Beim Erzählen gibt es so etwas wie eine Haltung. Nennen wir es ganz polemisch: „guten Geschmack“.

Anders kann ich folgendes Phänomen nicht erklären.

Weiterlesen „Über Erzählen mit Haltung“
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Die Tänzer in der Totalen (Promobild, Wild Bunch)

In welche Gemeinschaft kann man den unbezähmbaren Körper überführen? Nicht umsonst haben sich die Tänzer in CLIMAX zurückgezogen und tanzen hinter verschlossenen Türen. Die Abgeschiedenheit hilft der Konzentration, die Einsamkeit verstärkt aber auch den Wahn, in die sie der Drogenrausch wirft.

Die Eröffnungssequenz – eine lange Einstellung, in der die Kamera geradlinig hin und her wandert und sich schließlich in die Luft hebt – hat mich umgehauen.

Die Wucht der Verrenkungen, die zurückgehaltenen Beats, die den Rhythmus der Szene vorgeben, die Choreografie der Tänzer, die allein auf der Bühne stehen, um im nächsten Moment als Teil eines Ensembles über die Bühne zu stolzieren, zu watscheln oder zu rutschen – alles macht diese Plansequenz großartig und unvergesslich.

Natürlich gehorcht die Aufführung einer Dramaturgie. Wenn wir nach einem Sinn hinter den Tanzfiguren suchen möchten, dann drängt sich sofort der Dualismus von „zivilisiert-beherrscht“ und „wild-ungezügelt“ auf. Dabei spielt aber das Begehren nach dem Körper des anderen, besonders nach dem des anderen Geschlechts, egal in welcher „Ausführung“, eine prominente Rolle. Das Begehren wirkt nicht einseitig, sondern inszeniert zugleich den Begehrenden wie auch das Objekt der Begierde.

Es ist ein Paradoxon: Erst das Begehren hat die Kraft, den Körper zu disziplinieren. Anders gesagt: Erst der animalische Trieb zivilisiert den Menschen.

Großartiger Film, jetzt auf Netflix!

#netflix #kino #gaspardnoé #tanz 

K auf Augenhöhe mit dem Indexfinger (Filmstill, Columbia and Sony Pictures)

Die Hauptfigur „K“ nennen und dann wirklich keine Anspielung auf die westliche Moderne bringen, hätte Kafka enttäuscht.

Aber bei BLADE RUNNER 2049 geht es um etwas anderes. Auch wenn uns der Anblick der zukünftigen Großstädte ähnlich wie beim Vorgänger die Luft raubt, beschreitet der Film einen eigenen Weg.

Ridley Scotts BLADE RUNNER von 1982 steht nicht nur vom Plot her in einer gänzlich anderen Tradition. Ähnlich wie es Steven Spielberg, Lucas und ihre Gefährten mit dem eigenen Material versucht haben, versuchte damals auch die Verfilmung von Philip K. Dicks Roman aus einem Trend Kapital zu schlagen: Die Erhöhung von B-Ware zu Blockbustern. Ridley Scott präsentiert einen bewährten Plot des klassischen Hollywood-Kinos als teuer ausgestatteten Sci-Fi-Film. Dass der geistige Ursprung der Bilder zurück in die Zeit des Stummfilm-Kinos geht, ist nur folgerichtig. Der Einfluss von Fritz Langs METROPOLIS ist augenfällig.

In all der einnebelnden Atmosphäre, der berauschenden Musik und Harrison Fords Charisma fiel sofort auf, wie merkwürdig simpel der Plot geraten war.

Es braucht keine drei Szenen, bis sich Replikant und Replikant-Jäger in die Arme fallen.

Vom Zurücktreten der narrativen Komplikationen profitierte die Atmosphäre und das Set-Design.

Den Urgedanken von METROPOLIS – eine künstliche Intelligenz in Gestalt einer Frau, die Hoffnung und Unheil über die Menschen bringt – greift nun auch der Nachfolger auf.

Aber Dennis Villeneuve ist gänzlich wenig an der Filmgeschichte und der Herkunft der Bilder interessiert. Ihn geht es gleich ums Ganze: Es geht um die Ur-Geschichte, Adam und Eva, den Baum, das Wunder einer Geburt und um Liebe. Und ganz viel KI.

Ich hatte angenommen, dass nach EX MACHINA die Zusammenführung von christlichem Glauben, Garten Eden und Künstlicher Intelligenz im Sci-Fi-Genre ausgelutscht wirken könnte.

Ich hatte Recht.

