweis.

Und zuletzt:

Guten Rutsch ins neue Jahr wünschen Georg und Eral!

Ebook „Rückkehr der Greifenreiter“

Für alle, die sich für eine gute Geschichte interessieren: Mein neues Ebook ist auf Amazon erschienen, eine Fantasy-Geschichte nicht nur für junge Leser.

Vielleicht ist die Geschichte für den einen oder anderen interessant? – So oder so, wenn Ihr mir eine Freude machen wollt, freue ich mich über eine kleine Rezension oder eine Bewertung auf Amazon.

Auf dieser Website findet Ihr mehr Infos zur Fantasy-Welt und zu den Figuren.

Warum die SOKO WISMAR beim ZDF ein Genre ist

Deutsche Sender führen einen besonderen Programmplatz: Das Vorabendprogramm. SOKO WISMAR läuft im Rahmen dieses Sendeplatzes. Ein besonderes Sondereinsatz-Team ermittelt in Wismar, wenn Verbrechen geschehen. In der Regel: Mord. Ich denke, die Folgen gründen auch ein eigenes Genre, einen eigenen Bezug zur Wirklichkeit und eine eigene Art, eine Fiktion erfahrbar zu machen.

Weiterlesen „Warum die SOKO WISMAR beim ZDF ein Genre ist“

HEAT – das Heist-Crime Genre

HEAT gehört dem Crime-Genre an. Das Crime-Genre ist nicht mit Gangster-Filmen zu verwechseln. Es tauchen professionelle Räuber auf, eine Form von organisierter Kriminalität durchdringt diese Welt. Die Verbrecher stammen aber nicht aus mafiösen Strukturen, es gibt keine Paten, und wenn, dann geht es nicht um den Paten, sondern um die Räuber. GOODFELLAS ist kein Heist-Film, es ist ein Gangster-Film, ein Mafia-Film.

Bei OCEAN’S ELEVEN passieren auch viele Verbrechen. Aber OCEAN’S ELEVEN ist kein Crime-Film. Hätte Walt Disney jemals einen Crime-Film geschrieben, so etwas wie die Abenteuer von Danny und seinen zehn Kollegen wäre das Ergebnis. Das Genre heißt: Heist. Das Herz des Heist-Genres schlägt für den perfekten Coup, für den perfekt ausgedachten und durchgeführten Raub, ohne eine Waffe zu benutzen. Beispiele sind zahlreich, sie alle vereinen lebenskluge, smarte, manchmal auch coole Betrüger, die einem Ehrenkodex folgen und böse Leute übers Ohr hauen. Der Gewalt bedarf es hier selten, eigentlich nie.

HEATs Liebe zu den detaillierten Raubüberfällen entstammt dem Heist-Genre. Deshalb bin ich geneigt, das Genre Crime-Heist zu nennen: Raubüberfälle und die Räuber stehen im Mittelpunkt. Hier gibt es ein ganzes Regelset, das durch Werke der Literatur und des Kinos aufgebaut wurden.

Etabliert sind diese Regeln unter anderem von den Autoren Richard Stark, Elmore Leonard (Crime-Novels), aber auch durch die Gangster-Noir-Filme des Klassischen Kinos der vierziger und fünfziger Jahre. Auch europäische Filmemacher Stanley Kubrick mit THE KILLING oder wie Jean-Pierre Melville oder François Truffaut mit LE DEUXIÈME SOUFFLE und TIREZ SUR LE PIANISTE haben Filme gedreht, der die Regeln des Crime-Heist-Films respektieren und neu interpretieren.

Angefangen aber hat dieses Genre vermutlich mit der Urbanisierung der Moderne, mit dem Aufkommen der Großstädte und mit der seelischen Entfremdung, die das Subjekt angesichts der voranschreitenden Industrialisierung und Automatisierung heimsuchte, – das heißt: mit den ersten Spielfilmen. Das beste Beispiel dafür: M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER von 1931.

Die Großstadt wird bei Fritz Lang kartografiert und in Gebiete eingeteilt. Diese mühselige Arbeit verrichten die Mitglieder der Unterwelt, der Welt, die parallel zu der Stadt exisitert und für 9-to-5-Arbeiter nicht in Erscheinung tritt. Bei M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER findet sich zum ersten Mal der Gedanke (ganz prominent für die Filmgeschichte), dass die Räuber, Bettler, Schmuggler, Fälscher, etc. organisiert sein könnten. Nicht im Sinne einer Mafia mit Paten und Familien-Hierarchien, sondern als Business und mit Business-Regeln und -Gepflogenheiten.

Diese Art von durchorganisierter Kriminalität gründet alle Crime-Heist-Filme und auch HEAT.

Fortsetzung folgt.