BLADE RUNNER 2049 möchte einen Mythos etablieren. Der Film handelt mythisch. Es geht um den Menschen usw., klar, aber es geht vor allem um das, was hinter den Augen ist, den Geist, das Unsichtbare, die Erinnerungen, die Seele.

Der Dualismus Geist und Körper schreibt sich als Dualismus von Elementen in das Szenenbild: Wasserreflektionen auf den gelb ausgeleuchteten Wänden, die regenverhangene Großstadt, der finale Kampf im (sintflutartigen) Meer, der naturverlassene Glaskäfig der Heiligen, der Erinnerungsmacherin – als Auserwählte lebt sie jenseits der natürlichen Elemente.

Der Film bietet wunderbare Bilder. Und ich habe wohl den besten Dreier (Replikant, Replikant, Projektion) der gesamten Filmgeschichte erlebt, keine Frage.

Trotzdem – eben weil der Film sich mit den Bildern von der Filmgeschichte und damit vom eigenen Ursprung entfernt – hat der Film wenig Neues, wenig Radikales zu bieten.

Was der Mensch angesichts der eigenen Kunst-Schöpfungen ist, muss uns der Film ausbuchstabieren.

Die Dialoge sind talky geraten: Die Figuren holen aus und erklären uns Dinge, philosophieren über die Welt, statt den Plot voran zu treiben oder zumindest auf das Augenfällige zu reagieren.

Das wirkt immer aufgesetzt und langweilig.

Die Frage, was der Mensch angesichts der Roboter ist, können Filme nur als sich ihrer eigenen Herkunft bewusste Filme beantworten. Jeder andere Versuch wirkt schnell anmaßend und – langweilig.

#bladerunner #netflix #harrisonford #review #kritik #kafka

Die Legende Billy Wilder von Norman Seeff in Szene gesetzt (Bild kommt via Black Board)

Ich bewerbe mich gerade um einen Workshop. Als Teilnahmebedingung soll jeder auf einer Seite zusammenfassen, was ihm zu folgendem Thema einfällt: Humor in Deutschland.

Hier ist das, was ich dazu zu sagen habe:

Ich finde die Deutschen zum Schießen. Diese Aussage würden die allerwenigsten mit Witze reißen und Lachen in Verbindung bringen. 

Ich übertreibe, natürlich. So schlimm steht es nicht um den Humor zwischen Rhein und Oder. Aber auch nicht so gut. Es genügt, dass man den Quatsch-Comedy-Club in Berlin besucht, und schon zweifelt man am eigenen Optimismus. Es gibt eine Art von Humor, den ich eklig finde. Ich denke zum Beispiel an Mario Barth. 

Humor in Deutschland kann aber auch intelligent und feinfühlig sein. Und jetzt denken wir bitte an Loriot und an seine legendäre Récamiere. Mit seinen Kurzfilmen und Sketches bin ich großgeworden. Ich denke aber auch an Kurt Tucholsky, dessen Beobachtungs- und bissige Kombinationsgabe mir schon als Kind große Freude bereitet haben. Ernst Lubitsch und Billy Wilder, deren Filme ich als Kind schaute und heute noch in den Schwarzweißfilmen neue Schattierungen und Details entdecke. Auch „Stromberg“ und die frühen Folgen von „Switch“ bereiten mir großes Vergnügen. Auch gab und gibt es in Deutschland großartige Kabarettisten, die mühelos das politische Treiben durchpflügen und die Mechanismen der Macht in Form von scharfsinnigen Kommentaren greifbar machen.

Als Türke habe ich noch nie auf die Deutschen geschaut und mich gefragt, ob sie witzig sind. Ich finde die Türken vielleicht fröhlicher, aber nicht lustiger als die Nachfahren von Arminius. Ich habe eine Weile in Frankreich gelebt, ich habe in Estland gelebt – die Menschen dort waren auch keine geborenen Witzereißer und -erzähler. Ganz im Gegenteil.

Kurz: Ich finde, die Fragen, ob die Deutschen witzig sind oder nicht, ob sie ausgiebig lachen können oder nicht, sind unnötig. Sie zeugen von Selbstzweifeln.

Spannend ist es, heraus zu finden, wo diese Zweifel ihren Ursprung haben könnten.

Die Medien sind schuld, höre ich den dicken Sachsen mit dem Deutschlandhut rufen. Und vielleicht liegt er zum ersten Mal in seinem Leben nicht meilenweit, sondern nur fußweit daneben. Natürlich sind die Serien und Filme und Sketch-Shows bei dieser Bestandsaufnahme die Hauptverdächtigen. Und ja, ich finde, hier bietet sich noch Raum, in dem man Comedy besser machen kann. Wie oft habe ich einen Film oder Serie deutschen Ursprungs gesehen und habe den Gags beigewohnt und meinte: Ganz nett, aber…oder gleich: Nö, nicht witzig

Als medienaffiner und -erprobter Zuschauer fällt mir auf, dass Schauspiel, Inszenierung und Drehbuch manchmal nicht so gut zusammenspielen, wie sie sollten. Als Drehbuchautor möchte ich nur etwas zum Textuellen sagen. Und hier wünsche ich mir mehr Drehbücher, die die Figuren ernst nehmen, in den Figuren selbst nach der Komik suchen. Der Humor stellt sich wie von selbst ein, wenn man fleißig (und als Autor zunehmend verzweifelt) die Persönlichkeiten und Beziehungen ergründet, statt faul eine Idee nach der anderen den wehrlosen Kreationen überzustülpen. Es braucht viel Einsatz und viel Arbeit, um Zuschauer zum Lachen zu bringen.

#comedy #deutsch #humor #drehbuch

Kritische Blicke kurz vor dem gemeinsamen Höhepunkt (Filmstill, Studiocanal)

Starbesetzte Mainstream-Komödien anspruchsvoll zu schreiben ist schwer. Sie müssen zum einen ethisch sauber und massentauglich (d. h. für alle Märkte der Welt) wirken, zum anderen müssen sie auch wirklich Neues bieten können – sonst geht ja niemand mehr ins Kino.

BAD SPIES ist der Prototyp dieser Mainstream-Komödien, die zunehmend vom Dunkel der Kinosäle ins Helle der Streaming-Plattformen abwandern. Leider wäre auch dieses Exemplar einer verfehlten Komödie besser bei Netflix als auf der Leinwand aufgehoben.

Schauen wir uns an, woran der Film scheitert. Der erste Akt möchte die Heroine auf Reisen schicken. Sie soll einen Auftrag, den ihr Ex-Boyfriend angenommen hat und an dem er arbeitet, zu Ende bringen.

Okay.

Das könnte man eventuell noch glaubwürdig und überzeugend motivieren: Eine Szene, die uns zeigt, dass die Heldin über die benötigten Fähigkeiten verfügt – aber sie ist noch zu schüchtern oder gehemmt, um sie zielführend einzusetzen. Eine andere Szene, wo ihr eine ähnliche Verantwortung übertragen wurde, sie aber daran scheitert oder den Auftrag gar nicht erst annimmt. Und schließlich die dritte Szene, in der sie ihr Boyfriend hinaus in die Welt schicken muss – gegen ihren und seinen Willen, aber es muss so sein. Und diesmal nimmt sie an. In drei Charakter-Szenen hätten wir unsere Heldin ready für den zweiten Akt. Ihre Entwicklung könnte so „plausibel aufgehen“.

Aber in BAD SPIES kommt ein weiterer Moment hinzu, eine emotionale Belastung, die das Gefüge aus den Gleisen hebt: Der blutige Tod des Boyfriends vor den Augen seiner Freundin. Ein traumatisches Erlebnis.

Die an den Tod anknüpfende Szene entbehrt dann jeglicher psychologischer Glaubwürdigkeit und „verliert“ den Zuschauer: Die Heldin muss bei Verstand bleiben und sich vor dem Zuschauer rechtfertigen, nach diesem Ereignis inkognito in ein Flugzeug zu steigen und nach Wien zu fliegen. Der Dialogaustausch mit der Freundin wirkt so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass er nicht einmal der Absurdität der Situation Rechnung trägt.

Klar. Ähnliche Szenen kommen besonders in komplexen Genre-Filmen zur Anwendung: Ich denke hier an Figuren, die uns Zeitreisen erklären und es so ausführlich machen, dass man als Zuschauer gar nicht mitkommt usw. Die Szenen transportieren weniger Informationen oder emotionale Konflikte, als dass sie den Zuschauer bei der Plot-Stange halten sollen, Unglaubwürdigkeit schwächen und Plausibilität schaffen sollen.

Diese Art von Szenen sind immer etwas peinlich anzuschauen. Und hier noch mehr als sonst.

#drehbuch #badspies

Das Paar kurz vor dem ersten Kuss und vor anderen Dingen, die mehr Spaß machen als der Film (Filmstill v. Netflix)

Wenn sich jemand gefragt hat, ob man bei Zuschauern Gefühle nach Bedienungsanleitung erzeugen kann, wird er bei FALLING INN LOVE fündig.

Die neue Romantic-Comedy von Netflix möchte nicht das Rad neu erfinden. Originalität ist ihr ein Schimpfwort, die Lust auf Veränderung verhasst, und das Unterfangen, eine seit Jahrzehnten bewährte Geschichte anders als gewöhnlich zu erzählen, empfindet sie als Anmaßung.

Wenn man diese Haltung dem Film verzeihen mag, dann findet man als Zuschauer ein paar Funken Romantik, ausreichende (leider schlecht inszenierte) Gags und einen abgeschlossenen Charakter-Bogen.

Die große emotionale Erfüllung bleibt zumindest für uns Zuschauer am Ende aus.

Der Film wirkte auf mich auf solche Art unoriginell, dass ich Absicht dahinter vermute. Der Film soll gar nicht Neues in die Welt bringen. Vermutlich verfolgt Netflix mit dieser TV-Ware plattforminhärente Absichten, die der Zuschauerbindung dienen – oder irgendetwas in der Art. Zumindest hoffe ich das für Netflix.

Rechnen wir dem Film hoch an, dass er verstanden hat, wie eine Romantic Comedy funktioniert, welche Charakter-Entscheidungen nötig sind, um den Tank des Romantik-Motors mit genug Konfliktmaterial zu füllen.

Schließlich will niemand auf der Strecke bleiben.

Es gibt aber etwas zum Anfang zu sagen: Die ersten Minuten eines jeden Films sind die wichtigsten, da der Anfang uns Zuschauer auf Stil, Inhalt und Erzähltempo einstimmt.

Und hier zeigt uns der Beginn, wie unsere Heroine – wartet. Der Film wendet die ersten kostbaren Minuten dafür auf, um uns zu zeigen, wie Zeit verstreicht.

Furchtbarer Fehler für eine Romantic-Comedy! Als ich die Vorbereitungen für Gabrielas Verkaufspitch gesehen habe, hatte ich schon keine Lust mehr, die Heldin kennenzulernen. Interessant oder anregend ist die Figur Gabriela (Christina Milan) leider nicht gezeichnet, und das wird auch im Laufe der Geschichte nicht besser. Eine belanglose Heldin.

Aber vielleicht soll auch das so sein. Denn: Einer interessanteren Figur hätte man den Ideenarmut des Plots niemals verziehen!

#netflix #romanticcomedy #howto #fallinginnlove

GOLDEN TWENTIES (Filmstill, 20th Century Fox)

Trailerschnitt hat sich zu einer Kunstform entwickelt. Bemerkenswert ist, dass es gerade die hochkapitalistischen Kinoprodukte der Studios sind, die dem Marketinginstrument ein Eigenleben beschert haben.

Trailer sollen Zuschauer ins Kino locken, liefern ein Argument für Streaming-Abos, kurz: sie machen Werbung. Sie lassen ein Produkt als Antwort auf die Fragen aller Fragen erscheinen: Warum will ich gerade diesen Film, diese Serie schauen? Was habe ich davon?

Die Antwort von Hollywood auf diese Fragen hat unsere Sehgewohnheiten konditioniert.

Ich bin in dieser Woche über zwei europäische Trailer gestolpert. Anders als die durchrationalisierten Marketing-Instrumente der Amerikaner sind die Trailer nicht sonderlich gut. – Das muss eigentlich kein Argument gegen den beworbenen Film sein. Trotzdem wird in beiden Trailern etwas augenfällig, was die Serie oder der Film zu verbergen sucht.

Zuerst der Trailer zu der Serie EDEN.

Flüchtlingsschicksale usw. Schon beim ersten Sehen fallen sofort die künstlich aufgeladenen Szenen auf: Migranten regen sich über Bürokratie auf und werfen die Akten auf dem Schreibtisch um, ein Sohn verkleidet sich mit Kopftuch und die Eltern reagieren schockiert. Alles Momente, die bei mir ein rotes Licht aufleuchten lassen: Die Macher haben zu wenig Konflikt, zu wenig Drama im Plot, sie greifen auf unglaubwürdige und dumme Szenen zurück, um künstlich mehr Biss, mehr Action, in die Szenen hinein zu zaubern.

Der Trailer möchte die Serie anpreisen, offenbart aber nur die Fehler des Werks.

Ähnlich ist es mit einem aktuellen Kinofilm. YouTube sei dank wurde mir der Trailer automatisch eingeblendet: GOLDEN TWENTIES, das Coming-of-Age einer Berliner Zwanzigjährigen (oder so etwas in der Art…).

Trailer zu GOLDEN TWENTIES (externer Link via YouTube)

Der Trailer möchte hipp und spektakulär wirken. Bonbonfarbene, höchst stylische Titel werden auf die Totalen eingeblendet oder zwischengeschnitten. Doch das Hippe, das an den Meister Gaspard Noé erinnert, läuft hier komplett fehl: Die Szenen sind emotional trocken und langatmig, die deutsche Bedeutungsschwere lungert in den Bildern wie die grauen Wolken über dem winterlichen Berlin, Sophie Kluges Inszenierung schwankt zwischen Banalität und Bedeutsamkeit, zwischen zurückgehaltenem Sinn und Formwillen.

Im Versuch, sich den Sehgewohnheiten der Jugend anzubiedern, wirkt der Trailer wie ein Rentner in H&M-Klamotten: Statt das Alter zu verbergen, decken die Kleider die schrumpelige Haut auf.

#trailer #deutsch #kino #serie #arte

Über die Fehler im Story-Telling

Animiertes Video aus dem Spiel OVERWATCH (externer Link via YouTube)

Charaktere und ihre besonderen Fähigkeiten sollen in Aktion vorgestellt werden. Das ist besonders relevant, wenn es um Computer-Spiele geht.

Doch sollte der Effekt nicht dem Inhalt zum Opfer fallen. Schnell fällt dann auf, dass der Handlungsverlauf keinen Sinn ergibt. Zum Beispiel bei diesem Video aus dem erfolgreichen Spiel OVERWATCH. Die Charaktere werden einer nach dem anderen eingeführt und in ihrem Bemühen vereinzelt, einen Limousinen-Konvoi zum Stoppen zu bringen.

Das sieht schön aus, ist wunderbar geschnitten und atmosphärisch gestaltet.

Aber es macht keinen Sinn: Warum treten die Figuren immer einzeln auf, warum nicht gleich den Engel mit dem Blend-Blitz einführen und dann alle zugleich attackieren?

Natürlich, die Antwort lautet: Weil es auf die Art einfach besser aussieht. Aber oft verdirbt Sinnlosigkeit den Spaß an der Action.

#overwatch #blizzard #cutscenes #video #youtube

Auch Leinwand-Stars schauen Fernsehen (Brad Pitt und Leonardo DiCaprio, Filmstill)

Quentin Tarantino erinnert uns an die Kunst der Lichtspieltheater.

Auch wenn nicht jeder Zuschauer in den Genuss kommt, ONCE UPON A TIME… im Imax-Format zu schauen – das besonders Kinematographische des Films bleibt auch in einer gewöhnlichen Kinovorführung augenfällig.

Was zeigen uns die Bilder?

Movie Stars, so weit das Auge reicht. Amerikanische Karosserien, die von eben denselben Stars gefahren werden – und das mit großer Eleganz aber auch dem richtigen Anteil an Coolness hinter dem Steuerrad. Kamerafahrten, Tracking Shots und lange Einstellungen und vor allem: viel umgebender Raum, der historisch akkurat ausgestattet wurde.

Aber auch die Großaufnahmen von Nebensächlichkeiten: im Wasser kochende Nudeln in Töpfen, feuchte Hundeschnauzen und Konservendosen, aus denen Fleisch herausflutscht – und natürlich die Füße der Frauen.

Interessant ist, dass Tarantino ein Plot um Fernsehen und Fernsehstars schnürt, um uns von der Kraft der Kinobilder zu überzeugen.

Denn: diese Art der Bilder finden sich nicht im alten wie auch im neuen Fernsehen. Die Shots sind zu aufwändig, das Set Design zu üppig, die Kamerafahrten zu langsam, die Dialoge ohne Szenen-Höhepunkte. Die Szenen lösen sich merklich von jeglicher Zielstrebigkeit von Mainstream-Filmen ab.

Niemand außer Tarantino könnte ein Filmstudio dazu bringen, solch ein ereignisloses Drehbuch abzunicken.

Als Medien-Parabel hat uns ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD etwas Wichtiges zu sagen:

+++harmloser Spoiler folgt+++

Der Fernsehstar Rick Dalton lebt im Haus neben dem angehenden Starlet Sharon Tate und dem Regisseur der Stunde: Polanski. Er himmelt die Nachbarn an. Erst seine Verstrickungen in den Plot um Hippies und Charles Manson enthüllen ihm am Ende den Blick der Movie-Stars auf ihn: Genauso, wie er sie vergöttert, achten auch sie den Fernsehstar hoch. Beide Medien, Kino und Fernsehen, koexistieren, niemand schaufelt dem anderen ein Grab.

Und das ist doch eine positive – Pessimisten würden sogar sagen: optimistische – Aussage fürs Kino.

Die Erinnerung an das, was Hollywood bedeutete, bestätigt seine Macht im Heute und begleitet die Traumindustrie in die Zukunft.

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